Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2011

09:31 Uhr

Gastkommentar

China in der Einkommensfalle

VonRolf J. Langhammer

China kann den Sprung in die erste Liga der Industrieländer schaffen, sagt Rolf Langhammer vom Weltwirtschaftsinstitut. Aber nur, wenn es die Mobilität erleichtert und die regionalen Einkommensunterschiede beseitigt.

Rolf J. Langhammer ist Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Pressefoto IfW

Rolf J. Langhammer ist Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel.

Die jüngsten Wachstumsrückgänge in China weisen auf eine Sorge hin, die die chinesische Regierung schon seit längerem plagt. Erleidet das Land womöglich das Schicksal anderer Länder mit mittleren Einkommen, die den Aufstieg in den Kreis der Hocheinkommensländer nicht geschafft haben? Diese Schwelle beginnt nach der Weltbank-Definition jenseits von 12.200 Dollar Pro-Kopf-Einkommen.

Auf den ersten Blick scheint dieses Problem noch weit entfernt, denn China steht weit vor dieser Schwelle. Führt man sich aber vor Augen, dass das Land bis 2015 den Sprung auf 9000 Dollar schaffen wird, so wird diese Frage am Ende dieses Jahrzehnts sehr real sein.

China setzt sich damit von anderen Staaten ab. Nur wenige haben tatsächlich den Sprung in die erste Liga der Hocheinkommensländer geschafft. Staaten wie Malaysia, Chile, Brasilien oder die Türkei blieben bislang in der unteren Gruppe hängen.

Grund dafür war, dass wichtige Faktoren wie Humankapital, Institutionen (wie Steuersysteme oder soziale Sicherungssysteme), die Finanzmärkte, die Infrastruktur oder die Umwelt mit dem raschen Wachstum nicht mehr Schritt halten konnten. Die durchschnittliche Produktivität der Investitionen in physisches Kapital wie Transportwege nahm ab.

Auch in China ist zu vermuten, dass sich nicht jede Fernstraße in den Westen des Landes kurzfristig rentiert. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich in einem Land, in dem zunehmend Kapital in die Infrastruktur fließt, die für ein bestimmtes Wachstumsniveau aufgewendete Kapitalmenge verglichen mit den 90er-Jahren verdoppelt hat.

Das wäre noch nicht weiter beunruhigend, wenn das Wachstum weitgehend weltmarktbestimmt ist. Die Weltkonjunktur aber schwächelt, und alle Partner im Welthandel sind vom Rückgang der Kapitalproduktivität betroffen. In der Tat ist dies in den letzten Jahren der Fall gewesen. Somit könnten sich die hohen Infrastrukturinvestitionen langfristig rechnen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Bergbauing.

30.12.2011, 11:45 Uhr

"Der Gini-Koeffizient, der diese Ungleichheit misst, liegt bei einem historischen Hoch von knapp unter 0,5; ein für ein Land ohne Rohstoffe sehr hoher Wert."
Sie sprechen hier von China: größter Steinkohlenproduzent weltweit, größter Eisenerzhersteller, größter Zementhersteller, 2.größter Braunkohleproduzent, 4.größter Kupfererzhersteller usw. usw.
Wenn dieses Land nicht keine Rohstoffe hat, dann weiß ich es nicht. Es muss zukaufen, aber wie groß ist der Anteil an importierten Rohstoffen an konsumierten Rohstoffen... eher gering.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×