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17.06.2012

15:46 Uhr

Gastkommentar

Der Cyberwar hat begonnen

VonSandro Gaycken

Inzwischen ist bestätigt, was alle vermutet haben: Die USA haben eine iranische Atomanlage mit einem Computer-Wurm sabotiert. Dies könnte der offizielle Auftakt zum weltweiten Cyberwar gewesen sein.

Der Kampf im Netz ist bereits in vollem Gange. dpa

Der Kampf im Netz ist bereits in vollem Gange.

Stuxnets wahrer Name war also Operation „Olympic Games". Die Meldung bestätigt, was aufgrund von Indizien und Gerüchten lange gemutmaßt wurde. Der Angriff gegen die iranische Atomanlage kam aus Amerika. Erfunden wurde er vom Strategic Command, entwickelt vom Geheimdienst NSA (National Security Agency), von Bush initiiert und von Obama durchgeführt.

Der strategische Hack sollte Zeit für Diplomatie schaffen und einen israelischen Militärschlag abwenden. War die Operation ein Erfolg? Die unmittelbaren Ziele wurden erreicht. Für geringe Kosten im unteren Millionenbereich gab es einen messbaren Effekt. Zudem konnte man neue militärische Fähigkeiten und Konzepte testen, erhielt wertvolles Feedback.

Aber das ist nur die enge, die operative Sicht. Aus größerer Perspektive stellen sich die Wirkungen von Stuxnet komplexer und problematischer dar. Zum Nachteil der USA. Entscheidend ist, dass erst der Wurm selbst und jetzt der Urheber versehentlich bekannt geworden sind. Das ist ein ausschlaggebendes Detail. Wäre die gesamte Operation erfolgreich „covert" gewesen, wäre der strategische Gewinn direkt und sauber geblieben.

Große Cyberangriffe

Hacker-Gruppe Anonymous

Den Zorn der Wikileaks-Anhänger bekamen Mastercard, Visa, Paypal und Amazon zu spüren, nachdem sie der Enthüllungsplattform im Sommer 2010 nicht mehr ihre Dienste zur Verfügung stellen wollten. Die lose organisierte Hacker-Gruppe Anonymous attackierte die Server der US- Unternehmen. Sie setzte dabei auf sogenannte DDOS-Angriffe, bei denen ein Web-Server mit Daten-Anfragen überhäuft wird, bis er unter dieser Last in die Knie geht.

Sony

Durch die Hintertür kamen dagegen die Angreifer, die Mitte April in verschiedenen Online-Netzwerken von Sony Daten stahlen - mehr als 100 Millionen Nutzerkonten könnten betroffen sein. Einige Sicherheitsexperten warfen dem japanischen Konzern vor, seine Server nicht ausreichend abgesichert zu haben. Über die Eindringlinge ist bislang nichts an die Öffentlichkeit gedrungen.

Stuxnet

Der Computerwurm Stuxnet ist im vergangenen Jahr zum Synonym für Angriffe auf große und wichtige Infrastrukturen wie Industrieanlagen oder Stromnetze geworden. Der raffinierte Schädling war speziell auf eine bestimmte Konfiguration von Siemens-Industriesysteme zugeschnitten. Experten gehen davon aus, dass er geschrieben wurde, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Da der Arbeitsaufwand für ein derartiges Programm immens hoch ist, vermuten viele Spezialisten Staaten oder zumindest eine staatlich unterstütze Gruppe hinter dem Angriff. Frank Rieger vom Chaos Computer Club sprach gar von einem „digitalen Erstschlag“.

Gmail

Zu einem handfesten Streit zwischen den USA und China führte ein Angriff auf Googles E-Mail-Dienst Gmail. Im Dezember 2009 erschlichen sich Hacker nach Angaben des Unternehmens Passwörter von Nutzern, darunter seien auch Mitarbeiter der US-Regierung und chinesische Regimegegner gewesen.

Citigroup

Zu den jüngsten Opfern von Hackerangriffen zählt die Citigroup. Kriminelle erbeuteten Daten von mehr als 360.000 nordamerikanischen Kreditkarten-Kunden der US-Bank.

So aber sind Kollateralschäden entstanden. Einmal unmittelbar operativ. Der Iran weiß, dass er systematisch angegriffen wird. Statt einer Deeskalation wird eine Eskalation ausgelöst. Der Raum für Verhandlungen ist kleiner geworden statt größer. Der Vorteil der gewonnenen Zeit wird sich hier relativieren. Schlimmer aber als die unmittelbaren Folgen in Iran sind die größeren strategischen Nebenwirkungen weltweit.

Kommentare (2)

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Thomas-Melber-Stuttgart

17.06.2012, 16:11 Uhr

Ist das nicht nach eigener, US-amerikanischer Definition eine Kriegshandlung? Darf der Iran nun (niederschwellig) zurückschlagen? Zumal der Iran als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages grundsätzlich das Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm hat.

mon_y.burns@dynip.name

17.06.2012, 18:53 Uhr

Bitte info ob un was lesbar

http://dynip.name/moerderbande.jpg

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