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02.01.2012

23:18 Uhr

Gastkommentar

Aus der Verzweiflung kann Hoffnung erwachsen

2011 war für viele Investoren ein Jahr der Angst - vor allem mit Blick auf Europa. Peter Oppenheimer, Chef-Aktienstratege bei Goldman Sachs , hofft für Mitte 2012 auf eine Wende am Aktienmarkt.

Peter Oppenheimer ist globaler Chef-Aktienstratege bei Goldman Sachs. Pressefoto Goldman Sachs

Peter Oppenheimer ist globaler Chef-Aktienstratege bei Goldman Sachs.

Für viele Investoren war 2011 ein durch Angst geprägtes Jahr. Die Märkte wurden von einer ganzen Reihe von Schocks erschüttert: vom Tsunami in Japan über die Sorgen bezüglich der Schuldenobergrenze für die USA und der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit bis zu den wachsenden Befürchtungen, dass es zu einer Double-Dip-Rezession kommen würde – um nur einige Beispiele zu nennen.

Vor allem aber war es ein Jahr der Angst mit Blick auf Europa. Die Sorge wegen eines möglichen ungeordneten Zusammenbruchs des Euros hat das Vertrauen erschüttert und die Prämie, die Investoren für die Übernahme von Risiko verlangen, in die Höhe getrieben.

Aus der jetzigen zunehmenden Verzweiflung kann aber schließlich doch noch Hoffnung erwachsen. Denn das Bewertungsniveau an vielen Aktienmärkten ist deutlich gesunken. Die Dividendenrendite, also der auf Aktien gezahlte Ertrag, hat sich weiter drastisch erhöht, während umgekehrt die Renditen auf bargeldnahe Anlagen und Staatsanleihen gefallen sind.

Dabei bezeichnen viele Investoren die hohe Staatsverschuldung als eine ihrer größten Sorgen, während die Bilanzen im Unternehmenssektor insgesamt betrachtet so grundsolide sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ungeachtet dieser Unterschiede sind die Investoren aber immer noch bereit, vielen Regierungen Geld zu leihen (durch Kauf von Staatsanleihen), während sie um Aktien trotz ihrer attraktiveren Renditen einen Bogen machen.

Kurzfristig betrachtet sind die Konjunkturaussichten zwar nicht gerade vielversprechend. Die Euro-Zone befindet sich anscheinend bereits in einer Rezession, und wir rechnen in diesem Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent. Für 2013 erwarten wir eine nur moderate Erholung von 0,7 Prozent und damit ein geringeres Wirtschaftswachstum als im Krisenjahr 2008.

Die Kombination aus staatlichen Sparmaßnahmen und einem erheblichen Schuldenabbau durch die Banken dürfte die Konjunktur für einige Zeit dämpfen, wobei diese Prognose auf der Annahme basiert, dass der Euro überlebt und sich die Rahmenbedingungen stabilisieren. Großbritannien wird von dieser Entwicklung nicht verschont werden und nach unserer Erwartung im laufenden Quartal in eine leichte Rezession zurückfallen.

Für ein gewisses Gegengewicht dürfte das anhaltende, wenn auch schwächere Wachstum in den USA sowie in den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China) sorgen. Aber selbst mit dieser Unterstützung aus anderen Regionen der Welt rechnen wir in Europa mit einem Rückgang der Unternehmensgewinne von zehn Prozent in diesem Jahr, bevor es dann 2013 wieder aufwärtsgeht.

Kommentare (1)

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svebes

03.01.2012, 09:15 Uhr

. . . geht die Politik in die richtige Richtung. Klar, hat jetzt diese Goldman-Sachs Mafia die EZB endlich dazu gebracht die Milliarden auf den Markt zu werfen und damit indirekt wieder deutsches Recht zu brechen. Damit können sich alle üblichen Verdaächtigen wieder bedienen. Bald dürften die Tröge doch final geleert sein - dann zieht diese Vampirkaravane halt weiter. Diesen Bankstern darf man doch nicht von 12 Uhr bis Mittags trauen.

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