Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2014

16:10 Uhr

Gastbeitrag zur Bankenunion

„Feuer frei für alle Raubritter“

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Stellvertretend für viele andere schreibt der Vorstand einer Genossenschaftsbank, warum die Bankenunion die Falschen belastet.

Unser Gastautor Urban Krappen, Vorstand einer Genossenschaftsbank, kritisiert die Bankenunion scharf. dpa

Unser Gastautor Urban Krappen, Vorstand einer Genossenschaftsbank, kritisiert die Bankenunion scharf.

Auf unseren Beitrag „Nie wieder Banken retten?!“ von Dienstagabend haben sich zahlreiche Leser gemeldet. Viele halten nichts von der geplanten Bankenunion. Urban Krappen, Vorstand der VR-Bank Asperg-Markgröningen, erklärt in seinem Kommentar, warum nicht.

Als Vorstand einer Genossenschaftsbank mit 23.000 Teilhabern beziehungsweise Mitgliedern (Steuerzahlern/Verbrauchern) sehe ich in der Bankenunion eine ungute Entwicklung, denn die Gruppe der Genossenschaftsbanken, die als einzige Bankengruppe mit 17,4 Millionen deutschen Teilhabern keine Hilfe in der Finanzmarktkrise gebraucht hat und auch nicht bekommen hätte, weil einzelne Banken nicht systemrelevant sind und der Verbund der Genossenschaftsbanken über Generationen ein eigenes Sicherungssystem aufgebaut hat, soll nun mit dem Geld seiner Mitglieder zur Rettung maroder Sparkassen in Spanien oder anderen Banken in den EU-Ländern herangezogen werden. Einstehen für Finanzinstitute wie die ING Diba oder die RBS und andere, die den Genossenschaftsbanken mit gebührenfreien Geschäftsmodellen und Dumpingkonditionen seit Jahren massiv Konkurrenz machen.

Geht das dann nicht auf – wie 2008/2009 – sollen unsere Mitglieder diese Banken dann retten. Es sollen Geschäftsmodelle von Banken, die auf hemmungsloses Wachstum, Gewinnmaximierung und Verdrängung ausgerichtet sind und dabei hohe Risiken für die Quersubvention von unrentablen Geschäftsbereichen eingehen – wenn es dann schief geht – von solchen Banken aufgefangen werden, die ihren Förderauftrag gemäß Genossenschaftsgesetz gegenüber ihren Mitgliedern und ein nachhaltig solides Wirtschaften zum Ziel haben. Hierzu gehört übrigens auch die Erhebung fairer auskömmlicher Gebühren und Zinsen für die Inanspruchnahme von Leistungen. Die Bankenunion gibt das Signal „Feuer frei für alle Raubritter“, denn geht es schief, zahlen die soliden Konkurrenten die Rechnung.

Kommentar: Nie wieder Banken retten!?

Kommentar

Nie wieder Banken retten!?

Mit Steuermilliarden mussten Pleitebanken wie Northern Rock gerettet werden. Die heute gegründete Bankenunion soll das ein für alle Mal beenden. Uns Steuerzahlern werden Pleitebanken dennoch weiter auf der Tasche liegen.

Bei der mit sechs Milliarden Euro staatlich gestützten Commerzbank bekommt man sogar einen Euro pro Monat, wenn man mit ihr Geschäfte macht – was für ein Geschäftsmodell ist das eigentlich? Mitglieder von Genossenschaftsbanken sollen dank EU-Bankenunion für solche Geschäftsmodelle der Konkurrenz nun gleich dreifach haften? Einmal bei nationaler staatlicher Unterstützung als Steuerzahler, einmal als EU-Bürger im Haftungsverbund der EZB und anderer Rettungsfonds und ein drittes Mal als Teilhaber ihrer Genossenschaftsbank über die Bankenunion. Und da behaupten Politiker dann, man nähme die Haftung von den Steuerzahlern weg.
Gut ist diese Entwicklung also nicht, denn sie weist nicht in Schranken, sondern schwächt mittelständische Banken mit solidem Geschäftsmodell, wie die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Von

Urban Krappen

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.04.2014, 16:32 Uhr

dazu einige zitate eventeull machts ja wenn nachdenklich

"Transferleistungen sind so absurd wie eine Hungersnot in Bayern." Jean-Claude Junker
"Ich habe immer für die Abschaffung der D-Mark gekämpft. Sie ist das letzte Machtmittel der Deutschen." Jaques Delors
"Maastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne Krieg."
Franz-Olivier Giesbert, damaliger Chefredakteur des Le Figaro
"Wir gehen so damit um, dass wir jeden, der Zweifel am Sinn des Euro geäußert hat, in die nationalistische Ecke drängen."
Brüsseler WDR-Korrespondent Rolf Dieter Krause
"Wenn ich Deutsche wäre, würde ich die Bundesbank und die DM auf alle Fälle behalten." Margaret Thatcher

Account gelöscht!

16.04.2014, 16:36 Uhr

"Einmal bei nationaler staatlicher Unterstützung als Steuerzahler [...] und ein drittes Mal als Teilhaber ihrer Genossenschaftsbank über die Bankenunion"
Mehr darf man von Regierungen, die von Beratern aus genau solchen hemmungslosen Banken unterwandert ist, leider nicht erwarten.

"einmal als EU-Bürger im Haftungsverbund der EZB und anderer Rettungsfonds"
Wen wundert es bei einer Zentralbank, deren Chef Mario Draghi ein ehemaliger Mitarbeiter des Geldgeiers Nr. 1 ist: Goldman Sachs?

Account gelöscht!

16.04.2014, 16:37 Uhr

"Einmal bei nationaler staatlicher Unterstützung als Steuerzahler [...] und ein drittes Mal als Teilhaber ihrer Genossenschaftsbank über die Bankenunion"
Mehr darf man von Regierungen, die von Beratern aus genau solchen hemmungslosen Banken unterwandert ist, leider nicht erwarten.

"einmal als EU-Bürger im Haftungsverbund der EZB und anderer Rettungsfonds"
Wen wundert es bei einer Zentralbank, deren Chef Mario Draghi ein ehemaliger Mitarbeiter des Geldgeiers Nr. 1 ist: Goldman Sachs?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×