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17.10.2013

11:14 Uhr

Gastbeitrag zum US-Haushaltskompromiss

Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt

VonStefan Schneider

Auf die Erleichterung wird schnelle Ernüchterung folgen: Mit dem Kompromiss wurde nur ein wenig Zeit kauft – und die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich wieder den US-Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden.

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Kompromiss im US-Haushaltsstreit: Die Staatspleite ist aufgeschoben

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The same procedure as every year? Eine Einigung um fünf vor zwölf war das dominierende Szenario am Markt, allerdings zeigt die Minirally an den Aktien- und Anleihemärkten, dass die Nerven zuletzt doch zunehmend blank lagen.

Die Erleichterung dürfte aber wohl nicht lange währen, da der gefundene Kompromiss nur ein wenig Zeit kauft und die Aufmerksamkeit der Märkte sich wieder Konjunkturdaten und Unternehmensmeldungen zuwenden wird, die zwar aufgrund der mehr als zweiwöchigen Schließung von verschiedenen Regierungsstellen schwierig einzuordnen sind, aber wohl insgesamt ein noch immer durchwachsenes Bild der US-Wirtschaft liefern werden.

Stefan Schneider: Volkswirt der Deutschen Bank.

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So haben in dem gerade veröffentlichten Beige Book der Chicago-Fed die Befragten vor dem Hintergrund des „Government shutdowns“ und der generellen fiskalischen Situation von eher vorsichtigeren Beschäftigungsabsichten berichtet.

Die Tatsache, dass die Politik die Dose nur ein kleines Stückchen weitergekickt hat und die USA immer noch keinen auf die aktuellen Erfordernisse zugeschnitten Haushalt hat und Anfang nächsten Jahres erneut über die Schuldenobergrenze gestritten werden dürfte, dürfte ebenfalls zur schnellen Ernüchterung beitragen. Hier zeigt sich die verschärfte Polarisierung in der amerikanischen Parteienlandschaft, die eine dauerhafte Einigung unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in beiden Häusern nahezu ausschließt.

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Allerdings haben die Vertreter der Tea Party innerhalb der republikanischen Partei mit ihrem Versuch, durch ihre fiskalische Obstruktionspolitik Änderungen an der von ihnen bekämpften Gesundheitspolitik zu erzwingen, eine massive Niederlage erlitten. Auch zeigen Umfragen, dass diese Strategie in der Öffentlichkeit sehr unpopulär war. Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung der automatischen Ausgabenkürzungen, die bis zum 13. Dezember abgeschlossen werden müssen, dürften eine wichtige Indikation liefern, ob die Republikaner ihre Strategie anpassen oder in dem „Jetzt erst recht“ der Tea Party verharren.

In diesem Fall bleibt es abzuwarten, wie lange es der Fed gelingen kann, die negativen Auswirkungen eines weiteren fiskalischen Stillstands durch eine weitere Verschiebung der Rückführung ihrer Anleiheankaufprogramme zu kompensieren. Sollte der Markt allerdings zu der Auffassung kommen, dass der Kompromiss ausreicht, um der Fed nun doch eine baldige Rückführung ihres Ankaufsprogramms zu ermöglichen, könnte dies zu einer nachhaltigeren Stärkung des USD führen, auf die viele USD-Bullen schon seit einigen Monaten setzen.

Stefan Schneider ist Chief International Economist Deutsche Bank Research.

Kommentare (10)

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nunja

17.10.2013, 11:26 Uhr

Was kann, was sollte Politik leisten?
Die Probleme anderer lösen, wo sie doch selbst kaum in der Lage scheint selbsterzeugte Probleme zu lösen.

Wohlfeil, (jetzt) von der Politik zu erwarten, was der Finanzwirtschaft nicht gelingt: die Wünsche nach der eierlegenden Wollmilchsau im Zaum zu halten.

Wobei: längst liegt sie offen da, die Büchse der Pandora und Herumrücken wird wohl auch nicht mehr ausreichen, um die saftigen strukturellen Probleme der Bankenwirtschaft mit lediglich politischen Gesten lösen zu können.

Der Kulturwandel, fast möchte man meinen der verprovisionierte Kulturwandel, wird bleiben was er ist: ein Nichts im Vergleich zu den bislang aufgehäuften Problemen des Bankenwesens.

Ponzi

17.10.2013, 11:37 Uhr

"Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

und die Menschheit wird weiter in den Ar$ch gef....

Charly

17.10.2013, 11:40 Uhr

"Politik hat die Dose nur ein Stückchen weitergekickt"

Für diese glorreiche Erkenntnis hat der Author aber ganz schön lange ebraucht:-)

"Allerdings haben die Vertreter der Tea Party innerhalb der republikanischen Partei mit ihrem Versuch, durch ihre fiskalische Obstruktionspolitik Änderungen an der von ihnen bekämpften Gesundheitspolitik zu erzwingen, eine massive Niederlage erlitten. "

Da dürfte sich der Author gewaltig irren.
Obamacare ist nur das Schwert mit dem die "Tea Party" kämpft.
Es geht um mehr Unabhängikeit der US-Staaten genauso wie es in der EUdSSR um die Zerschlagung der Zentraldiktatur geht.
Die Staatspleite wird die USA zerfetzen und der Staatspleite ist man wieder ein Stück nähergekommen.

Vielleicht ist Obama ja schon der letzte "mächtigste Mann der Welt" !




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