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10.04.2014

15:20 Uhr

Gastbeitrag zur IWF-Tagung

Keine Angst vor der Fed

VonMichael Menhart

Das absehbare Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sorgt in den Schwellenländern für Unruhe. Doch es bietet auch Chancen. Wenn die Schwellenländer ihre Strukturprobleme lösen, wird die Weltwirtschaft stabiler.

Fed-Chefin Janet Yellen: Bei ihrem geldpolitischen Kurs dürfte sie wenig Rücksicht auf die Schwellenländer nehmen. dpa

Fed-Chefin Janet Yellen: Bei ihrem geldpolitischen Kurs dürfte sie wenig Rücksicht auf die Schwellenländer nehmen.

Die allmähliche Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed wird auch die G20-Finanzminister und Notenbankchefs bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington beschäftigen. Denn aller Voraussicht nach wird die Fed noch dieses Jahr das Tapering abschließen. Im Jahr 2015 dürften nach allgemeiner Erwartung erste Schritte zu höheren Leitzinsen folgen.

Im vergangenen Jahr hatte bereits die Andeutung des Endes der Niedrigzinspolitik gereicht, um viele Schwellenländer in Schwierigkeiten zu bringen. Währungen werteten zum Teil deutlich ab, lokale Aktienmärkte brachen ein, die Inflation stieg an und der Konjunkturausblick verdüsterte sich. Kann sich dies wiederholen, wenn die Fed ihre Geldpolitik zunehmend normalisiert? Drohen Gefahren infolge neuer Krisen mit globaler Konjunkturwirkung? Und müsste Fed-Chefin Janet Yellen das in ihren Entscheidungen nicht berücksichtigen? Schließlich haben geldpolitische Entscheidungen der Fed angesichts der globalen Bedeutung der US-Wirtschaft und des US-Kapitalmarkts stärkere globale Auswirkungen als die irgendeiner anderen Zentralbank.

Michael Menhart ist Chefvolkswirt des Rückversicherers Munich Re.

Michael Menhart ist Chefvolkswirt des Rückversicherers Munich Re.

Dennoch wird die Fed keine besondere Rücksicht auf die Schwellenländer nehmen. Sie hat zwar betont, dass die Zinsanstiege wohl nur sehr moderat erfolgen werden. Mehr Zurückhaltung bei der Zinswende ist allerdings in Anbetracht der erwarteten konjunkturellen Entwicklung der USA nicht zu erwarten. Und angesichts ihrer vergleichsweise geringen außenwirtschaftlichen Abhängigkeit wären im Fall einer schwächeren Konjunktur in den Schwellenländern die negativen Folgen für die US-Wirtschaft begrenzt. Es müsste schon zu massiven Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen, in deren Folge sich bei einer erneuten Krise der Schwellenländer auch die Konjunktur in den USA eintrüben würde. Das ist aber aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich.

Die Abhängigkeit vieler Schwellenländer von der US-Geldpolitik ist auch „hausgemacht“. Viele haben in den vergangenen Jahren von den Kapitalzuflüssen infolge der Niedrigzinspolitik profitiert. Maßnahmen zur Vermeidung von Überhitzungseffekten zu ergreifen, wie es z.B. Brasilien versucht hat, war nicht die Regel. In diesem wirtschaftlichen Umfeld wurden notwendige Reformen verzögert. Nun zeigt sich: Die Wachstumsmodelle vieler Schwellenländer und vielfach auch die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Strukturen, etwa im Bereich der politischen Institutionen, sind veränderungsbedürftig. Zudem müssen die betroffenen Länder ihre Anfälligkeit verringern, etwa durch eine Verbesserung der Leistungsbilanzposition, die Eindämmung möglicher Kreditblasen und die Stärkung des heimischen Finanzsektors. Nur so ist langfristig stabiles Wachstum möglich.

Vielleicht fällt es einigen Schwellenländer unter „verschärften“ Bedingungen, also bei Ausbleiben allzu günstiger Finanzierungsmöglichkeiten auf den internationalen Kapitalmärkten, sogar leichter, diese „Hausaufgaben“ zu machen als in den Boom-Zeiten der Vergangenheit. Die Weltwirtschaft würde dadurch ein Stück stabiler.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.04.2014, 15:36 Uhr

Von solchen Chefvolkswirten lese ich furchtbar gern. Märchenstunde im HB. Das sind die Märchen für Erwachsene. Und schön glauben... und wenn sie nicht gestorben sind, dann erzählen sie noch heute...

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