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19.09.2013

12:22 Uhr

Gastbeitrag

US-Wirtschaft bleibt auf Drogen

VonUlrich Kater

Finanz-Anabolika statt Entzug: Die US-Notenbank hält an ihren Anleihekäufen fest. Das ist überraschend, meint Ulrich Kater. Doch für den Deka-Chefvolkswirt ist das noch lange kein Beinbruch.

Interview mit DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater

"Die Fed spielt auf Sicherheit"

Interview mit DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater: "Die Fed spielt auf Sicherheit"

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Alles dreht sich bei Notenbanken um Kommunikation. Da bemühen sich die Zentralbanken, Märkte und Wirtschaft an die Hand zu nehmen und ihnen über den Kurs der Geldpolitik eine langfristige Orientierung zu geben. Und dann das: Die schon sicher geglaubte Reduzierung der Anleihekäufe findet erst einmal nicht statt, auch nennt die US-Notenbank kein Datum für einen solchen Schritt. Der Markt ist, gelinde gesagt, überrascht. Renditen von Staatsanleihen stürzen ab, an den Devisenmärkten verliert der US-Dollar mehr als einen Cent gegenüber dem Euro.

Hieraus lässt sich erst einmal ableiten, dass auch Notenbanken auf Sicht fahren müssen. Wer meint, die Notenbanken verfügen über bessere Daten, bessere Modelle oder besseres Erfahrungswissen als die anderen Teilnehmer der Finanzmärkte, findet wieder einmal einen Beleg dafür, dass dem nicht so ist. Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten waren nicht mehr überzeugend genug, um mit der Reduzierung des geldpolitischen Stimulus beginnen zu müssen. Hier hatten sich die bisherigen Kommentare aus dem US-Zentralbankrat, nicht zuletzt auch von Präsident Bernanke, zu weit vorgewagt.

Ulrich Kater: Chefvolkswirt bei der Deka Bank. PR

Ulrich Kater: Chefvolkswirt bei der Deka Bank.

Insbesondere am US-Häusermarkt gab es zuletzt Zeichen von einer Verlangsamung der Erholung. Dies hatte die Fed in ihrem Statement aufgenommen, indem sie andeutete, dass erst die Wirkung der gestiegenen Marktzinsen auf die Wirtschaft abgewartet werden solle, bevor man mit dem Vorhaben der geldpolitischen Straffung fortfahre.

Wie geht es nun weiter? Der eine oder andere mag sich bei dieser Episode ein wenig an die Europäische Zentralbank erinnert gefühlt haben. Die hatte noch unter ihrem damaligen Präsidenten Trichet im Spätsommer 2011 den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik gesucht und auch bereits zwei Zinserhöhungen vorgenommen, bevor sich die Wirtschaftsdaten rapide verschlechterten. Trichets Nachfolger Draghi schlug denn auch ganz schnell die Gegenrichtung ein.

Sind das alles Anzeichen dafür, dass diese extreme Geldpolitik überhaupt nicht mehr aufgegeben werden kann, wie es einige Beobachter befürchten? Ich glaube das nicht. Es gibt eine Reihe von wirtschaftlichen Entwicklungen, die – zumindest in den Vereinigten Staaten – darauf hindeuten, dass die wirtschaftliche Erholung von der Finanzkrise weitergeht. Möglicherweise aber eben nicht so schnell wie die Marktteilnehmer jetzt gedacht hatten.

Kommentare (14)

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19.09.2013, 12:37 Uhr

Ich halte nichts davon, die Aussagen der FED permanent zu analysieren. Ironischerweise hat das teilweise TAGE gebraucht, bis sich in den letzten Monaten an den Börsen ein angeblicher Konsens über die lächerlich dürren Worte der FED gefunden hat - die Schwankungen zeigten das überdeutlich.

Der Grund für gestern ist doch ganz einfach: Bernanke geht und ein anderer kommt kurzfristig. Der darf sich dann damit herumschlagen, Ben ists leid.

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19.09.2013, 12:43 Uhr

Wenn das (...) Volk jemals privaten Banken erlaubt, die Währung zu kontrollieren, dann werden die Banken zuerst durch Inflation, dann durch Deflation das Volk all seines Eigentums berauben, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent aufwachen, den ihre Vorväter einst eroberten. Die Geldschöpfung muß den Banken entrissen und dem Volk zurückgegeben werden, dem sie rechtmäßig gehört. Thomas Jefferson

Die moderne Theorie der Verschuldung hat die Erde mit Blut getränkt und ihre Bewohner in ein Schuldsystem gebracht, das ohne Ende wächst. Thomas Jefferson

Was der führende Verfassungvater der USA schon damals wußte, und was wir heutzutage alles vergessen haben, ist schon erstaunlich!

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19.09.2013, 13:01 Uhr

Keine Notenbank kann wieder die Zinsen erhöhen, da dies den Schuldenturm zum Einsturz bringt. Nachdem der Zins als Steuerungsinstrument damit entfallen ist, bleibt nur noch die Flutung der Märkte mit unendlich Liquidität. Glauben Sie wirklich Herr Kater, dass Inflation kein Thema ist ?

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