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18.10.2012

09:50 Uhr

Gastkommentar

Der Steinbrück-Malus

VonEric Frère

Der SPD-Kanzlerkandidat will die Vermögenden stärker zur Kasse bitten. Doch eine neue Vermögensteuer würde vor allem die Familienunternehmen hart treffen.

Der Autor ist Professor für Betriebswirtschaftslehre. Pressefoto

Der Autor ist Professor für Betriebswirtschaftslehre.

Führende Wirtschaftsinstitute rechnen für 2013 lediglich mit einem Prozent Wachstum in Deutschland. Vor diesem Hintergrund wächst die Nervosität im deutschen Mittelstand. Schuld daran ist die aktuelle Diskussion um deutliche Steuererhöhungen.

Ein Anstieg des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent und insbesondere die Wiedereinführung der Vermögensteuer, wie sie zum Beispiel vom SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gefordert wird, würden sich negativ auf den Mittelstand und damit auf einen Großteil der Familienunternehmen auswirken. Eine neue Vermögensteuer würde unmittelbar die Risikotragfähigkeit und die Kreditwürdigkeit dieser Unternehmen betreffen.

Dreh- und Angelpunkt in diesem Zusammenhang ist die Eigenkapitalquote. Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote der 4400 größten Familienunternehmen 2009 bei 33,5 Prozent.

Untersucht wurden vom BDI Firmen mit jeweils mehr als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Nicht zuletzt darauf beruht die aktuell gute Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen, die sich wegen ihrer hohen Eigenkapitalquote günstig refinanzieren können. Dieses Gut gilt es zu schützen.

Auch wenn in den vergangenen Jahren die Bereitschaft der sogenannten „Vermögenden“ in Deutschland gewachsen ist, sich mittels einer freiwilligen Vermögensteuer stärker an der Finanzierung des Staatshaushalts zu beteiligen, bleibt für Familienunternehmen und kleinere Mittelständler die Gefahr der Substanzbesteuerung.

Einen Lösungsansatz für eine andersartige, weniger bedrohliche Vermögensteuer hat das Deutsche Institut der Wirtschaft (DIW) Berlin berechnet: Ein Vermögensteuersatz von 0,5 Prozent auf Nettovermögen über eine Million Euro würde jährlich sieben Milliarden Euro in die Staatskasse bringen, Kleinunternehmen und kleinere Mittelständler blieben durch einen hohen Freibetrag weitgehend verschont. Mit weiteren Steuern wie der Erbschaftsteuer und der Grundsteuer könnte man sogar zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 15 Milliarden Euro erzielen, ohne größeren wirtschaftlichen Schaden zu verursachen.

Die Hintergründe für eine mögliche Wiedereinführung sind in gewisser Hinsicht nachvollziehbar, wenn man die Debatte über eine gerechtere Lastenverteilung zwischen Arm und Reich im Blick hat. Steuern stellen jedoch immer einen Markteingriff dar, der mit gesamtwirtschaftlichen Folgen verbunden ist.

Kommentare (6)

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investival

18.10.2012, 13:56 Uhr

Steinbrück benimmt sich nicht erst neuerdings in punkto Kapitalbesteuerung wie ein wütiger Elefant im teuren Porzellanladen - verbittert durch das sture Unvermögen, eigene wie parteiseitige Wahrnehmungs- resp. Handlungsdefizite im Vorfeld der Kreditkrise einzugestehen.

Bezeichnend die in Dtld. mittlerweile sehr ausgeprägte Eigenkapitalstigmatisierung im Zuge der panisch-manischen finanziellen Repression. Das wird Fachkräfte sicher motivieren, im Land zu bleiben, und ins Land zu kommen - und natürlich Unternehmen vor Investitionsfreude sprudeln lassen.
Und derweil wird das Gejammere über Riester und Renten immer größer.

Gott bewahre Dtld. vor einer fortgesetzten SPD-Fiskalpolitik.

Account gelöscht!

21.10.2012, 21:03 Uhr

Vermögenssteuer diskriminiert Nichtvermögende!
Ich bin als Lehrer finanziell gut gestellt, aber nicht reich. Natürlich zahle ich nicht gern Steuern, aber es muss sein und was sein muss ... Es entspricht meinem Sinn nach Gerechtigkeit, wenn Reiche eine höhere Steuerlast tragen müssen als Arme. Das ist der Fall, wenn jeder seinen Zehnt, will sagen einen relativ gleichen und damit faktisch einkommensabhängigen Steuerbetrag abführt. Im unrealistischen, aber trotzdem selbstverständliche zu unterstellenden Fall, dass die gemeinsame Kasse des Staates allgemeinen Zwecken wie z. B. der Bildung zugeführt wird, bin ich sogar auch ein bisschen Stolz, dass mein (gerechter, weil relativ gelicher) Beitrag Gutes bewirkt. Ich möchte in dieser Hinsicht nicht geiziger sein, als der Reiche. Es verletzt meine Würde, überproportional weniger bezahlen zu sollen, weil ich dann überproportional weniger zum Allgemeinwohl beitragen darf als die Reichen.
Dass diese Denkweise in unserer Zeit als Don Quichoterie verlacht wird, gibt mir zu denken. Wie verkommen ist die gesellschaftliche vorherrschende Moral, wenn diese Selbstverständlichkeiten so verrückt erscheinen? Und nun zur Vermögenssteuer, ach nein, es ist zum heulen.

uwemuenker

23.10.2012, 13:13 Uhr

Meinetwegen kann die Vermögensteuer wieder eingeführt werden, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Beamten die Kapitalwerte ihrer geschenkten Pensionsansprüche der Vermögensbesteuerung unterwerfen. Denn die Millionäre sitzen in den Amtsstuben. Dann erfahren sie mal was eine Substanzbesteurung bedeutet.

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