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26.03.2012

20:41 Uhr

Gastkommentar

Bei Politiker-Gehältern sind Korrekturen nötig

VonDieter Heuskel

Deutsche Politiker verdienen im Vergleich zu Managern oder Profi-Fußballern zu wenig, sagt Dieter Heuskel, Partner von Boston Consulting. Zwischen beruflichen Anforderungen und Bezahlung gebe es krasses Missverhältnis.

Politiker sind denkbar hohen Anforderungen ausgesetzt. dpa

Politiker sind denkbar hohen Anforderungen ausgesetzt.

Was haben deutsche Professoren und deutsche Politiker gemeinsam? Bezogen auf Anforderungen und Leistungen, verdienen beide zu wenig. Im Fall der Professoren hat das Bundesverfassungsgericht jüngst festgestellt, dass ein Grundgehalt von 4000 Euro weder der Qualifikation noch den Anforderungen entspricht. Und das gilt für Politiker noch mehr.

Das Marktversagen, das in der Finanz- und Verschuldungskrise zum Ausdruck gekommen ist, hat Einfluss und Handlungsspielraum der Politiker gegenüber den Wirtschaftsakteuren massiv erweitert. An ihren Entscheidungen liegt es, ob Europa und seine Volkswirtschaften den Weg aus der Krise finden, ob Fehlentwicklungen der Märkte korrigiert und die gesellschaftlichen Herausforderungen - von Bildung und Integration bis zu Infrastruktur, Demografie und Energiewende - gemeistert werden. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist eine Leistung, die sich - wie in der Unternehmensführung - am Ende für alle auszahlen wird.

Für die Politiker, speziell in Deutschland, gilt jedoch, dass sie diese Leistung am besten aus purem Idealismus erbringen sollen. Jede Diätenerhöhung ruft reflexartig Vorwürfe hervor, jede privat genutzte Bonusmeile den Ruf nach dem Staatsanwalt, jede noch so kleine Vergünstigung enthält den Stoff für den großen Skandals, kurz: Das Streben nach dem materiellen Ausweis des Status in Form von Geldeinkommen verliert, wenn es um Politiker geht, jede Akzeptanz. Mehr noch: Es gilt als Inbegriff moralischer Verkommenheit.

Wenn ein Weltklassetorwart wie Manuel Neuer acht Millionen pro Jahr verdient, wenn sechs Millionen Euro von einem öffentlich-rechtlichen Sender als angemessene Jahresgage für Thomas Gottschalk betrachtet werden, wenn die durchschnittliche Vergütung für den Vorstand eines Dax-Unternehmens bei zwei bis drei Millionen Euro liegt, so ist das Jahresgehalt der Bundeskanzlerin mit rund 283.000 Euro bescheiden - aber durchaus im Einklang mit ihren Amtskollegen Nicolas Sarkozys (rund 230.000 Euro) und Barack Obama (gut 300.000 Euro).

Nur ein Regierungschef kann mit den Stars mithalten: Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong bezieht ein Gehalt von rund 1,3 Millionen Dollar. Seit vielen Jahren führt Singapur die „weiße Liste“ der (weitestgehend) korruptionsfreien Staaten an. Als Standort gilt Singapur aufgrund seiner Infrastruktur und Verwaltung nicht nur in der Region als Vorbild.

Kommentare (17)

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26.03.2012, 20:55 Uhr

Die Politiker leben doch im Wesentlichen von den Geldern der Konzerne, die sie in den Gremien vertreten.

Wenn höhere Gehälter dann bitte auch ein Verbot von Wirtschaftsloobbyismus auf mind. 10 Jahre auch nach dem Ausscheiden aus den Wahlposten.

MikeM

26.03.2012, 20:59 Uhr

Politiker lassen sich grundsätzlich schmieren. Entweder direkt (Wulff) oder nach ihrer Amtszeit (Schröder, Fischer). Wir brauchen keine höheren Politikergehälter, sondern qualifiziertere Politiker! Solange Lehrer (H. Eichel) über die Aufnahme von Ländern in die EU (hier Griechenland) entscheiden, muss man sich nicht wundern wenn das schief geht. Und für diese Entscheidungsträger sind die derzeiten Gehälter noch viel zu hoch.

Tetz

26.03.2012, 21:44 Uhr

Mit Verlaub. Dieser Artikel verdreht die Tatsachen in unserer Gesellschaft.

Deutsche Bundes- und Landespolitiker verdienen nach meiner Meinung ordentlich. So liegt die Abgeordnetenentschädigung im Bundestag ab 2013 bei 8.252 EUR. Das sind fast 100.000 Euro Jahresgehalt für eine Person! Das ist ordentlich und auch angemessen. Dazu kommen noch zahlreiche Pauschalen und Zuschüsse für die Sozialversicherung. Auch in den Landesparlamenten ist die Versorgung mit durchschnittlich 5.000 Eur im Monat angemessen. Also bitte wo ist hier eine Korrektur nötig?

Eine Korrektur ist bei Gehältern von mehreren Millionen EUR im Jahr nötig. Nein nicht das man Sie begrenzt, sondern dass man ab einer Grenze von z.B. 1 Mio Eur Jahresgehalt der Steuersatz stark auf bis zu 70-80% ansteigt.In den USA gab es diesen Satz bis Anfang der 80er Jahre. Und der Gesellschaft ging es insgesamt besser als heute.

Insgesamt sollte doch ein Mensch im Leben so viel verdienen können wie er "für sich selbst" verkonsumieren kann. Natürlich können dies auch ein paar Millionen Euro sein, aber doch nicht in einem einzigen Jahr!

Darüber sollten sich alle mal Gedanken machen. Wenn wir hier nicht Gegensteuern wird es auf Kurz oder lang zu extremen Konflikten zwischen wenig Superreichen und vielen in die Armut abgerutschten kommen. Wer diesen Konflikt gewinnt zeigt schon die Mathematik.

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