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23.09.2014

13:32 Uhr

Gastbeitrag zum Klimagipfel

Wie gute Klimapolitik die Konjunktur anschieben kann

VonKlaus Töpfer, Carlo Jaeger

Gute Klimapolitik braucht deutlich mehr Investitionen. Das wäre für die Euro-Zone kein Problem – ihre Wirtschaft würde sogar produktiver, soziale Ungleichheit reduziert. Dazu sind internationale Vereinbarungen nötig.

Die Klimadiskussion ist durch lähmende Ängste geprägt: durch die Angst vor Klimakatastrophen einerseits und die Angst vor Arbeitsplatzverlusten. dpa

Die Klimadiskussion ist durch lähmende Ängste geprägt: durch die Angst vor Klimakatastrophen einerseits und die Angst vor Arbeitsplatzverlusten.

Die Autoren de  Ökonom und Vorsitzender des Global Climate Forums Gastbeitrags: Klaus Töpfer, Ex-Bundesumweltminister, Jean-Charles Hourcade, französischer Ökonom, Michel Aglietta, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Paris-Nanterre, Carlo Jaeger, Ökonom und Vorsitzender des Global Climate Forum.

Am Tag vor der diesjährigen Uno-Vollversammlung, dem 23. September, wird Uno-Generalsekretär Ban-Ki-Moon in New York den Uno-Klimagipfel leiten. US-Präsident Barack Obama wird an dem Event im eigenen Land teilnehmen, aber die Regierungschefs anderer wichtiger Länder wie China, Indien, Russland, Deutschland oder die EU schicken nur Vertretungen. Das zeigt erneut, wie weit die dramatische Rhetorik zum globalen Klimawandel und das politische Handeln dazu auseinanderklaffen.

Das beruht darauf, dass die Klimadiskussion durch lähmende Ängste geprägt ist: durch die Angst vor Klimakatastrophen einerseits und die Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch CO2-Verminderung in ohnehin kriselnden Ökonomien andererseits. Doch, und das zeigt auch der neue Climate Economy Report, es ist Zeit, umzudenken. Denn jene bipolare Angstdebatte lässt die Chancen, die im Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaftsstruktur liegen, außen vor. Sie ignoriert, dass Energieeffizienz und Nachhaltigkeit brachliegende Ressourcen mobilisieren und Wachstum und Jobs schaffen können.

Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer dpa

Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer

Eine erfolgreiche Klimapolitik erfordert eine Neuorientierung von Investitionen in Richtung alternativer Technologien und Infrastrukturen – in den Bereichen Energie, Mobilität, im Gebäudesektor, aber auch in Landwirtschaft, IT und anderen mehr. Das erfordert erhebliche zusätzliche Investitionen, diese sind aber leistbar, ja erwünscht. Denn die Weltwirtschaft – und besonders die Euro-Zone – leidet nicht unter einem Mangel an Ersparnissen. Sie krankt daran, dass Ersparnisse nicht in langfristig produktive Investitionen umgesetzt werden, sondern in liquide Finanzanlagen und Immobilien. Wenn Ersparnisse stattdessen für klimafreundliche Investitionen genutzt werden, wird die Gesamtwirtschaft produktiver. So lässt sich gerade in Europa die wirtschaftliche Erholung beschleunigen und die soziale Ungleichheit reduzieren. Nicht, indem die öffentlichen Haushalte belastet oder andere Einkommen geschmälert werden, sondern indem das Volkseinkommen insgesamt gesteigert wird.

Damit diese Neuorientierung im globalen Maßstab gelingt, sind internationale Vereinbarungen nötig. Doch die meisten Staaten, und vor allem die besonders wichtigen, werden ihre nationale Souveränität nicht an internationale Organisationen abtreten. Sie werden deshalb auch keine rechtlich bindenden einschneidenden Emissions-Reduktionen akzeptieren. Ein „Pedge-and-review“ Verfahren, bei dem freiwillige Reduktionsverpflichtungen angekündigt und deren Erfüllung gemeinsam beurteilt wird, scheint der einzig gangbare Weg zu sein. Dabei müssen wirksame Anreize gesetzt werden, damit diese Versprechen eingehalten werden und sich schrittweise in Richtung auf das Zwei-Grad-Ziel entwickeln.

Professor Carlo Jaeger. Screenshot

Professor Carlo Jaeger.

Dies kann gelingen, wenn die nötigen Emissionsreduktionen durch eine Vielzahl unterschiedlicher lokaler und branchenspezifischer Initiativen bewirkt werden. Dazu braucht es transnationale Nachhaltigkeits-Klubs, in denen sich Unternehmen, Städte, Regierungen, NGOs etc. zusammenschließen. Solche Klubs sollten gemeinsame Ziele, die zunächst gar nicht klimabezogen sind, verfolgen und dabei vereinbaren, diese durch Reduktion von Emissionen zu erreichen (z.B. Luftqualität, Mobilität, Zugang zu Energie in abgelegenen Regionen, Effizienzsteigerung bei energieintensiven Industrien etc.).

Kommentare (4)

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Frau Annette Bollmohr

23.09.2014, 13:50 Uhr

Wird sowieso jeden Tag offensichtlicher, dass an einer anderen Klimapolitik kein Weg mehr vorbei führt, ob's uns nun passt oder nicht.

Da sollte man doch eigentlich von einer intrinsischen Motivation (z.B. der Wunsch nach einer lebenswerten Zukunft für sich und seine Nachkommen) ausgehen können
und meinen, dass es keiner weiteren "Anreize" von außen befürfe.

Sämtliche Bewohner dieses Planeten täten im eigenen Interesse gut daran, sich einfach mal zusammenzuraufen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass jetzt in der Klimapolitik endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, bevor uns allen die sich durch weiteres Verdrängen unaufhaltsam vergrößernden Probleme endgültig über den eigenen wachsen.

Herr Johann Brädt

23.09.2014, 15:37 Uhr

Das sind planwirtschaftliche Strukturen die man durchsetzen will, man muss sich doch nur mal mit den Verträgen von Rio etc. auseinandersetzen. Natürlich hat da niemand Interesse dran. Schon gar nicht, wenn dieses Vorhaben auf einer ideellen Vorstellung beruht. Die stärksten Verfechter kommen alle aus dem linken Lager. Staatlich gelenkte Wirtschaftsprojekte sind schon oft genug heftig gegen die Wand gefahren. Und andere Katastrophenszenarien haben ihre Prognosen auch schon weit verfehlt, man denke nur an den Club of Rome, der ja in eine ähnliche Richtung zielt und eine Kreislaufwirtschaft propagiert. Das alles macht diese grüne Utopie und industrielle Dystopie unglaubwürdig. Man wird abwarten und sehen müssen ob sich eine empirische Bestätigung der Prognosen abzeichnet, so lang das nicht der Fall ist (ein paar Winde und Hagelkörner sind kein Beweis) so lang stehen wir nur vor einer unbewiesenen Theorie deren Forderungen sehr kostenintensiv sind. So lang die Realität aber den Klimamodellen widerspricht, gibt es keinen Grund voreilig Geld in die Hand zu nehmen und die Wirtschaft zu politisieren.

Frau Annette Bollmohr

23.09.2014, 15:58 Uhr

"So lang die Realität aber den Klimamodellen widerspricht,..."

Tut sie das?

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