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26.05.2017

17:53 Uhr

Gastbeitrag von Karmenu Vella

Arbeit für eine grünere Zukunft

VonKarmenu Vella

Was haben ein Architekt, ein Installateur, ein Banker, ein Wasserbauingenieur und ein Bio-Winzer gemein? Nicht viel, könnte man meinen. Doch alle tragen auf ihre Weise zur Kreislaufwirtschaft bei. Ein Gastbeitrag.

Der EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei will das Potenzial des Abfall- und Recyclingsektors voll ausschöpfen. EU-Kommission

Karmenu Vella

Der EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei will das Potenzial des Abfall- und Recyclingsektors voll ausschöpfen.

Die Europäische Union ist große Verpflichtungen eingegangen, um den Klimawandel aufzuhalten und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Nun müssen wir gezielt dafür sorgen, dass Arbeitnehmer über die richtigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen, damit wir sie erfüllen können.

Am besten sieht man diese Versprechen als Gelegenheit für neue Chancen. Genau dies ist auch der Ansatz der diesjährigen Green Week – Europas größter Veranstaltung zur Umweltpolitik, die vom 29. Mai bis 2. Juni stattfindet. Hier werden die unterschiedlichen Aspekte des grünen Arbeitsmarkts beleuchtet und was wir tun können, um die Arbeitsplätze zu fördern, welche die Wirtschaft von morgen vorantreiben. Wie können wir einen Fachkräftemangel in grünen Berufen verhindern? Und welche Rolle kommt politischen Entscheidungsträgern, Sozialpartnern und Unternehmen dabei zu?

Seit dem Jahr 2000 ist die Beschäftigung in Öko-Industrien um 20 Prozent gestiegen. 2014 waren es 4,2 Millionen Arbeitsplätze mit einem Umsatz von rund 700 Milliarden Euro. Aber grüne Arbeitsplätze gibt es nicht nur in Öko-Industrien. Die wachsende Bedeutung der Nachhaltigkeit ist in allen Branchen angekommen. Für ökologischen Landbau und Ökotourismus ist eine intakte Umwelt die Basis, und viele Arbeitsplätze sind direkt davon betroffen.

Merkel und der Umweltschutz: Klimakanzlerin a.D.?

Merkel und der Umweltschutz

Klimakanzlerin a.D.?

Der einstigen Klimakanzlerin Merkel und ihrer Regierung ist jeder Ehrgeiz in der Klimapolitik abhandengekommen. Ein Grund: Ihre Partei ist einem alten Verständnis von Wirtschaft zugewandt. Und dann sind da noch die USA.

Die Bezeichnungen „grün”, „nachhaltig” und „fair” sind für den Erfolg eines Unternehmens zu unverzichtbaren Qualitätssiegeln geworden. Viele Wirtschaftsbereiche haben erkannt, dass sie Geld sparen, wenn sie in Ressourceneffizienz investieren, da sie weniger von Rohstoffen und Importen abhängen. Natürlich ist der Übergang zur Kreislaufwirtschaft eine große Herausforderung, aber auch einer der besten Wege, Industriezweige und Arbeitsplätze in Europa zu halten.

Man denke nur an neue Produkte wie Smartphones und Tablets. Jedes Jahr werden Millionen hergestellt, und in jedem einzelnen Produkt stecken wertvolle Rohstoffe. Der spektakuläre Schritt des belgischen Umicore-Konzerns vom Kohlebergwerk hin zu einer sprichwörtlichen Goldgrube ist ein gutes Beispiel dafür: Vor über 200 Jahren als Bergbauunternehmen gegründet, machte das Unternehmen in der Wertschöpfungskette einen großen Schritt nach oben und begann mit dem Recycling von Altmetall. Heute kann Umicore über 95 Prozent des Goldanteils in Leiterplatten zurückgewinnen und in Goldbarren mit einem Feingehalt von 99,99 Prozent umwandeln.

Wir sind jedoch weit davon entfernt, das Potenzial des Abfall- und Recyclingsektors voll auszuschöpfen. Aktuell werden weniger als 25 Prozent des gesammelten Plastikabfalls in der EU recycelt und etwa 50 Prozent landen immer noch auf Müllhalden. Würden alle geltenden Abfallvorschriften in Europa vollständig umgesetzt, hätten wir nicht nur höhere Recyclingquoten. Es könnten bis 2020 auch bis zu 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Das ist etwas mehr als die Gesamteinwohnerzahl Bochums. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, unternimmt die Europäische Kommission einen erneuten Vorstoß mit den Mitgliedstaaten, um eine bessere Umsetzung der gemeinsam verabschiedeten Umweltgesetze zu erreichen.

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Ebenso muss mehr getan werden, um die Steuerlast von der Arbeit auf Ressourcennutzung zu verlagern und Subventionen für umweltschädliche Aktivitäten zurückzufahren. Die Umweltsteuereinnahmen liegen im EU-Durchschnitt bei 6,35 Prozent. Umweltsteuern ermutigen Menschen nicht nur dazu, ihr Verhalten zu ändern. Durch ihre Ausweitung könnten Regierungen auch die Besteuerung der Arbeit mindern.

Um die besonderen Bedürfnisse des Arbeitsmarkts in der grünen Wirtschaft zu erfüllen, müssen wir auch sicherstellen, dass zukünftige und derzeitige Arbeitnehmer über die richtigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Dies erfordert die Anpassung von Lehrplänen und Schulungskursen sowie die Weiterbildung von Arbeitskräften. Den Mitgliedstaaten stehen hierfür EU-Mittel zur Verfügung z.B. durch das EU-Programm für (Hoch)Schul- und berufliche Bildung Erasmus+, das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020, und den Europäischen Sozialfonds, mit dem Maßnahmen zur Modernisierung und Verbesserung der Qualifikationen von Arbeitskräften gefördert werden.

Eines ist gewiss: Der „grüne Weg“ ist aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und gut für Umwelt und Menschen. Politische Entscheidungsträger, Sozialpartner, Unternehmen sowie Bildungs- und Berufsbildungsanbieter müssen alle ihren Teil dazu beitragen, damit wir bereit für die Beschäftigungsrealität von morgen sind und Arbeitnehmer die Fachkenntnisse für eine grüne Berufslaufbahn haben.

Der Autor ist ein maltesischer Politiker der Malta Labour Partei (MLP) und EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei.

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