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01.03.2012

09:00 Uhr

Gastkommentar

Der Schattensektor muss durchleuchtet werden

VonOtmar Issing

Otmar Issing, der Leiter der Expertenkommission „Neue Finanzarchitektur“ plädiert dafür, Aufsicht und Regulierung von Banken auf das gesamte Finanzsystem auszudehnen.

Otmar Issing war Direktoriumsmitglied bei der EZB und leitet die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Expertenkommission „Neue Finanzarchitektur“. ap

Otmar Issing war Direktoriumsmitglied bei der EZB und leitet die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Expertenkommission „Neue Finanzarchitektur“.

Jede Regulierung schafft eine Trennungslinie zwischen reguliertem und nicht-reguliertem Bereich. Dies ist auch im Finanzsystem der Fall. Der Ausdruck „Schattenbanken“ ist insofern irreführend, als er eine Art „Untergrundaktivität“ suggeriert. Dem ist nicht so. Dem Schattenbankensystem sind vielmehr alle Akteure beziehungsweise Aktivitäten zuzurechnen, die bankähnliche Funktionen erfüllen, aber nicht der Bankenregulierung unterliegen. Ein wichtiger Akteur sind die vor allem in den USA angesiedelten Geldmarktfonds.

Der Schattenbankensektor erreicht ein beachtliches Volumen, das in einigen Ländern dem des regulierten Bereichs in etwa gleichkommt. Da es sich nicht um illegale, sondern zu einem großen Teil um gesamtwirtschaftlich nützliche Aktivitäten handelt, kann es nicht darum gehen, solche Geschäfte einfach zu verbieten. Auf der anderen Seite gibt es gewichtige Gründe, diesen Sektor in Regulierung und Aufsicht einzubeziehen.

Zum einen besteht der Anreiz, wegen der Auflagen - zum Beispiel für die Eigenkapitalhinterlegung - Geschäfte aus dem regulierten Bereich in das Schattenbankensystem auszulagern. Diese Umgehung der Regulierung wäre folglich mit einem höheren Risiko verbunden.

Zum anderen können wegen der geschäftlichen Verbindungen im Falle von Schwierigkeiten bei Akteuren des nicht-regulierten Bereichs Ansteckungseffekte entstehen, die einzelnen Banken gravierende Probleme bereiten und am Ende das ganze System gefährden. Bei sehr großen Akteuren im Schattenbankensystem könnte sich auch die Frage stellen, ob der Staat im Falle des Konkurses wegen des systemischen Risikos nicht sogar direkt zur Rettung gezwungen wäre.

Aufsicht und Regulierung müssen daher auch das Schattenbankensystem erfassen. Dafür gibt es prinzipiell zwei Ansätze. Der direkte dehnt die Regulierung und Aufsicht auf das ganze Finanzsystem aus. Die Demarkationslinie zwischen reguliertem und nicht-reguliertem Sektor verschwindet. Zu erwarten, dass es dann keine Aktivitäten und Akteure „im Schatten“ mehr gäbe, wäre allerdings naiv. Zu groß wäre der Anreiz, die Restriktionen zu umgehen.

Kommentare (4)

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Geldmonopol_durch_Privatbanken

01.03.2012, 17:12 Uhr

Unser Geldsystem muss durchleuchtet werden!

Weitere Infos finden Sie unter:

www.steuerboykott.org


( Gib mir die Welt plus 5 Prozent )

http://www.youtube.com/watch?v=oXeeabwaV-s

Account gelöscht!

01.03.2012, 17:20 Uhr

wieso nur durchleuchtet? in einer aufgeklärten Zeit, dürfte es sowas wie Schattenwirtschaft garnicht geben!

Account gelöscht!

01.03.2012, 19:51 Uhr

Dann darf man mal gespannt sein was daraus wird

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