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12.04.2012

15:23 Uhr

Gastbeitrag

Wie George Soros den Euro stärken würde

VonGeorge Soros

Ein auseinanderbrechen der Euro-Zone scheint George Soros nicht so unmöglich wie zu Beginn der Krise. In seinem Gastkommentar schreibt er außerdem über weitere Probleme - und macht Lösungsvorschläge.

Der Autor George Soros ist Chairman von Soros Fund. dapd

Der Autor George Soros ist Chairman von Soros Fund.

Die Euro-Krise ist in den letzten Monaten nicht abgeflaut. Sie hat sich im Gegenteil verschärft. Zwar hat es die Europäische Zentralbank (EZB) durch ihre langfristige Refinanzierungsoperation (LTRO), bei der den Banken der Euro-Zone mehr als eine Billion Euro zu einem Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt wurden, geschafft, eine Kreditverknappung abzuwenden. Doch die grundlegenden Probleme sind nach wie vor ungelöst; tatsächlich weitet sich die Kluft zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern weiter aus.

Die Krise mag weniger volatil sein, ist aber potenziell tödlicher. Zu Beginn der Krise war ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone unvorstellbar, weil die auf die gemeinsame Währung lautenden Aktiva und Passiva so sehr vermischt waren. Doch mit Fortschreiten der Krise hat sich das Finanzsystem der Euro-Zone zunehmend entlang nationaler Linien neu geordnet.

LTRO versetzt die spanischen und italienischen Banken in die Lage, Arbitragegeschäfte mit Anleihen ihrer jeweiligen Länder zu tätigen. Und die Vorzugsbehandlung, die die EZB bei ihren Griechenland-Anleihen erfuhr, wird andere Anleger abhalten, Staatsanleihen zu zeichnen.

Ginge dies ein paar Jahre so weiter, wäre ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ohne Kollaps möglich: Das Omelett ließe sich entrühren. Aber dies würde dazu führen, dass die Zentralbanken der Gläubigerländer auf großen Forderungen gegenüber denen der Schuldnerländer sitzen blieben.

Die Bundesbank ist sich der Gefahr bewusst. Sie betreibt eine Kampagne gegen die unbefristete Ausweitung der Geldmenge und hat Schritte zur Begrenzung der Verluste, die ihr beim Auseinanderbrechen entstehen würden, eingeleitet. Doch fängt die Bundesbank damit an, müssen die anderen nachziehen.

Die Märkte spiegeln das bereits wider. Die Bundesbank verschärft zudem die Kreditvergabe im eigenen Land. Dies wäre die richtige Politik, wenn Deutschland ein für sich allein dastehendes Land wäre. Doch die hochverschuldeten Euro-Länder bedürfen dringend einer stärkeren Nachfrage aus Deutschland, um eine Rezession zu vermeiden.

Kommentare (7)

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Nachfrage

12.04.2012, 17:36 Uhr

"Ohne diese Nachfrage kann der im Dezember vereinbarte Fiskalpakt der Euro-Zone unmöglich funktionieren."
-----Zitat Ende --------------
Die Wirkung einer grösseren Nachfrage wäre in den PIGS niedriger als Soros glauben macht:
Tatsächlich betragen die Exporte Griechenlands, Spaniens und Portugals nach Deutschland 2009 nur 2-3% (in % BIP des Partnerlandes).
Selbst bei einer 10 % igen Importsteigerung Deutschlands würden sich die Leistungsbilanzen Griechenlands, Spaniens und Portugals nur um 0,25% verbessern.
www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2010/201007mba_ungleichgewichte.pdf

Sorosowitsch

12.04.2012, 17:45 Uhr

Der Mann hat Recht; Ebenso die Engländer. Unsere Politiker haben es vermasselt. Die Privatanleger hätten nie am Schuldenschnitt beteiligt werden dürfen. Denn jetzt bekommen die anderen Südländer kein Geld mehr. Der Euro und damit Europa wird scheitern. Frau Merkel: Sie haben von Finanzen keine Ahnung. Hätten Sie mal besser auf Ackermann und Soros gehört!!

Humanist

13.04.2012, 10:39 Uhr

"Ohne diese Nachfrage kann der im Dezember vereinbarte Fiskalpakt der Euro-Zone unmöglich funktionieren." : Nicht nur das, der Fiskalpakt funktioniert vor allem schon deshalb nicht, weil die PIIGS+F-Länder auch nicht annähernd die Wirtschaftskraft (gemessen in BIP) erreichen werden, die dazu erforderlich ist, es sei denn, diese Länder schrumpfen durch sparen an der Nachfrage auf ein "Rumpf-BIP" zusammen, denn ein Ausweichen auf Inflation und Währungsschnitt ist denen ja im Euro verwehrt. Wir alle stecken hier in der Falle und die ist aufgestellt worden mit der Entscheidung, eine politische Union durch eine Währungsunion zu erzwingen, ein traumatischer politischer Fehler ohne die Menschen Europas zu fragen.

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