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21.09.2012

19:56 Uhr

Gastkommentar

Demokratie und Unternehmertum sind unzertrennlich

VonRaghuram Rajan

Zum amerikanischen Traum gehört die Freiheit des Unternehmertums. Andererseits darf die Demokratie die Schwachen nicht vergessen. Zwischen diesen Positionen besteht eine gefährliche Spannung.

Die George Washington Statue auf der Wall Street. ap

Die George Washington Statue auf der Wall Street.

Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf geht es oberflächlich betrachtet um die Gesundheitsversorgung und um die Belastung mit Steuern. Tatsächlich geht es jedoch um Demokratie und freies Unternehmertum. Beide bedingen einander. So ist es schwer, sich eine florierende Demokratie ohne Marktwirtschaft vorzustellen.

Allerdings ist nicht von vornherein klar, warum Demokratie und freies Unternehmertum einander stützen sollten. Schließlich bedeutet Demokratie, die einzelnen Menschen als gleich zu behandeln. Das freie Unternehmertum gibt den Menschen dagegen auf der Grundlage ihrer Wertschöpfung und ihres Eigentums mehr Macht.

Was hindert den durchschnittlichen Wähler in einer Demokratie daran, mit seinem Stimmzettel die Reichen und Erfolgreichen zu enteignen? Und warum untergraben die Reichen nicht die politische Macht der Masse? Solche Überlegungen sind auch bei dem Versuch Präsident Barack Obamas im Spiel, die Wut der Mittelschicht anzuzapfen. Während sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney an den Unmut jener Geschäftsleute appelliert, die mit der Regierung unzufrieden sind.

In dem Maße, in dem die Reichen ihr Vermögen selbst erworben und sich in einem fairen, wettbewerbsorientierten und transparenten Markt durchgesetzt haben, ist die Gesellschaft möglicherweise besser dran, wenn sie ihnen ihr Vermögen lässt. Je mehr die Reichen allerdings als Müßiggänger oder als unehrlich angesehen werden, desto eher dürfte der Durchschnittswähler bereit sein, für ihre scharfe Regulierung oder Besteuerung zu stimmen.

Ein wettbewerbsorientiertes System freien Unternehmertums neigt im Allgemeinen dazu, es den Effizientesten zu gestatten, ein Vermögen anzuhäufen. Die Fairness des Wettbewerbs steigert die Wahrnehmung von Legitimität. Zudem neigt der Prozess kreativer Zerstörung unter den Bedingungen des fairen Wettbewerbs dazu, schlecht verwaltetes ererbtes Vermögen einzureißen und durch neues, dynamisches Vermögen zu ersetzen. Große Ungleichheit, die sich über Generationen aufbaut, wird nicht zur Quelle großer öffentlicher Verbitterung. Im Gegenteil, jeder kann davon träumen, dass auch er eines Tages reich sein wird.

Kommentare (4)

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22.09.2012, 08:24 Uhr

"In den Vereinigten Staaten scheint jedoch vielen der amerikanische Traum zu entgleiten, auch weil eine gute Bildung als Ticket zum Wohlstand für viele Angehörige der Mittelschicht zunehmend unbezahlbar ist."

Das ist der Punkt, nicht nur in den USA.
Um Udo di Fabio zu zitieren, sinngemäß - wir brauchen eine Educations-Offensive und wieder mehr Willen sich durch Bildung etwas zu erarbeiten oder aufzusteigen, zu schaffen.

leo

22.09.2012, 10:01 Uhr

Die Überschrift - da bin ich völlig dabei! Grundsätzlich denke ich auch, dass ein freier demokratischer Bürger auch das Zeug hat, sich in einer freien Wirtschaft zu "bewähren". Aber der Autor verschwurbelt das etwas.
1. Anhäufung von Vermögen passiert häufig, indem nur noch das Geld "arbeitet", während die Abkömmlinge davon zehren und wenig mit einem Unternehmer gemein haben.
2. Die real existierende Wirtschaft ist so frei nicht: Bürokratie erschwert Selbständigkeit, während sie die eher "sozialistischen" Formen (Konzerne mit angestellten "Managern") per Lobbyarbeit bevorzugt.
Der Artikel hätte daher gerne etwas differenzierter ausfallen dürfen,

wogehtslang

22.09.2012, 12:25 Uhr

Es ist eine gesteuerte Diffamierung, daß Reichtum und Erfolg aus Arbeit in einem marktwirtschaftlichen System in den gleichen Topf des Reichtums aus Spekulation, Manipulation und Finanzmacht geworfen wird! In keiner Weise wird erkannt oder analysiert, daß der Kernfehler des Geldsystems (Zinseszins) die Ursache des expotentiellen Wachstums des Finanzreichtums ist und die Demokratie aushebelt, in perfidem und amoralischem Zusammenwirken der Politiker, Bankster und auch Großkonzernen. Genauso, sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt, wobei auch der Kernfehler der Demokratie, nämlich (one man, one vote) drapiert bleibt. Ohne Qualität in der Wählerschaft, bekommen wir auch keine Qualität in die Politik und deren Entscheidungebenen! Ohne Qualität und Neuerung in der Erziehung und Werteskalen, kommen wir NICHT in die nächste Runde! Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, der mit der erbärmlichen Einheitspartei CDUFDPSPDGrüne nicht zu machen ist! Das ungestrafte, kurzsichtige Deficit Spending, die Schuldenmacherei, die Hype, anderer Leute Geld zu verteilen und dies mit sozialistischer Farce zu begründen ist das Absurdum, welches wir teuer bezahlen werden, aus Dummheit der Masse, sowohl der Wähler, als auch der korrespondierenden Politiker und Bürokratie! Die Subventionitis ist zur Religion geworden und wird im schmerzvollen Crash enden! Die volkswirtschaftliche Stützung, Sozialisierung der Schulden, von Finanzvermögen/Bankenindustrie, durch, eben, die sozialistischen Parteien, ist genauso eine historische Tragödie, wie die Kirche, die Kanonen des Dritten Reiches segnete! Man kann sich an Oportunismus und Dekadenz nicht mehr übertreffen!

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