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09.02.2012

11:07 Uhr

Gastkommentar

Denn sie wissen, was sie tun

VonHenrik Enderlein

Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie, glaubt an eine Rettung Griechenlands. Eine Einigung zwischen Troika und Athen werde gelingen. Doch das mache Hellas weder solventer, noch beende es die Euro-Krise.

Dunkle Wolken über dem Pantheon in Athen. dpa

Dunkle Wolken über dem Pantheon in Athen.

Es ist die makaberste Szene im Film „... denn sie wissen nicht, was sie tun“: Zwei Autos rasen auf die Klippe über dem Abgrund zu; in jedem ein pubertierender Jugendlicher. Wer zuerst aus seinem Auto springt, ist der Verlierer des Spiels. Dieses „Feiglingsspiel“, wie die Spieltheorie es nennt, beschreibt die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ziemlich passgenau.

Die griechischen Parteien wissen, dass für die Troika eine ungeordnete Insolvenz eine Katastrophe wäre, deshalb geben sie nicht nach. Die Troika weiß, dass eine ungeordnete Insolvenz für Griechenland eine Katastrophe wäre, deshalb gibt sie nicht nach. Beide Seiten diktieren zurzeit fast stündlich in die Protokolle, dass sie keine Angst vor dem Absturz haben. Erst Zentimeter vor dem Abgrund werden sie eine Einigung erzielen – es sei denn, sie wissen nicht, was sie tun …

Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie an der Hertie School of Governance. Enderlein

Henrik Enderlein, Professor für politische Ökonomie an der Hertie School of Governance.

Zum Glück verhandeln in Athen und Brüssel keine pubertierenden Jugendlichen. Deshalb wird die Einigung gelingen. Griechenland wird weitere Sparmaßnahmen und Einschnitte beim Mindestlohn anbieten, die Europäische Zentralbank wird auf ihre Gewinne aus dem Ankauf griechischer Anleihen verzichten und damit die griechische Schuldenlast um rund 12 Milliarden Euro reduzieren, die Euro-Gruppe und der Internationale Währungsfonds werden das zweite Griechenlandpaket verabschieden und 130 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. So weit, so gut.

Meine Sorge ist aber, dass in der Euphorie nach der Einigung die Herausforderungen aus der Umschuldung Griechenlands ins Vergessen geraten werden. Denn nur weil die Stunde null der griechischen Wirtschaft endlich erreicht ist, ist weder das Land solvent noch die Euro-Krise beendet.

Erstes Risiko: Der Deutsche Bundestag scheitert an der historischen Aufgabe, das zweite Rettungspaket für Griechenland mit einem politisch eindeutigen Signal zu verabschieden. Angesichts der latent vorhandenen „Griechenland-aus-dem-Euro“-Stimmung wäre eine Wackelmehrheit gefährlich. Jeder Investor würde sofort wieder die Frage stellen, wie weit die Bereitschaft Deutschlands, den Euro-Raum durch solidarische Kreditvergabe zu stabilisieren, im Ernstfall reicht.

Kommentare (10)

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whoknows

09.02.2012, 11:31 Uhr

"... darf Europa nicht der Versuchung erliegen, die Arbeit an den Rettungsschirmen zu beenden. Und das heißt: Das Garantievolumen muss weiter wachsen. Die Kombination aus EFSF und ESM wäre deshalb die richtige Antwort. Sie würde fast eine Billion Euro hervorbringen."

Wieso denn nur eine Billion um Gottes Willen? Das wird die Finanzmärkte niemals beeindrucken.
Klotzen nicht kleckern heist die Devise.

Ich biete 5 Billionen! Wer bietet mehr?

Account gelöscht!

09.02.2012, 11:38 Uhr

Professoren mit ihrer fachspezifischen Beschränktheit haben Deutschland schon 1914-18 schwer geschadet.

Der Mann übersieht, daß Griechen keine Deutschen sind, auch keine Chinesen.

Account gelöscht!

09.02.2012, 11:43 Uhr

Herr Enderlein ist leider der technokratischen Illusion verfallen, man könne von außen einem Land ein "Geschäftsmodell" schneidern. Das ist historisch vielfach widerlegt. Ökonomische, administrative und psychologische Bedingungen für erfolgreiches Wirtschaften müssen vor Ort entstehen. Dafür gibt es im Falle von GR leider kaum Hinweise. Also sollten wir GR mit Bedauern aus dem Euroraum verabschieden ...

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