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27.11.2014

15:10 Uhr

Gastbeitrag zur Quote

Frauen, alle sind dafür, keiner hat sie

VonAnna Handschuh

Die nicht enden wollende Debatte über die deutsche Version der Genderquote lässt staunen, was in einem Land mit einer solch herausragend gut ausgebildeten Frauengeneration immer noch möglich ist: Für Frauen nicht viel.

Die in Deutschland geborene Anna Handschuh, Markenstrategin und Trendforscherin, lebt mit ihrem Mann in der Schweiz. (Foto: Anna Handschuh)

Die in Deutschland geborene Anna Handschuh, Markenstrategin und Trendforscherin, lebt mit ihrem Mann in der Schweiz.

(Foto: Anna Handschuh)

ZürichDeutschland ist mir peinlich. Und nicht nur das, ich bin es auch leid. Ich bin es leid, seit der Zeit meines Abiturs ständig neue Berichte und Bücher über den angeblich unmittelbar bevorstehenden Aufstieg der Frauen in Managementebenen präsentiert zu bekommen und dann das eigene Land mit dem immer gleichen Ergebnis einem Reality-Check zu unterziehen: Fehlanzeige. Systemerror.

Also, nochmal von vorne. Ich bin Akademikerin, fast Mitte 30, in Deutschland geboren, international ausgebildet, spreche verschiedene Sprachen und lebe mit meinem niederländischen Mann zur Zeit in der Schweiz. Wo wir vielleicht als Nächstes leben werden wissen wir noch nicht, aber in Sachen Diversität und moderne Rollenbilder macht Deutschland nicht gerade Werbung für sich.

Wenn ich zur Zeit über die Grenze schaue, kann ich mir nur noch verwundert die Augen reiben, denn in Deutschland tobt der Genderquoten-Krieg.
Die deutsche Wachstumslokomotive hat mittlerweile in etwa noch Schrittgeschwindigkeit und es droht neues Ungemach: Es sollen nun auch noch Frauen in die deutschen Aufsichtsräte. Hilfe, das schöne Wirtschaftswachstum!

Wir lernen: Für Frauen und derartiges Gedöns hat der Wirtschaftsstandort Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs keine Zeit. Schließlich ist gerade mal etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung weiblich. Dies ist noch lange kein Anlass, diese Bevölkerungszusammensetzung auch in Führungsgremien abzubilden.
Und deren gute Ausbildung? Ja, wo käme das Land denn hin, wenn es diese einmal nutzen würde! Und ja, kein Zweifel, es gibt unzählige Studien zu den besseren Ergebnissen gemischter Teams, durchgeführt von ebenso unzähligen Beratungsunternehmen und Universitäten. Aber ich bitte Sie, die Konjunktur schwächelt, da kann sich Deutschland in einem heroischen Akt nicht auch noch Frauen leisten.

Beim Beobachten des gegenwärtigen Spektakels, bei dem mit allem geschossen wird, was als Rauchbombe halbwegs tauglich erscheint, könnte man glatt meinen, übermorgen gehe das Abendland unter. Und schuld sind die Frauen. Für diese Annahme genügt schon allein nur die Diskussion darüber, dass sie einmal dort sein könnten, wo sie Stand heute nicht sind: In mehr Chefinnen-Sesseln, in mehr Aufsichtsrats-Posten.

Kommentare (3)

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Herr chris schnitzler

27.11.2014, 15:57 Uhr

Wieso erkennt man nicht das dieses überflüssige Gesetz eine Diskriminierung von Männern ist!?
Die Karriere eines Mannes wird nicht fortgeführt weil er das falsche Geschlechtsteil hat? Im 21 Jahrhundert? In der EU? In Deutschland? Ein Witz!
CDU/CSU hat massiv dagegen interveniert?
Wo sind Grüne SPD und Gewerkschaften gegen diese Art der Diskriminierung vorgegangen?
Ja richtig-nirgends

Nabend

Cyber Politics

27.11.2014, 17:00 Uhr

Na, liegen die Nerven blank? Vielleicht hilft da ja das mahnende Wort Volker Kauders, nicht "weinerlich" zu werden.

