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21.10.2013

13:39 Uhr

Gastbeitrag zum Limburger Bischof

Die Mär von den steinreichen Kirchen

VonThomas Schüller

Die Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst erwecken einen falschen Eindruck. Wirklich reich ist die Kirche in Deutschland nicht. Um das zu belegen, ist absolute Kostentransparenz notwendig.

Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster. Imago

Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller leitet das Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster.

Der Finanzskandal um den Bau des Bischöflichen Palais in Limburg deckt gravierende Mängel in der Verwaltung und Kontrolle des Vermögens in der katholischen Kirche in Deutschland auf. Die wechselseitigen Schuldzuweisungen zwischen dem Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls auf der einen und dem Bischof mit seinem Generalvikar in Limburg auf der anderen Seite wecken nicht Vertrauen in die Beantwortung der Frage, wer beim Bau des Bischöflichen Hauses mit angeschlossenem diözesanem Zentrum die Verantwortung für die gewaltige Kostensteigerung und hierfür notwendigen Finanztransaktionen trägt.

Dabei hätte die Beachtung der einschlägigen kirchenrechtlichen Normen zur kirchlichen Vermögensverwaltung durchaus diesen Skandal vermeiden können. Danach muss jeder Vermögensträger in der Kirche einen Verwaltungsrat aufweisen, der über Haushalt und Rechnungslegung zu befinden hat. Es ist eben nicht so, dass ein Diözesanbischof nach Gutdünken über kirchliches Vermögen verfügen kann. Neben dem Diözesankirchensteuerrat, der über den Kirchensteuerhaushalt entscheidet, sind Domkapitel und Diözesanvermögensverwaltungsrat zu nennen, die vor allem bei risikobehafteten Rechtsgeschäften ihre Zustimmung erteilen müssen. Soweit die Theorie.

In der Praxis sitzen in den beiden letzten Gremien die gleichen Personen, zumindest was die Domkapitulare angeht, die den Bischof in der Leitung seiner Diözese unterstützen und selbst Mittelbewirtschafter sind. So kontrollieren die Kontrolleure sich selbst und stimmen ihren eigenen Finanzentscheidungen zu.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Der Münchener Kirchenrechtler Heribert Schmitz hat schon vor Jahren als anerkannter Berater der Deutschen Bischofskonferenz diese Fehlkonstruktion kritisiert und für eine strikte Trennung von Verwaltung und Kontrolle des kirchlichen Vermögens plädiert. Allein geholfen hat diese Kritik wenig. Nur bei der Gründung des Erzbistums Hamburg wurde dieser Impuls aufgegriffen. Im Diözesanvermögensverwaltungsrat dieses Erzbistums sitzen fachkundige, nicht im Dienst der Kirche stehende Frauen und Männer, die über die sachgerechte Vermögensverwaltung entscheiden. Dieses Beispiel sollte Nachahmung finden. Es erhöht die Transparenz und stärkt die Fachkompetenz der kirchlichen Finanzaufsicht.

Zur Transparenz gehört auch die Offenlegung der verschiedenen Vermögensträger auf der Ebene einer Diözese. Nicht nur der Diözesankirchensteuerhaushalt, sondern auch das Vermögen der Bischöflichen Stühle und die Vermögenshaushalte der Bistümer sind jährlich offen zu legen. Damit würde der Boden für Spekulationen entzogen, die phantasievoll die Kirchen zu steinreichen Mogulen hochrechnen.

Kommentare (17)

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gottbrauchtkirchenicht

21.10.2013, 14:30 Uhr

Der Artikel zeigt in keiner Weise, dass das der Reichtum der Kirche lediglich eine "Mär" ist.

Kirche hat schon seit Jahrhunderten Menschen unterdrückt, Kriegstreiberei (Kreuzzüge) begangen und sich stets an der Menschheit, vermutlich um ihrer selbst, bereichert. Naturwissenschaftlerinnen wurden als Hexenverbrand usw.

Kirche ist Kommerzialisierung des Glaubens. Ihr Status gehört abgeschafft, sie sollte nur noch nach dem Vereinsrecht bestehen dürfen. Schluss mit Arbeitnehmerausbeutung, Kirchensteuer und sonstigen Privilegien. Es ist auch nicht einzusehen, dass einem Sonntags zu unchristlicher Zeit Glockengeläut aus dem Schlaf holt.

Account gelöscht!

21.10.2013, 14:49 Uhr

Wenn ein Theologe spricht kommt nur eins heraus: eine Mär, die versucht Tatsachen in eine Mär zu verbiegen.

Oliver42

21.10.2013, 15:00 Uhr

Tja ein sehr schönes Märchen, das uns dort der Theologe Thomas Schüller erzählt.

Wer es glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Ich empfehle jedem nur sich genau anzuschauen, welche Grundstücke in den Städten, welche Einkaufspassagen und welche landwirtschaftlichen Flächen in den einzelnen Kirchengemeinden, dem Bistum bzw. den einzelnen Kirchengemeinden gehören. Da kommt laut Recherchen des Teams von Günther Jauch eine Fläche zusammen, die die Größenordnung von Berlin und Saarland zusammen hat.

Hinzukommen Beteiligungen an Medienunternehmen, wie dem Weltbild-Verlag, usw.

Insbesondere ie katholische Kirche in Deutschland gehört zu den reichsten Kichen der Welt. Bei der evangelischen Kirche in Deutschland ist dies nicht ganz so stark ausgeprägt, da ihre historischen Kernverbreitungsgebiete in Ostdeutschland lagen und dort die DDR-Zeit und der Sozialismus die evangelischen Landeskirchen "arm" hat werden lassen.

Aber alles in allem ein wunderbares Märchen, das uns hier Herr Thomas Schüller erzählt.

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