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04.12.2013

16:49 Uhr

Gastbeitrag zur EZB-Zinspolitik

Wenn Geldpolitiker Katastrophen schüren

VonThorsten Polleit

Die Geldpolitiker der EZB liebäugeln mit einem Negativzins. Solche Maßnahmen bringen allenfalls Scheinbesserungen, die dann zu noch größeren Katastrophen führen können – vor allem für die vielen Kleinsparer.

Thorsten Polleit ist bei Degussa Goldhandel als Chefvolkswirt tätig. Er ist zudem Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management. PR

Thorsten Polleit ist bei Degussa Goldhandel als Chefvolkswirt tätig. Er ist zudem Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management.

Die Zinsen sind mittlerweile so niedrig, dass sie nach Abzug der laufenden Teuerungsrate negativ sind. Wer also Sicht-, Termin- und Spareinlagen hält, wird ärmer. Das Sparen mit Einlagen bei der Bank führt nicht zur Kapitalmehrung, sondern zur Kapitalaufzehrung.

Ist zum Beispiel der Zins für Sichteinlagen null Prozent und die Teuerungsrate 2 Prozent, so schrumpft die Kaufkraft der Sichteinlagen jedes Jahr um 2 Prozent. Noch schlimmer: Die meisten Banken stellen ihren Kunden ja noch eine Kontoführungsgebühr in Rechnung.

Diese Gebühren, die meist als Einmalbetrag vom Konto abgebucht und nicht mit dem Einlagenzins verrechnet werden, mindern die Erträge der Bankkunden zusätzlich. Der prozentuale Schwund der Bankeinlagen fällt für Kleinsparer natürlich höher aus als für Besitzer großer Guthaben.

Doch es soll noch schlimmer kommen für die Sparer: Die Geldpolitiker debattieren über einen negativen Nominalzins für Einlagen, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank unterhalten. Die Folgen dieser Maßnahme würden die Sparer zu spüren bekommen, und wieder einmal insbesondere die (Klein-)Sparer.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Für die Politik des negativen Einlagenzinses gibt es „Vorbilder“. Im August 2009 erhob die Schwedische Zentralbank einen negativen Zins von minus 0,25 Prozent auf „Überschussreserven“, die Banken bei ihr unterhielten. Es sollte eine „Strafsteuer“ sein und Banken veranlassen, ihre Guthaben zur Kreditvergabe zu verwenden.

Im Juli 2012 senkte die dänische Zentralbank den Zins auf Kronen-Guthaben, die Geschäftsbanken bei ihr unterhielten, auf minus 0,20 Prozent. Mit diesem Schritt sollte die steigende Nachfrage nach der dänischen Währung und der damit verbundene Aufwertungseffekt verringert werden.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

04.12.2013, 17:20 Uhr

Erneut guter Beitrag.
Viel fehlt allerdings nicht mehr, dass der Sparer ernsthaft darüber nachdenken muss. sein Geld bei der Bank rechtzeitig abzuheben.
Die dann eintretenden Folgen kann man sich ausmalen.

Account gelöscht!

04.12.2013, 17:22 Uhr

Hm? Wurde hier nicht herum gerufen, dass die Staatschuldenkrise ausgestanden ist? Haha, ist wie im Kino. Es fehlt nur das Popcorn. Das ist der Euro: Bevormundung, Sozialismus, Unverantwortlichkeit, Reglementierung, Bankrott.

norbert

04.12.2013, 17:36 Uhr

Und wenn ich ein Darlehen aufnehme, dann muß ich weniger zurückzahlen, als ich erhalten habe ?

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