Hilft nicht? Richtig, denn dieser Ausspruch hatte ja auch nur die Absicht, runter zu machen, auf Linie zu bringen, ein Machtwort zu sprechen, auf Kosten des Gegenübers. Gender-Bullying vom Feinsten.

Tatsächlich muß man sich doch mal fragen, warum man die Hälfte der Lotterie-Teilnehmer (Arbeitnehmer) die Kosten für das Ticket (Ausbildung, Engagement, Gestaltungswille, das Rat Race) zahlen zu lassen, ohne diesem Teil eine Gewinnchance (Aufstieg auf der Karriereleiter) oder zumindest eine schlechtere Gewinnchance einzuräumen.

Ja, ja, ich weiss schon: "Frauen? Gerne. Aber am liebsten als Assistentin." Immer hübsch, jung, nett und vor allem eins - ungefährlich.

Um es nochmal mit den abgewandelten Worten des ersten Kommentators zu verdeutlichen:

Wieso erkennt man nicht, dass dieses Gesetz längst überfällig ist, um der Diskriminierung von Frauen im Beruf entgegenzutreten!?
Die Karriere einer Frau wird nicht fortgeführt, weil sie das falsche Geschlechtsteil hat? Im 21 Jahrhundert? In der EU? In Deutschland? Ein Witz!
CDU/CSU hat massiv dagegen interveniert?
Wo sind Grüne, SPD und Gewerkschaften gegen diese Art der Diskriminierung von Frauen vorgegangen?

Ja richtig - halb stiess man sie, halb vielen sie.

Armes Deutschland. Angeführt von Frauen wie Frau Halbschuh hilflos dem Angriff von Fregatten, Blaustrümpfen und sonstigen Feministinnen ausgeliefert.

Frau Regine Martin

28.11.2014, 12:06 Uhr

Ich kann es inzwischen nicht mehr hören, wenn von Diskriminierung der Männer die Rede ist im Zusammenhang der Diskussion um die Frauenquote. Wer es schon gefühlt "immer" gewöhnt ist, die Macht zu haben und nicht zu teilen, der empfindet es selbstverständlich als drohenden Verlust, wenn Veränderungen anstehen. Dass die Männer in TOP-Positionen tendenziell die Arbeit (!) von Frauen gerne gemacht bekommen, nicht aber Macht teilen wollen, ist doch inzwischen hinlänglich untersucht, erforscht, belegt, diskutiert... Ich weise gerne auf die Zeit Ausgabe dieser Woche hin, in der das Thema "Versagen der Frauen in Top-Management Positionen" auf erfreuliche Weise von Thomas Sattelberger kommentiert wird... Es geht hier weder um fragliche Kompetenzen, noch um einen Mangel an Führungswillen ... noch um mangelnde Erfahrung und Lernbereitschaft. Das sind alles hinlänglich bekannte und dazu m.E. durchsichtige faule Ausreden. Es geht hier um echte Kooperation, um die Wertschätzung von Unterschiedlichkeiten, um den wirklichen Willen zu einem erfolgreichen Miteinander. Frauen müssen lernen, sich Macht zu nehmen und Männer müssen lernen, sie loszulassen. Die Quote ist die notwendige Rahmung für diesen gemeinsamen und gesellschaftlichen Lernprozess. Ich bin Frau, seit vielen Jahren psychologische Beraterin und Management Coach. Ich kenne viele hoch-kompetente Frauen die gerade wegen ihrer Kompetenz gemobbt und weggebissen werden und ich weiß definitiv, dass es nicht um Kompetenzen und Wirksamkeit geht, sondern um Machtpolitik, um Verlustängste und um die Unfähigkeit Augenhöhe zwischen den Geschlechtern zuzulassen. Dass sich die Frauen selbst dabei durch ihre enttäuschten Rückzüge auf Dauer keinen Gefallen tun, ist deren Lernthema. Dass durch die bevorstehende Umsetzung der Quote eine Art "Krieg" begonnen hat, finde ich lächerlich angesichts der REALEN Machverhältnisse überall. Wie viel Angst da offensichtlich aktiviert wird, sollte uns Frauen Mut machen, uns dennoch zuzumuten. Regine M.

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