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08.08.2012

14:54 Uhr

Gastkommentar

Der hoffnungslose Kampf der Bundesbank

So heroisch der Kampf von Bundesbank-Chef Jens Weidmann gegen den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB auch anmuten mag, er ist falsch, sagt Karl-Heinz Paqué. Deutschland steht eine politische Niederlage bevor.

Jens Weidmann wird den Streit um weitere Anleihenkäufe mit der EZB verlieren, sagt Karl-Heinz Paqué. dpa

Jens Weidmann wird den Streit um weitere Anleihenkäufe mit der EZB verlieren, sagt Karl-Heinz Paqué.

Es hat etwas Heldenhaftes: Bundesbank-Präsident Weidmann sowie große Teile der deutschen Öffentlichkeit und Ökonomenzunft wehren sich vehement gegen Mario Draghis Ankündigung, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu stabilisieren. Dabei heißt „alles": auch Staatsanleihen der Krisenländer Italien und Spanien aufzukaufen. In deutschen Augen: eine ordnungspolitische Todsünde, gegen die man bis zum letzten Blutstropfen kämpfen muss. Sonst verrät man seine Prinzipien und wird unglaubwürdig.

Wirklich? Es gibt gute ökonomische und politische Gründe, dies ganz anders zu sehen. Die Zinsen, die Italien und Spanien derzeit am langen Ende des Kapitalmarkts zahlen müssen, liegen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent - Deutschland zahlt knapp über ein Prozent! Für Italien und Spanien heißt dies: Realzinsen etwa um vier bis fünf Prozent (in Deutschland minus ein Prozent!). Alle Beobachter sind sich einig, dass dies für die beiden großen mediterranen Länder eine extreme Belastung ist, nur zu schultern mit drastischer Spar- und Reformpolitik, die längst stattfindet oder angelegt wird.

Karl-Heinz Paqué ist ehemaliger Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt und Professor an der Universität Magdeburg. ddp

Karl-Heinz Paqué ist ehemaliger Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt und Professor an der Universität Magdeburg.

Dieses Zinsniveau ist Strafe und Anreiz genug zu handeln. Realzinsen von über sieben oder acht Prozent wären dagegen kaum mehr zu verkraften, würden jedenfalls die großen Volkswirtschaften des Südens noch viel tiefer in die Rezession und deren öffentliche Haushalte in die Nähe des Bankrotts treiben. Ein Horrorszenario!

Kurzfristig kann niemand außer der EZB dieses Horrorszenario verhindern, sollten weitere Wellen der Kapitalflucht aus den beiden Ländern drohen. Der Grund ist geradezu zynisch einfach: Nur die EZB kann Geld drucken. Und nur wenn dies für den Notfall glaubwürdig angekündigt wird, können sich globalisierte Finanzmärkte beruhigen. Das hat Draghi getan.

Dafür wird er in Deutschland gescholten, obwohl die Bundeskanzlerin nach der Lehman-Pleite im Oktober 2008 und November 2011 genau das Gleiche tat. Sie garantierte allen Deutschen ihre Spareinlagen. War das glaubwürdig? Ja, aber nur, weil im Falle einer Kapitalflucht aus den deutschen Banken die EZB bereitsteht, die Banken mit eigenem Geld voll zu refinanzieren.

Kommentare (34)

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Politekel

08.08.2012, 15:14 Uhr

Wohl wieder so ein Soze, der den Deutschen die Wirtschaft erklären will. Erbärmlich. Ein Rohrkrepierer. Nur oberflächliches Gesülze! Er soll lieber dem Michel erklären, wieviel Billionen ihn das Euroabenteuer kosten wird.

neo

08.08.2012, 15:16 Uhr

Die "Rolle Rückwärts" wird kommen. Die Schuld daran trägt aber nicht Deutschland, sondern dieses Konstrukt genannt EU. Man kann eine Kuh halt nur solange Melken, wie sie noch auf 4 Beinen steht. Fällt sie tod um, nützt auch die beste Melkmaschine nix. Eine Logik die jeder Bauer versteht, nur in manchen weisen Köpfe aus dem angelsäschischen Morgenland nicht fruchten möchte.
Richtig von Panik wird man dann ergriffen, wenn die Melkkuh mit einmal zum Bullen wird und sich stur stellt.
Dieser Gastkommentar ist der beste Beleg, wie weit diese Panik schon fortgeschritten ist.
Frau Dr. Merkel taktisches Gespür sucht seines Gleichen. Vosskuhle wird das richtige tun. Und Deutschland wird am Ende besser da stehen, als jetzt schon. Wollen wir wetten?

PS: Es ist jetzt schon erstaunlich, dass eine handvoll Bundesländer mit ihrer Wirtschaftskraft diese Landmasse genannt EU am Leben halten können. Wow, was für eine Power. Das soll uns mal wer nachmachen.

Ben-Wa

08.08.2012, 15:18 Uhr

Ich steh gern im Abseits. Viel besser, als für ein "politisches Projekt" versklavt zu werden.
Ich habe nämlich langsam die Schnauze voll von diesem Abenteuer. Von der EU halte ich NICHTS mehr! Dieses Gebilde ist voll auf dem Holzweg! Der Euro kann nicht funktionieren. Jetzt wird hier noch erklärt, daß die Deutschen für alles haften sollen. Weiß dieser Typ eigentlich, was er fordert?
Solche Politiker braucht Deutschland nicht, die nur das eigene Volk berauben und sich selbst an utopischen, dümmlichen "politischen Projekten" berauschen! NEIN!

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