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28.11.2014

07:27 Uhr

Gastbeitrag zur Griechenland-Rettung

Wie ein Notfall-Schnaps für Alkoholiker

VonKlaus-Peter Willsch

Griechenland wird ein drittes Hilfspaket bekommen, und zwar schon sehr bald. Athen setzt auf Zeit – und kann als Schuldner die Gläubiger erpressen. Folge: Die Euro-Krise wird sich wieder verschärfen. Ein Gastbeitrag.

CDU-Mann Willsch: „Den ,Euro-Rettern zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern“. dapd

CDU-Mann Willsch: „Den ,Euro-Rettern zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern“.

Markieren Sie sich schon jetzt den 8. Dezember 2014 rot in Ihrem Kalender! An diesem Tag werden die Finanzminister der Eurogruppe ein drittes Griechenland-Hilfspaket schnüren. Hinter verschlossenen Türen laufen schon seit langem die Vorbereitungen auf Hochtouren. Griechenland soll in Zukunft mithilfe einer Kreditlinie mit erweiterten Bedingungen (Enhanced Conditions Credit Line, ECCL) über Wasser gehalten werden. Das steht unzweideutig im aktuellen Drahtbericht zur letzten Sitzung der Griechenland Task Force.

Den „Euro-Rettern“ zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern. Das zweite Griechenland-Programm läuft zum Jahresende aus. Athen wird es weiterhin nicht alleine schaffen, erfüllt aber gleichwohl nicht die Auflagen der Troika. Es ist das alte Spiel: Jetzt muss schnell auf dem Papier nachgebessert werden, um weiter an Geld zu kommen. Die griechische Regierung setzt auf Zeit und kann als Schuldner die Gläubiger erpressen.

Insgesamt hat Griechenland seit Mai 2010 236,7 Milliarden Euro erhalten. Athen versucht derzeit zu erreichen, dass das Land erst nach fünfzig Jahren mit der Rückzahlung der Kredite beginnen muss, der Zins wird wohl auch noch einmal gesenkt. Bisher waren es „nur“ bis zu dreißig Jahre. Ich bin Jahrgang 1961 und werde die Rückzahlung des Geldes nie erleben. Ob meine Enkel wohl in den Genuss kommen?

Die griechische Regierung wird in letzter Sekunde auf Druck ihrer Geldgeber neuen Maßnahmen zustimmen. Ob sie sie aber auch umsetzt? Die Bilanz von viereinhalb Jahren Griechenland-Hilfe ist desaströs. Der Schuldenstand beträgt nach neuesten Zahlen der Europäischen Kommission für das laufende Jahr 175,5 % des BIP. Im Mai 2010 lag das Defizit noch bei „nur“ 124,9 Prozent. Das alles trotz der im Frühjahr 2012 durchgeführten Teilentschuldung im Rahmen des Schuldenschnittes in Höhe von 107 Milliarden Euro!

Kommentare (9)

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Herr Thomas Melber

28.11.2014, 07:53 Uhr

Man sollte schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen. Daher: abschreiben, und gut is'.

Herr Niccolo Machiavelli

28.11.2014, 07:57 Uhr

Schlussverkauf im deutschen Finanzkaufhaus- alles muss raus.
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aza azaziel

28.11.2014, 09:30 Uhr

Wir sind Ihnen, Herr Willsch, fuer diese Informationen zu Dank verpflichtet. Sie nennen Zahlen, die man in dieser Form als Buerger nicht oft bekommt.

Wer die andgueltigen Nutzniesser dieses chaotischen und zum Scheitern verurteilten Systems sind, laesst sich nur sehr schwer ermitteln. Es waere zu einfach, die internationalen Banken pauschal als Nutzniesser zu benennen, denn viele sind trotz der Stroeme oeffentlichen Geldes in ihre Kassen faktisch ebenso pleite wie die Staaten selbst. Eindeutige Nutzniesser sind allerdings verantwortungslose Banker, die laengst ihre Schaefchen in trockenen Tuechern wissen.

Was mich allerdings fassungslos macht sind unsere entweder ahnungslosen oder skrupellosen Politiker. Wessen Marionetten sind die Mitglieder der Merkelregierung? Wissen sie was sie tun? Werden sie erpresst? Werden sie eingeschuechtert? Von wem? Verstehen sie um was es hier geht? Es geht um die politische und wirtschaftliche Existenz unseres Staates! Es geht um die Zukunft unserer Kinder! Es geht auch um die Zukunft unserer europaeischen Mitbuerger, denn die sind keine Nutzniesser sondern Opfer wie wir auch!

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