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30.04.2012

09:46 Uhr

Gastkommentar

Der Mittelstand macht es vor

VonChristoph Achenbach

Gute Aufsichtsräte müssen unabhängig sein. Das spricht für fixe Vergütungsmodelle. Denn ein hoher variabler Anteil könnte Entscheidungen beeinflussen - und kann damit zu Lasten des Unternehmens gehen.

Christoph Achenbach war bis 2005 Vorstandschef von KarstadtQuelle. ap

Christoph Achenbach war bis 2005 Vorstandschef von KarstadtQuelle.

Kaum ein Thema bewegt die öffentliche Debatte derzeit so sehr wie die Diskussion um Höhe und Angemessenheit der Vergütung von Vorständen und Aufsichtsräten. Besonders emotional wird die Debatte immer dann, wenn echte oder vermeintliche Exzesse hochrangiger Manager bekannt werden. So wurde beispielsweise die Vergütung des VW-Vorstands Martin Winterkorn für das Jahr 2011, in Höhe von rund 17 Millionen Euro, von nicht wenigen als unangemessen empfunden.

Vor diesem Hintergrund ist zuletzt ein bemerkenswerter Aspekt in die Debatte eingeführt worden: Mehr und mehr Aufsichtsräte plädieren für eine (freiwillige) Begrenzung der Vergütung. Interessant ist dies vor allem aus dem Gesichtspunkt, dass die Aufsichtsräte hinsichtlich der Vorstandsvergütung entscheidungsbefugt sind. Sie können also in den Verhandlungen entsprechend agieren, was bisher aber offensichtlich nur unzureichend getan wurde.

Unbestritten: Variable und an den langfristigen (!) Unternehmenserfolg gekoppelte Vergütungsmodelle für Vorstände und Manager können durchaus sinnvoll und zielführend sein – ihre Deckelung aber ebenso! Ihrem eigenen Anspruch folgend sind die Kontrollgremien also gefordert, im Sinne einer Selbstregulierung tätig zu werden, um gesellschaftspolitisch gefährliche Übertreibungen künftig zu vermeiden.

Jenseits der Diskussion um Managergehälter werden auch die Vergütungsmodelle bei Aufsichtsräten zunehmend kritisch hinterfragt. Jüngstes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der Aufsichtsratsvorsitzende des VW-Konzerns, Ferdinand Piech, der für das Jahr 2011 – zugegeben einem der erfolgreichsten Jahre des Konzerns– Bezüge in Höhe von insgesamt rund 850.000 Euro erhielt, davon allerdings nur rund 18.000 Euro als Fixvergütung.

Unabhängig von der Höhe der Vergütung ist ein hoher variabler Anteil bei der Vergütung von Aufsichtsräten kritisch zu sehen. Aufsichtsräte müssen vor allem eines sein: unabhängig! Das beinhaltet im besten Falle sowohl gedankliche als auch wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte gerät jedoch schnell in Gefahr, wenn Entscheidungen womöglich zugunsten einer kurzfristigen Prämie anstatt im Sinne des Unternehmens getroffen werden. Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) in der aktuellen Fassung vom 26. Mai 2010 formuliert hierzu (noch) eine zwingende Empfehlung: „Die Mitglieder des Aufsichtsrats sollen neben einer festen eine erfolgsorientierte Vergütung erhalten. Die erfolgsorientierte Vergütung sollte auch auf den langfristigen Unternehmenserfolg bezogene Bestandteile enthalten.“

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