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13.03.2012

11:22 Uhr

Gastkommentar

Der programmierte Finanz-Kollaps

VonMarkus C. Kerber, Derk-Jan Eppink

ExklusivMit ihren Finanzspritzen für die Banken überschreitet die EZB ihre Befugnisse, die Krise beendet sie damit nicht. Nur noch der Kollaps des gesamten Euro-Systems kann die anhaltende fiskalpolitische Unvernunft beenden.

Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. dapd

Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat die EZB den Banken ein langfristiges Refinanzierungsgeschäft zu Geldmarktkonditionen angeboten. Im Rahmen der Vollzuteilung wurden am 29. Februar 2012  nahezu 530 Milliarden Euro an insgesamt 800 Banken – also 277 mehr als bei der ersten Zuteilung am 8. Dezember 2011 – zugeteilt. Ein großer Teil der bietenden Banken kommt aus problembehafteten, aktuellen oder potentiellen Finanznotstandsländern. 

Schon im Vorlauf zu diesem Dreijahrestender war darauf hingewiesen worden, wie die Banken, insbesondere in Problemländern mit diesen Finanzspritzen zu Sonderkonditionen umgehen. Spanische Banken hatten innerhalb kürzester Zeit – in einem Monat – ihren Bestand an Staatsanleihen um 23,1 Milliarden Euro auf 229,6 Milliarden erhöht. Über das Engagement französischer Banken und französischen Staatsanleihen liegen bislang keine verlässlichen Angaben vor, obwohl im Händlerjargon seit dem ersten langfristigen Refinanzierungsgeschäft im Dezember 2011 sich die Bezeichnung „Sarkotrade“ eingebürgert hat.

Der Wirtschaftsjurist Markus C. Kerber. dapd

Der Wirtschaftsjurist Markus C. Kerber.

Ob auch mit dem zweiten Tender die Banken vor allen Dingen Staatsanleihen in ihr Portfolio nehmen werden, wird unterschiedlich beurteilt. Nach einer Analyse der Commerzbank vom 29.2.2012 wird die Ansicht vertreten, dass die Banken die abgerufenen Gelder im Wesentlichen für die Ablösung bereits eingegangener Engagements bei der Zentralbank werden nutzen müssen. In demselben Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Liquidität, die die EZB zur Verfügung stellt und zwar in Höhe von 1,2 Billionen Euro dreimal so hoch sei wie der theoretische Liquiditätsbedarf des europäischen Bankensystems.

Obwohl die Gesamtzunahme der Zentralbankgelder aufgrund der 530-Milliarden-Euro-Zuteilung nur 311 Milliarden beträgt, weil drei parallele Refinanzierungsgeschäfte in Höhe von 255 Milliarden ausgelaufen sind, dürfte das Refinanzierungsgeschäft der EZB auch bei jenen letzte Zweifel beseitigt haben, die noch der Meinung anhängen, die EZB nähme hier ein geldpolitisches Mandat wahr. Vielmehr ist die EZB zum fiskalpolitischen Scharnier zwischen Finanznotstandsstaaten und ihren Banken geworden.

Kommentare (13)

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13.03.2012, 13:12 Uhr

Sehr aufschlussreich. Bestätigt leider nur meine Meinung. Bleibt nur die Frage, wie das Leben nach dem Euro sein wird.

Account gelöscht!

13.03.2012, 13:31 Uhr

Ehrliche, harte Arbeit bei Schwarzbrot und Dauerwurst.
Viel Arbeit auch für die Volksgerichte.

Swiss

13.03.2012, 13:40 Uhr

Es bleibt dabei - die EU braucht dringend Wachstum - sonst wird es zu massiven Kreditausfällen und Kursverlusten an den Bondmärkten für die Staatsanleihen in Spanien und Italien kommen. Dies wäre für die Finanzindustrie der Supergau - es muss 300 Milliarden schweren EU-Wachstumstopf geben.

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