Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.05.2012

18:57 Uhr

Gastkommentar

Das Hauptproblem ist Spanien

VonHans-Werner Sinn

An den Märkten wächst die Unsicherheit darüber, ob Spanien und Italien mit ihren Schulden zurechtkommen. Die Maßnahmen der EZB waren bisher nicht sonderlich erfolgreich. Es droht ein Aufflammen der Krise.

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts. dapd

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Ifo Instituts.

Nachdem das eine Billion Euro schwere Kreditprogramm der Europäischen Zentralbank die globalen Finanzmärkte zunächst beruhigt zu haben schien, steigen die Zinsen für die Staatspapiere Italiens und Spaniens nun wieder an und bewegen sich inzwischen auf die Sechs-Prozent-Marke zu. Das mag zwar keine Belastungsgrenze sein, jenseits deren die Schuldenlast untragbar wird. Immerhin hatten die Zinsen in Südeuropa im Jahrzehnt vor der Einführung des Euros bei deutlich mehr als zehn Prozent gelegen. Dennoch signalisieren die Märkte offenbar wachsende Zweifel, ob Spanien und Italien ihre Schuldenlast werden tragen können und wollen.

Das Hauptproblem ist Spanien. Die private und öffentliche Auslandsverschuldung Spaniens ist größer als die von Griechenland, Portugal, Irland und Italien zusammen genommen, und sie liegt wie jene von Portugal und Irland in der Gegend von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Viertel der Erwerbspersonen und die Hälfte der Jugend Spaniens sind arbeitslos, weil das Land durch den kreditfinanzierten Immobilienboom seine Wettbewerbsfähigkeit verloren hatte. Das Leistungsbilanzdefizit liegt trotz des rezessionsbedingten Rückgangs der Importe immer noch bei 3,5 Prozent des BIP, und wegen der Wirtschaftsflaute wird Spanien die Zielwerte der EU für das Budgetdefizit verfehlen.

Die spanischen Schulden im europäischen Zahlungssystem Target bei der Europäischen Zentralbank wuchsen von Februar bis März um 65 Milliarden Euro, weil eine Kapitalflucht in diesem Umfang kompensiert werden musste. Target-Schulden entstehen bei der EZB durch Überweisungen zwischen den Euro-Staaten. Seit Juli 2011 hat die spanische Target-Schuld um 219 Milliarden Euro zugenommen. Die Kapitalflucht hat den Kapitalimport der Jahre 2008 bis 2010 inzwischen vollkommen kompensiert. Summiert vom Beginn des ersten Krisenjahres (2008) bis jetzt hat Spanien sein gesamtes Leistungsbilanzdefizit mit der Notenpresse finanziert.

In Italien sieht es kaum besser aus. Dort wuchs die Target-Schuld von Februar auf März um 76 Milliarden Euro und im April noch einmal um neun Milliarden Euro. Seit Juli 2011 kamen insgesamt 263 Milliarden Euro zusammen. Auch aus Italien flieht das Kapital nach den Maßnahmen der EZB noch schneller als vorher. Inzwischen ist klar, dass die EZB diese Kapitalflucht aus Ländern wie Spanien und Italien großenteils selbst verursacht hat, denn der billige Kredit, den sie bot, hat das private Kapital regelrecht in die Flucht geschlagen. Zweck der Maßnahmen der EZB war es, wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wiederherzustellen. Dabei war sie offenkundig nicht besonders erfolgreich.

Kommentare (40)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

cilla

14.05.2012, 19:10 Uhr

Da fragt man sich doch: Wenn fast alle Länder außer Deutschland wackeln und eine Abwertung der Währung in vielen Fällen die Lösung ist, würde Deutschland den anderen Ländern dann nicht eine gefallen tun, wenn wir aus der Erozone autreten. Dann kann Griechenland auch in der Euorzone bleiben.
Natürlich müssen Euro-Anleihen, dann abgeschrieben werden, etc. sollten man aber mal durchdenken.

steuer_michel

14.05.2012, 19:12 Uhr

Endlich mal wieder ein fundierter Artikel!
Ich kann nur jeden die IFO-Institut-Webseite empfehlen, wo Prof. Dr. Werner Sinn sehr gute Video-Beiträge über die ganze Euro-Problematik eingestellt hat.
Ein Wissenschaftler, dessen Beiräge ich sehr schätze!

Roman

14.05.2012, 19:12 Uhr

Herr Sinn hat vollkommen Recht! Mehr sollte zu dem Thema nicht mehr gesagt werden.. Halt: Außer natürlich zurück zm EWS!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×