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26.11.2013

14:38 Uhr

Gastbeitrag zur Bildungspolitik

Tablets in der Schule sind nicht genug

VonStefan Heumann und David Deißner

In den Koalitionsverhandlungen stehen prestigeträchtige Milliardenprojekte im Vordergrund, die Bildungspolitik steht hinten an. Das ist gefährlich: Damit digitale Bildung erfolgreich wird, müssen wir die Gesetze ändern.

Grundschulkinder mit einem Tablet: Die reine Anschaffung der Geräte ist nicht genug. Reuters

Grundschulkinder mit einem Tablet: Die reine Anschaffung der Geräte ist nicht genug.

Nun also Handys und Tablets für Schüler. Digitale Bildung für alle, und dann auch noch staatlich finanziert? Wem der Kulturpessimismus an der Seele nagt, wird die Ergebnisse der Koalitionsgespräche mit Schrecken zur Kenntnis genommen haben. Strotzt das Papier der Unterarbeitsgruppe „Digitale Agenda“ doch – zumindest rhetorisch – vor Zukunftslust und Innovationsfreue: Neben der heiter betitelten Initiative „Ein Netz für Kinder“ fordern die Autoren die „digitale Lehrmittelfreiheit“, eine umfassende Digitalisierung von Lehrinhalten und ein „Europaweites Gründungs- und Innovationsnetzwerk“ für Schulen und Hochschulen. „In einem kooperativen Miteinander von Bund und Ländern“ soll der digitale Bildungsstand praxisorientiert gestärkt werden.

Bei allem Zwist und Säbelrasseln der Koalitionsverhandlungen ist dieser Fahrplan immerhin ein Lichtblick. Denn im Bereich der digitalen Bildung steht Deutschland vor enormen Herausforderungen. Noch sind wir meilenweit davon entfernt, das Potential digitaler Bildungsangebote auszuschöpfen. Nicht die Technik macht Bildung gerechter, aber deren intelligenter Einsatz. Er kann Benachteiligten besseren Zugang eröffnen, individuelle Förderung und die Qualität der Bildungsangebote steigern.

Dr. Stefan Heumann ist stellvertretender Programmleiter bei der „stiftung neue verantwortung“. Pressefoto

Dr. Stefan Heumann ist stellvertretender Programmleiter bei der „stiftung neue verantwortung“.

Während hierzulande Handy- und Facebook-Verbot die Debatte bestimmen, entstand etwa in New York mit Hilfe von privaten und nationalen Fördermitteln in den letzten Jahre eine „Innovationszone“ des digitalen Lernens, gefördert mit privaten Spenden und 60 Millionen US-Dollar aus dem nationalen Programm „Race to the Top“. Mit Hilfe lernfähiger, adaptiver Software, die sich an die individuelle Lerngeschwindigkeit anpasst, optimieren dort die Lehrkräfte die individuelle Förderung. Hierzulande dominiert dagegen zumeist die Angst vor Konzentrationsverlust, Vereinsamung und anonymer Massenlehre. Auch die deutschen Hochschulen rüsten sich nur langsam für den unabwendbaren globalen Wettbewerb im digitalen Raum.

Die Politik hat offenbar erkannt, dass in einem Land, in dem viele Eltern und Lehrer Tablets in der Schule noch immer als Menetekel massenhafter digitaler Demenz begreifen, einiges nachgeholt werden muss. Dennoch hätte man sich von den Netzpolitikern von CDU and SPD mehr Mut zur Konkretion gewünscht, insbesondere da das Papier noch die große Runde der Verhandlungsführer beider Parteien passieren muss und dort sicherlich weiter zusammengestutzt wird.

Weitgehend offen bleibt neben der Finanzierung vor allem die Frage, welche legislativen Weichenstellungen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung der Schul- und Hochschulbildung vorgenommen werden müssen. Fakt ist: In Deutschland wirkt vor allem das Recht, oder vielmehr dessen Graubereiche, als Innovationsbremse.

Kommentare (8)

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norbert

26.11.2013, 15:59 Uhr

Wann wird die Welt begreifen, daß Rechner lediglich Maschinen sind, die man nutzt, genauso, wie ein Auto oder Telefon. Dafür braucht man keine Schule.
In der Schule sollen Fähigkeiten entwickelt werden, und was die mit Digitaltechnik vergeudete Zeit anrichtet, das sieht man allerorten. Allerdings sehen das nur die Leute, die diese Fähigkeiten noch besitzen. Die anderen verstehen gar nicht, wo das Problem liegen soll.

norbert

26.11.2013, 16:00 Uhr

Kurz gesagt: Computer haben in der Schule nichts zu suchen !

Account gelöscht!

27.11.2013, 10:04 Uhr

"Fakt ist: In Deutschland wirkt vor allem das Recht, oder vielmehr dessen Graubereiche, als Innovationsbremse."

Jep, und diese Graubereiche werden immer besser versteckt, kommen zum Vorschein wenn man tatsächlich mal eine gute Lernsoftware entwickeln, und vor allem vermarkten will.
Das könnte eine ganze Lehrbuchlandschaft revolutionieren, um Gottes Willen, blos sowas nicht.
So wird der tatsächliche praktische Nutzen digitalisierter Lernhilfen ad absurdum geführt.

Der Computer ist eine Maschine, da kommt nur raus was man auch reintut und über die Leitungen schickt.
Und diese Kontrolle muss perfekt sein, darum geht es.
Dei Kontrolle muß so perfekt sein, das sogar die Kinder schon begreifen, du sollst nicht so lernen das der Buchpreis gefährdet ist, du sollst nicht so lernen wie es dir am nächsten kommt den Stoff zu kapieren, du sollst lernen was und wie es dir vorgesetzt wird, basta.

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