Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2012

21:10 Uhr

Gastkommentar

Der Renter als Ressource

VonDennis J.Snower

Europas wertvolle Ressource sind seine älteren Mitbürger. Doch das wurde bislang zu wenig erkannt. Dabei könnte man so ganz einfach Steuereinnahmen generieren und die Wirtschaftsleistung erhöhen.

Älterer Arbeiter kümmert sich um einen Motor. dpa

Älterer Arbeiter kümmert sich um einen Motor.

Stellen wir uns einen Außerirdischen vor, der an einem grauen Februartag in Brüssel landet. An jeder Straßenecke wird von der Euro-Krise gesprochen - da will der Außerirdische wissen, was es damit auf sich hat.

Ein weiser, alter Mann erklärt sie ihm schließlich: "Die Euro-Zone ist in der Krise, weil die Ausgaben einiger Mitgliedsländer viel höher waren als ihre Einnahmen, wodurch sie Schulden angehäuft haben, deren Rückzahlung von den Gläubigern bezweifelt wird. Griechenland steckt besonders in der Klemme. Die europäischen Regierungen befürchten aber, dass auch andere Länder in Gefahr sind und dass eine Pleite Griechenlands ein Signal für eine Folge von Pleiten wäre."

"Europa", sagt der Weise, "hat aber auch eine wertvolle Ressource, die nicht genutzt wird. Würde man sie einsetzen, könnte man damit mehr Einkommen generieren, die Schulden bezahlen und den Lebensstandard erhöhen. Momentan verhindern aber noch Gesetze aus dem letzten Jahrhundert, dass diese Ressource genutzt wird, und wo es legal ist, sie zu nutzen, fallen hohe Steuern an. Deshalb bleibt diese Ressource weitgehend ungenutzt und verfällt zusehends."

Europas wertvolle Ressource sind seine älteren Mitbürger. Viele dieser Menschen sind bereits im Ruhestand, obwohl sie über wertvolle Fähigkeiten verfügen und diese gerne noch im Arbeitsleben nutzen würden. Würden sie arbeiten, könnten sie die Wirtschaftsleistung erhöhen und damit Steuereinnahmen generieren, die zur Begleichung von Schulden genutzt werden könnten. Empirische Evidenz bestätigt, dass die Beschäftigung älterer Menschen in der Regel nicht die Beschäftigung jüngerer Arbeitnehmer verdrängt; ganz im Gegenteil, es kommt dadurch mehr Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zustande, und dies führt zu mehr Beschäftigungschancen. Viele Rentner würden gerne weiterarbeiten - wenn sie dadurch nicht einen Teil ihrer Rente verlieren würden. Trotzdem halten viele Regierungen weiterhin an einem Renteneintrittsalter fest, das die Menschen für rund ein Viertel ihres Lebens entmutigt zu arbeiten oder in die Schattenwirtschaft drängt.

Das Renteneintrittsalter zu erhöhen ist unpopulär - denn die Menschen gehen davon aus, dass sie für unveränderte Rentenansprüche länger arbeiten sollen. Auch viele Arbeitgeber halten nichts davon, weil sie denken, dass die Menschen mit zunehmendem Alter unproduktiver werden. Regierungen könnten diese Vorurteile als Missverständnisse enttarnen und sie auflösen. Sie müssten ihren Bürgern nur einen "großen Deal" anbieten: Erstens wird niemand gezwungen, länger als bis zum Renteneintrittsalter zu arbeiten - aber es wird erlaubt. Die Menschen sollten die Wahl haben, entweder wie heute zu diesem Alter in Rente zu gehen - oder aber länger zu arbeiten und mehr zu verdienen, ohne dabei auch nur einen Cent ihrer zukünftigen Rentenansprüche zu verlieren.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.02.2012, 21:20 Uhr

Mein Opa soll arbeiten zur Finanzierung 50jähriger Südrentner? NO!!
(Es wird immer doller..)

Markus911

07.02.2012, 21:23 Uhr

Völliger Unsinn !!!!

Rentner und Pensionäre sind froh in der heutigen Zeit nich tmehr aktiv zu arbeiten und ausgebeutet zu werden. Dieser Artikel geht leider an der Realität vöölig vorbei.

Sorry !!

Account gelöscht!

07.02.2012, 21:38 Uhr

Der Artikel mag im Herkunftsland von Herrn Snower zutreffend sein, auf Deutschland bezogen ist er völliger Blödsinn (auf USA bezogen allerdings noch schwachsinniger). Wer bei uns länger arbeiten will, kann dies natürlich tun ohne seine Ansprüche zu verlieren, im Gegenteil, er kriegt netto sogar einiges mehr raus, weil keine Sozialversicherungsbeiträge mehr anfallen.

Mangelnde Kompetenz des Redakteurs oder geht's jetzt in die heiße Zeit des Karnevals?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×