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01.01.2012

11:03 Uhr

Gastkommentar

Auf die Industrieländer wartet ein neues goldenes Zeitalter

VonJustin Yifu Lin

Die Industrieländer sollten sich nicht nur auf Finanzgeschäfte verlassen, mahnt Justin Yifu Lin. Der Weltbank-Ökonom rät den Staaten, sich von Grund auf zu erneuern - sonst könnten sie ihren Lebensstandard nicht halten.

Justin Yifu Lin. ap

Justin Yifu Lin.

„Das goldene Zeitalter der Finanzwelt ist zu Ende“, sagt der Ökonom Barry Eichengreen. Wenn dies zutrifft – und hoffentlich ist das der Fall –, könnte nun ein „neues goldenes Zeitalter“ der Industrialisierung folgen. Mit Ausnahme einiger Ölexportländer ist in der Geschichte noch kein Land ohne Industrialisierung reich geworden. Alle Blicke sollten sich deshalb jetzt auf die realen Bereiche unserer Volkswirtschaften richten.

Angesichts der Finanzkrise in Europa sehen sich Politiker weltweit mit einer ungemütlichen Realität konfrontiert: Wenn die Industrieländer sich weiter vornehmlich auf Finanzgeschäfte verlassen und sich nicht von Grund auf erneuern, verlieren sie ihren bisherigen Lebensstandard. Die Weltgemeinschaft muss über die Euro-Zone und Staatsschuldenkrisen hinausblicken und die Gelegenheit zur strukturellen Transformation in den realen Sektoren der sich entwickelnden Welt wahrnehmen.

Unter struktureller Transformation verstehe ich den Prozess, durch den die Länder auf der industriellen Leiter aufsteigen: Im Zuge des Produktionsfortschritts bewegen sich die Arbeitskräfte hin zu Produktionssektoren mit höherer Wertschöpfung. Tatsächlich können wir, indem wir unsere Entwicklungsanstrengungen auf die relativen Vorteile ärmerer Länder richten, Vertrauen in den Unternehmenssektor wiederherstellen und Investitionen in die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern – nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in fortgeschrittenen Volkswirtschaften.

In fortgeschrittenen Ländern sind die Kosten für Forschung und Entwicklung relativ hoch, da die dortigen Technologien und Industrien bereits führend sind. Die Entwicklungsländer hingegen, einschließlich der Sub-Sahara-Staaten in Afrika, können ihre Industrien schneller ausbauen, da sie ohne viel Risiko Technologie von den Industrieländern erhalten können. Entwicklungsländer können also über Jahrzehnte jährlich um ein Vielfaches stärker wachsen als Länder mit hohem Einkommen. Die Strategie für Entwicklungsländer liegt darin, dieselben Industrien aufzubauen, die seit Jahrzehnten für Wachstum in reichen Ländern gesorgt haben.

Kommentare (10)

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no.7

01.01.2012, 12:42 Uhr

Gut, man kann sich alles mögliche zusammendenken. Meiner Meinung nach ist es aber völlig unbrauchbar. wir müssen nicht bei einer Forcierung der Industrie ansetzen, sondern wir müssen unbedingt den Geburtenanstieg unter kontrolle bekommen. wenn wir das nicht tun, wird es zu Hungersnöten, kriegen kommen. Ich weiß auch nicht ob es für diese Länder der richtige Ratschlag ist, zu industrialisieren. Es wird keine neuen wachstumsschübe geben, und das hochgelobte china wird in die rezession kommen- mitsamt der Weltwirtschaft. das sollte der autor erstmal bedenken. ein Industriewachstum wird es in den nächsten Jahren bestimmt nicht geben, allenfalls in einzelnen Ländern. Die Probleme nach alter Schule mit Wachstum kurieren zu wollen, das wird nie und nimmer funktionieren. Richtig ist allerdings, daß wir im westen weg müssen von dem "Investmentbank"- Unwesen. Es war ein riesiger fehler, das wir dies auch noch unterstützt haben.

no.7

01.01.2012, 13:10 Uhr

Wir müssen endlich mit der Verhätschelung und durchsubventionierung der Finanzindustrie und der Reichen aufhören. Wir müssen die gutverdiener und Reichen verstärkt zur Kasse holen. Das ist unabdingbar, die Forderungen der SPD nach Steuererhöhung für Unternehmer und Vermögende ist richtig ! wir müssen weg von diesem elenden Shareholder-Value-Kapitalismus. Was hat uns das gebracht ?? Es hat uns gebracht, daß wir nunmehr vor dem Bankrott stehen !! Alles wachstum der letzen Jahre bringt letzlich nur den Kapitalbesitzern neue reichtümer, und das muß beendet werden. Wachstumsfantasien können wir in der nächsten Zeit abschreiben.

Gast

01.01.2012, 14:56 Uhr

Vor dem Bankrott stehen wir doch, weil wir permanent mehr ausgeben als wir einnehmen - und das bei jedem Niveau des Spitzensteuersatzes. Außerdem sollte man zwischen bestimmten Angestellten (!) von bestimmten Banken, die in der Tat einiges zum Schuldenstand beigetragen haben, und den echten Unternehmern unterscheiden. Ohne letztere gäbe es gar keine Arbeitsplätze.

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