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09.08.2012

13:35 Uhr

Gastkommentar

Der Westen steckt in einem schrecklichen Dilemma

VonJosef Joffe

Im syrischen Bürgerkrieg müsste der Westen mit Despoten und Terroristen kämpfen - ein Grund mehr gegen den Krieg. Wenn Europa immer mehr abrüstet, ist die Nato ohne die USA machtlos.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“.

Das Morden in Syrien geht weiter, das Händeringen auch. Kofi Annan gibt auf, der Sicherheitsrat bleibt blockiert. „So tut doch endlich etwas!“ schreit die gequälte Seele. Doch der kühle Kopf muss Fragen stellen, die sich nicht allein mit Pflicht und Moral beschäftigen.

1. Wer soll etwas tun? Die Nato, natürlich. Aber das scheinbar mächtigste Bündnis der Welt hat in Libyen gezeigt, dass es nicht das Zeug dazu hat, jedenfalls nicht ohne Amerika. Europa rüstet seit bald zwei Jahrzehnten ab. Es fehlen die Projektionskräfte - Flugzeuge, Tanker, Schiffe. Auch die Bomben, die Amerika in Libyen zusammen mit der Schlachtfeld- und Satellitenaufklärung zuschießen musste.

Die Deutschen wären die Letzten, die in einen syrischen Krieg ziehen würden. In Serbien wollten sie nicht einmal die Awacs bemannen, der Intervention in Libyen haben sie selbst das Ja im Uno-Sicherheitsrat verweigert. Pazifisten geben keine Ordnungsmacht her, schon gar nicht seit dem gescheiterten Einsatz in Afghanistan.

2. Was sollen wir tun? Libyen und Serbien waren Kriege, wie der Westen sie schätzt. Aus der Luft, ohne Risiko für Leib und Leben. Mit „chirurgischer Präzision“, wie es im Jargon heiß. Und trotzdem hat es in Libyen sechs Monate gedauert, in Serbien (1999) fast drei. Aber diese Operationen waren ein Kinderspiel im Vergleich zu Syrien. In Serbien musste bloß die Infrastruktur niedergebombt werden, in Libyen das ältliche Potenzial des Diktators.

Diese „billige“ Lösung gibt es in der Levante nicht; der Kampf findet in den Städten statt. Wen träfen wir, wenn wir aus 3000 Metern zuschlügen? Unsere Schützlinge genauso wie die Soldateska. Folglich stünden Bodentruppen auf dem Programm - viele und überall, von Aleppo bis Damaskus.

Und schweres Gerät, das die Eingreifer gegen Assads Panzerarmeen schützt, die selbst die Israelis 1967 und 1973 beeindruckten. Es wäre ein richtiger Krieg, der „Eskalationsdominanz“ erfordert: Verdoppelst du den Einsatz, verdreifachen wir ihn.

Kommentare (8)

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1-Weltordnung

09.08.2012, 13:51 Uhr

Wenn Deutschland vernünftig ist, lassen sie sich nicht wieder vor dem Karren der Israelis / Amis spannen.

Eigentlich sollte es ausreichen, dass deutsche Soldaten für eine sichere Drogenversorgung in Afganistan sterben und verstümmelt werden.

In Syrien kämpfen CIA/ Mossad Terroristen gegen den Staat.

Es sollte ausreichen, dass wir den Israelis schon Uboote schenken müssen. Aber dass dt. Soldaten für israelische Interessen sterben müssen, wäre unverantwortlich.



Account gelöscht!

09.08.2012, 14:09 Uhr

"Der Westen steckt in einem schrecklichen Dilemma"

Vor allem in einem selbstgestrickten Dilemma.
Nach dem Ende des osmanischen Reiches wurden von den europäischen Siegermächten Claims (Sykes–Picot Agreement) abgesteckt und Staaten gegründet, welche nicht mit der vorhandenen Siedlungsstruktur der lokalen Völker übereinstimmte.

Aus dem französischem Claim wurden Syrien und Libanon, aus dem britischen Jordanien, Irak und Palestina.

Diese künstlichen Staatsstrukturen sind so fragil, das sie nur mit Unterdrückung und ausländischer Unterstützung funktionieren.

Assad ist ruchlos genug um sein eigenes Volk abzuschlachten. Er wird erst dann stürzen, wenn seine Unterstützer in Moskau und Iran den Stecker ziehen. Ein neuer Machthaber wird Syrien aber genauso brutal regieren müssen wie Assad, es sei denn man akzeptiert den natürlichen Zerfall Syriens.

Das sollte uns allen in Europa eine Warnung sein nicht mit den Völkern und Nationen Europas zu spielen und keinen Brüsseler Superstaat anzustreben.

Sonst steht uns irgendwann dasselbe wie in Syrien ins Haus.

NWO

09.08.2012, 14:22 Uhr

---@ whoknows

Nun glauben Sie doch nicht jeden Mist.

Der Ami's / Juden bestimmen schon heute, was bei uns gemacht wird. Warum sollte uns denn das ins Haus stehen, was die Amis gerade in Syrien wieder anstellen ?

Aber Ihrem Text entnehme ich, dass sie voll in die Falle der Maistream Medien gelaufen sind.

Träumen sie ruhig weiter,

süß
voll süß

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