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29.10.2014

15:53 Uhr

Gastbeitrag zur Konjunkturabkühlung

„Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

VonMarc Friedrich und Matthias Weik

Die Notenbanken erkaufen Zeit, Anleger lassen sich blenden und die Börsenkurse klettern auf Rekordstände, losgelöst von der Realwirtschaft. Die Folge ist klar, meinen die Ökonomen Friedrich und Weik. Und sie wird wehtun.

Die Börse in Frankfurt: Die Kurse sind künstlich aufgebläht durch das billige Geld der Notenbanken. dpa

Die Börse in Frankfurt: Die Kurse sind künstlich aufgebläht durch das billige Geld der Notenbanken.

Matthias Weik und Marc Friedrich haben gemeinsam die Wirtschaftsbücher „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ und nun „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“. Beide Bücher waren erfolgreich: Der Crash ist die Lösung“ etwa kam in die Top 10 der „Spiegel“-Bestsellerliste sowie auf Rang 1 beim Handelsblatt und dem Manager Magazin.

Weltweit sind die Schulden seit 2008 um 43 Prozent auf über 100 Billionen Dollar gestiegen. Nichtsdestotrotz kannten die Aktienmärkte seit 2009 nur noch einen Weg – und zwar nach oben. Wie von Sinnen haben sich die Anleger – getrieben von der Gier nach Rendite – abermals blenden lassen.

Global versuchen die Notenbanken mit historisch niedrigen Zinsen und somit viel billigem Geld der Krise entgegenzusteuern, die ja erst auf Grund niedriger Zinsen entstanden ist. Dax, Dow Jones, Nikkei haben sich seit ihrem Tief 2009 mehr als verdoppelt. Die Probleme der globalen Krisen sind jedoch nicht ansatzweise gelöst.

Die Notenbanken überschütten die (Banken-)Welt lediglich mit billigem Geld und die Börsen haben Mitte dieses Jahres dadurch weltweit Rekordstände erklommen – völlig losgelöst von der Realwirtschaft. Jetzt ziehen Wolken am heiteren Aktienmarkt auf: Der Exportweltmeister Deutschland schwächelt. Die Realität zieht ein, und das Kartenhaus beginnt bedrohlich zu wanken.

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro. PR

Die Ökonomen Friedrich und Weik

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro.

Dafür, dass die Party an den Märkten bereits seit 2009 anhält, haben die Notenbanken mächtig auf die Tube gedrückt. Die EZB drehte kontinuierlich an der Zinsschraube und reduzierte den Zinssatz auf das gegenwärtige Rekordtief von 0,05 Prozent. Dies hat den Märkten lange Zeit genutzt – enteignet uns Sparer jedoch tagtäglich schleichend.

In den USA sehen wir das gleiche Spiel. Die US-Notenbank Fed drückte den Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent. Ferner hat die Fed seit dem Lehman-Crash an 85 Prozent aller Handelstage in die Märkte eingegriffen. Dies ist aus rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten äußerst fragwürdig, und es stellt sich die Frage, ob das Markt- oder doch eher Planwirtschaft ist. Außerdem sollte sich jeder Aktionär fragen, ob er weiterhin in einen nachweislich manipulierten Markt investieren möchte, der Schritt für Schritt von der Notenbank mit immensen Rettungspaketen und Stützungskäufen nach oben gehievt wurde.

Die Maßnahmen der Notenbanken haben uns zwar teuer ein paar Jahre Zeit erkauft, die Ursachen der Krise jedoch nicht ansatzweise gelöst. Das Resultat sehen wir nun. Verheerende Fakten aus der Realwirtschaft werden weiterhin erfolgreich ignoriert. Die Verschuldung in den USA nimmt mittlerweile abstruse Ausmaße an. Pro Minute steigt die US-Verschuldung um zehn Millionen Dollar. Heute steht das Land mit knapp 17,9 Billionen Dollar in der Kreide. Nichtsdestotrotz wird gefeiert, wenn die Schuldenobergrenze abermals in letzter Sekunde angehoben wird, damit mit neuen Schulden alte Schulden bezahlt werden können.

Auf Dauer ist es jedoch unmöglich, Schulden mit Schulden zu begleichen. Die US-Notenbank Fed kauft pro Monat für insgesamt 15 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere auf, um die Märkte zu stabilisieren. Mittlerweile ist die Fed vor China größter Gläubiger der USA. Die Gesamtbilanz der Fed ist auf gigantische 4,4 Billionen Dollar angeschwollen.

Kommentare (46)

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Herr Paul Müller

29.10.2014, 16:04 Uhr

Nur mit einem Knall lassen sich Verluste der Allgemeninheit aufdrücken, nachdem die privaten Gewinne gesichert sind.
In dem Sinne: Einfach weiter CDU und SPD wählen und sich auf die Rente freuen, ihr Lämmer.

Herr Werner Rudorf

29.10.2014, 16:19 Uhr

Grundsätzlich ist die Analyse absolut richtig. Nur die Frage, wie diese Krise beseitigt werden kann, wird nicht oder allenfalls peripher beantwortet. Mit Sicherheit würde
eine Zinserhöhung durch die EZB den Untergang beschleunigen; darauf wird man verzichten und es wird in der Tat eine lange Niedrigzinsphase geben, analog der Situation in Japan.Am Ende wird allerdings irgendwann eine Währungsreform stehen......

Herr Fritz Yoski

29.10.2014, 16:32 Uhr

Wer immer wieder falsch waehlt der muss auch entsprechend Lehrgeld zahlen, gut so!
Es waere Zeit das sich die Voelker der EU von ihren Bankstern und deren Polit-Marionetten befreien. Die letzte EU-Wahl ging ja schon ein wenig in diese Richtung. Naturlich ist das auch der ideale Naehrboden fuer Extremisten, siehe Weimar in den spaeten 20er und fruehen 30er Jahren. Obwohl der Michel sich noch immer im Tiefschlaf befindet werden die Traueme allmaehlich unruhiger, irgendwann gibt es dann ein ganz boeses Erwachen.

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