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26.05.2014

12:30 Uhr

Gastbeitrag

Wir brauchen hier keine Trolle

VonBenoît Battistelli

Benoît Battistelli, der Präsident des Europäischen Patentamts, lobt die Innovationskraft in Europa in höchsten Tönen – warnt aber zugleich vor möglichen neuen Gefahren durch den Freihandel.

Der Präsident des Europäischen Patentamts, Benoit Battistelli, plädiert für das Einheitspatent und die Schaffung eines EU-Patentgerichts. dpa

Der Präsident des Europäischen Patentamts, Benoit Battistelli, plädiert für das Einheitspatent und die Schaffung eines EU-Patentgerichts.

MünchenAllen Kassandrarufen zum Trotz: Viele bahnbrechende Erfindungen kommen immer noch aus Europa. Unsere Wissenschaftler und Ingenieure gehören zu den kreativsten weltweit. Jährlich erteilt das Europäische Patentamt (EPA) etwa 65 000 Patente. Etwa die Hälfte davon geht an europäische Unternehmen, viele davon an Mittelständler.

Keine andere Region exportiert auch so viele Ideen in den Rest der Welt wie Europa. Wir erwirtschaften sozusagen eine positive Innovationsbilanz: Ob in den USA, Japan oder China - die Patentanfragen europäischer Unternehmen dort überwiegen bei weitem jene von Erfindern aus diesen Ländern bei uns.

Die schlechte Nachricht: Europas Vorsprung schwindet. Volkswirtschaften wie Südkorea und China holen massiv auf. Am Patentsystem selbst liegt's nicht. Die Qualität der vom EPA erteilten Patente gilt als die beste weltweit. Das belegen auch unabhängige Studien. Unsere Vergabepraxis, die deutlich strenger ist als in den meisten anderen Regionen, stellt sicher, dass eine Erfindung als Ausnahme vom Grundgebot des freien Wettbewerbs nur patentiert werden darf, wenn sie der Förderung von Innovation dient.

Europa hat oft gezeigt: Wenn es seine Kräfte eint und in den Dienst einer Sache stellt, leistet es Großes. Der europäische Einigungsprozess oder der Euro sind solche "Eurekas". Auch das Europäische Patentamt ist ein großer Wurf. Der Erfolg übersteigt die Erwartungen seiner Gründerväter um ein Vielfaches: Heute ist das EPA mit 38 Mitgliedstaaten und einem Markt von rund 600 Millionen Menschen die zweitgrößte zwischenstaatliche Organisation in Europa. Eine Institution allein macht aber noch keinen Frühling.

Wenn wir in Europa nicht bald innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen, ist unsere Zukunft gefährdet. Auf manchem Technikfeld haben wir bereits verloren: In der digitalen Kommunikation oder in der Unterhaltungselektronik spielt Europa nur noch eine untergeordnete und weiter schwindende Rolle, und bei der Biotechnologie ist es fünf vor zwölf.

Kommentare (2)

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27.05.2014, 18:32 Uhr

Die Aussage "Europas Vorsprung schwindet. Volkswirtschaften wie Südkorea und China holen massiv auf" vewundert etwas, zumindest für den Fall Südkorea. Dort werden doch, bezogen auf die Einwohnerzahl, schon seit Jahren mehr inländische Patente angemeldet als irgendwo sonst auf der Welt (Ausnahme Schweiz). Dort sitzen 3 der nach BCG Studie innovativsten Konzerne, während es aus Europa kaum einer in die Topränge schafft. Und die öffentlichen Investitionen in Forschung & Technologie sind dort prozentual auch seit Jahren deutlich höher als in West-Europa. Was gibt es für die Koreaner da noch "aufzuholen"?

Account gelöscht!

27.05.2014, 19:35 Uhr

@C_Haertl

Statistische Aussagen sind halt ziemlich wertlos, wenn man nicht die Hintergründe kennt und sie demgemäß interpretieren kann.

Ich kenne die Patentsituation in Korea nicht, aber in Japan werden typischerweise 10 separete Patente angemeldet für eine Erfindung, für die man in Europa ein Patent bekommen würde (mit vielleicht 10 Unteransprüchen).

Man kann Äpfel eben nicht mit Birnen vergleichen - daran krankt es bei vielen Statistiken. "Passend" interpretiert kann man damit alles beweisen. Fragen Sie unsere Politiker!

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