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19.09.2014

17:13 Uhr

Gastbeitrag

So wichtig wie Lesen

Die Vermittlung digitaler Grundkenntnisse kann gar nicht früh genug beginnen, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt.

Schüler im Unterricht: Mobiltelefon und Tablet-Computer zum selbstverständlichen Lernwerkzeug werden, findet Ulf Reichardt. ullstein bild

Schüler im Unterricht: Mobiltelefon und Tablet-Computer zum selbstverständlichen Lernwerkzeug werden, findet Ulf Reichardt.

Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft verdanken wir vor allem unserem Wissen. Wenn der Staat daher mehr für Bildung und Forschung, Schulen und Hochschulen tun will und sechs Milliarden Euro zusätzlich in Kitas, Schulen, Hochschulen und Ausbildung investiert, so ist dies das richtige Signal zur Zukunftssicherung des Standorts Deutschland.

Dennoch kommt dabei eines immer noch zu kurz: das Thema Digitalisierung. Es muss zum festen Bestandteil einer Bildung werden, die unsere jungen Menschen zukunftsfest macht.

Wer die digitale Welt von heute und morgen verstehen und mitgestalten will, braucht entsprechende Grundkenntnisse der dazugehörigen Technologien und Infrastrukturen. Sie werden so wichtig wie Lesen, Schreiben oder das Einmaleins.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt. Pressebild IHK Köln/Peter Boettcher

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulf Reichardt.

Erziehung bedeutet in diesem Zusammenhang, jungen Menschen die Chancen der digitalen Welt zugänglich zu machen und sie gleichzeitig zu einem souveränen Umgang mit den damit verbundenen Gefahren zu ertüchtigen. Smartphones vom Schulhof zu verbannen ist der falsche Ansatz dafür.

Lernen wird sich künftig zunehmend online abspielen und in soziale Netze verlagern. Vernetzte mobile Endgeräte können das Lernen ortsunabhängig machen. Lehrerinnen und Lehrer, Dozentinnen und Dozenten müssen Lerninhalte und Lernverfahren anpassen, Mobiltelefon und Tablet-Computer zum selbstverständlichen Lernwerkzeug werden. Wenn das nicht geschieht, wird die soziale Schere sich nur noch weiter öffnen.

Hochschulen können ebenfalls zum Schrittmacher der Digitalisierung werden - etwa durch eine stärkere digitale Vernetzung der Fakultäten und gemeinsame Konferenzen. So kann kreatives Potenzial und technisches Know-how besser entwickelt werden.

In der Berufsausbildung wird die Digitalisierung zu neuen Übungsmethoden und neuen Berufsbildern führen. Manuelles Training auf digitaler Basis ist beispielsweise in der Chirurgie und in der Schweißtechnik bereits heute Normalität. Elemente aus der Programmierung virtueller Welten erlauben heute kostengünstige Trainingsmethoden, die früher nur in teuren Simulationsanlagen zur Verfügung standen. Werkzeuge wie "Google Glass" ermöglichen es, sich im Internet zu bewegen und dabei beide Hände - etwa für Schweißarbeiten - frei zu haben. Erste "neue" Berufsbezeichnungen sehen wir bereits: Social-Media- oder Community-Manager.

Ob Schule, Hochschule oder Berufsausbildung: Es gibt derzeit nichts Spannenderes als die Digitalisierung und Vernetzung der Welt. Sicher: Wie alle Innovationen birgt sie nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Aber ob nun Schwachstellen in der digitalen Infrastruktur für Computersabotage ausgenutzt werden oder wir uns mit Abhörrisiken konfrontiert sehen: Die Risiken können vor allem von denjenigen eingeschätzt und gehandhabt werden, die gelernt haben, mit Digitalisierung umzugehen.

Wenn möglichst viele Menschen sich möglichst gut mit diesen Themen auskennen, erscheinen die Risiken beherrschbar, und die Chancen überwiegen bei Weitem. Sie gilt es zu nutzen. Jetzt.

Der Autor ist Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

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