Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

21:49 Uhr

Gastkommentar

Der Westen muss seine Ohnmacht brechen

VonKurt Volker

Zu lange hat die westliche Welt dem Treiben autoritärer Regime im Mittleren Osten tatenlos zugesehen, schreibt der frühere Nato-Botschafter der USA, Kurt Volker. Mit mehr Engagement könne auch der Iran gebändigt werden.

Wir bewundern Errungenschaften des arabischen Frühlings, aber wir sollten uns nicht täuschen lassen. In der Realität sieht es ziemlich düster aus. Es gibt das Risiko, dass Islamisten an die Macht gelangen; die Militärs trachten danach, ihre Dominanz zu bewahren; alte Sicherheitsstrukturen lösen sich auf; das Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten könnte zerbrechen; tiefsitzende Konflikte zwischen Arabern und Juden, zwischen Sunniten und Schiiten beschwören neue Gefahren herauf.

Nur über eine Tatsache können wir sicher sein: Die alte Ordnung im Mittleren Osten, wo einst autoritäre Regime ihre Macht durch die politische, religiöse und wirtschaftliche Unterdrückung der Bevölkerung sicherten, ist Geschichte und kehrt nie wieder zurück. Die Menschen in der Region fordern den Wandel, und sie erhalten ihn - auf dem einen oder anderen Weg.

Kurt Volker ist ehemaliger US-Botschafter bei der Nato. Getty Images

Kurt Volker ist ehemaliger US-Botschafter bei der Nato.

Der Westen hat sich bislang an die Vergangenheit geklammert. Aus lauter Angst vor dem Wandel sind wir erstarrt. Aber wenn denn der Wandel unausweichlich ist, werden wir uns mit den Folgen auseinandersetzen müssen. Die politischen Kosten werden umso höher ausfallen, je länger wir als Heuchler betrachtet werden, die sich gegen das Begehren der Menschen auflehnen: den Mund voller Bekenntnisse zur Demokratie, während wir nichts gegen jene unternehmen, die sie gewaltsam unterdrücken.

Bis jetzt haben wir die alten Regime de facto durch Inaktivität gestützt, lange nachdem ihre Handlungsweise durch nichts mehr zu rechtfertigen war. Wir unternehmen nichts, obwohl diese Regime ihre eigene Bevölkerung morden. Mehr noch, wir haben das Spielfeld für jene geöffnet, die ihre eigene Agenda in der arabischen Welt umsetzen wollen: islamische Extremisten, Iran, Überbleibsel der Militärherrschaften, sogar Russland.

Wir scheuen zwar die Kosten des Wandels, die aber werden unweigerlich höher ausfallen, wenn dies die Akteure sind, die der Entwicklung ihren Stempel aufdrücken. Wir müssen endlich erkennen, dass unsere Sicherheit auf sehr tönernen Füßen ruht, wenn wir sie weiter an die alte Ordnung knüpfen. Wir sollten Alternativen in Betracht ziehen, bevor es zu spät ist. Dafür müssen wir komplett umdenken. Wir müssen herausfinden, wohin sich die Region bewegt und wo die Interessen der USA und des Westens wirklich liegen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wutbuerger

31.05.2012, 22:12 Uhr

Wegtreten.

Account gelöscht!

31.05.2012, 22:13 Uhr

das letzte was der nahe osten braucht ist ein "engagment" (neusprech für krieg?)

auch der restliche kommentar ist irgendwas zwischen nicht gelungen und glatt gelogen. wir haben also die alten regime durch "untätigkeit" gestützt da muss man doch schon beim lesen schmunzeln und wenn wir von der iranischen bedrohung sprechen, marschieren wir dann auch in israel, saudi arabien und bharain ein, da stehts auch schlecht um die menschenrechte, das ist doch so albern was einem hier verkauft wird.

Thomas-Melber-Stuttgart

31.05.2012, 22:42 Uhr

Autoritäre Regime (Regierungen) am Arabischen Golf? Da fallen mir neben dem Iran - der vergleichsweise moderat und demokratisch ist - noch andere ein, mit denen die USA allerdings sehr gut Freund sind.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×