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15.11.2014

16:33 Uhr

Gastbeitrag

Über kluge Machtpolitik

VonHanns W. Maull

Kluger Machtpolitik geht es nicht nur um den richtigen Mix harter und weicher Mittel. Vielmehr antizipiert sie ihre Wirkung auf Beziehungsgeflechte und die außenpolitische Identität der Staaten, meint Hanns W. Maull.

„Die russische Aggression in der Ukraine ist eine militärische Herausforderung, die (auch) militärische Antworten braucht“, sagt Hanns W. Maull. dpa

„Die russische Aggression in der Ukraine ist eine militärische Herausforderung, die (auch) militärische Antworten braucht“, sagt Hanns W. Maull.

Im Händeringen um angemessene Antworten des Westens auf die russische Destabilisierung der Ukraine hat der Kriegsgott Mars, haben „harte“, militärische Machtmittel einmal mehr Konjunktur, sie drohen, die „weichen“ beziehungsweise „sanften“ Machtmittel der Göttin Venus in den Hintergrund zu drängen.

Kluge Köpfe wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die neue EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini sorgen sich aber vor allem um den rechten „Mix“, also die wirksamste Mischung beider Formen von Macht. Der amerikanische Politikwissenschaftler und Außenpolitiker Joseph S. Nye, der die Unterscheidung von „soft power“ und „hard power“ popularisiert hatte, fand dafür schon vor einigen Jahren, zum Amtsantritt des damaligen Hoffnungsträgers Barack Obama 2009, die passende Syntheseformel: „smart power“.

Sie sollte deutlich machen, dass erfolgreiche und einflussreiche Außenpolitik nicht nur von Machtressourcen abhängt, sondern vor allem von der Geschicklichkeit derer, die mit diesen Machtressourcen hantieren, sie mischen, miteinander verknüpfen und so dosieren, dass sie optimale Wirkungen im Sinne der eigenen Ziele und Interessen erzielen.

Prof. Dr. Hanns W. Maull forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) als Gast zu deutscher Außenpolitik und der Zukunft der internationalen Ordnung. PR

Prof. Dr. Hanns W. Maull forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) als Gast zu deutscher Außenpolitik und der Zukunft der internationalen Ordnung.

Aber auch diese „smart power“-Perspektive auf Macht greift noch zu kurz. Denn sie stellt letztlich nur auf den Akteur ab, der Macht ausübt, auf sein Macht-Portfolio und seine Geschicklichkeit im Umgang mit seinen Mitteln. Doch wo immer Macht zum Einsatz kommt, wird nicht nur das Verhalten anderer beeinflusst, sondern entsteht auch Beziehung.

Wie Macht angewandt wird, hat insofern Einfluss auf die bilateralen Beziehungen, auf regionale Beziehungsgeflechte, ihre Spielregeln und Verhaltensmuster, also: auf regionale Ordnung, und schließlich auch auf die Akteure und ihre außenpolitische Identitäten selbst.

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