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27.12.2011

00:00 Uhr

Gastkommentar

Der Zar Putin verliert seine Autorität

VonNina Khrushcheva

Wenn ein Zar mit Spott behandelt wird, ist es für ihn an der Zeit, an Rückzug zu denken oder sich auf einen Coup vorzubereiten. Der russische Premierminister Wladimir Putin, der für die Wahlen im nächsten März eine glorreiche Rückkehr in den Kreml plant, sollte sich diese Optionen gut überlegen.

Die Autorin ist Professorin an The New School in New York und Buchautorin. Pressefoto

Die Autorin ist Professorin an The New School in New York und Buchautorin.

Dieses Jahr begann mit einer (nach russischen Maßstäben) energischen Internet-Petition, die Putin aufforderte, die erste Alternative zu wählen. Dann lachte das ganze Land, als er bei seinem üblichen Besuch im patriotischen Sommerlager von Nashi (einer linientreuen Jugendbewegung) seine Körperkraft zur Schau stellte, indem er eine Kletterwand bezwang, nur um dann einsehen zu müssen, dass er nicht mehr herunterkam. Jetzt fragen sich die Russen, was mit dem Gesicht ihres Premiers passiert ist. Sein neues, faltenfreies Erscheinen führte zu Spekulationen, ob er sich mit Botox habe behandeln lassen oder einer Schönheitsoperation unterzogen habe. Überall erzählt man sich Vampirwitze.

Vor kurzem barg Putin während eines Tauchgangs im südrussischen Krasnodar wundersamerweise zwei altgriechische Urnen. Das russische Gelächter nahm homerische Züge an, als Putins Sprecher die rätselhafte Erklärung abgab, die Urnen seien absichtlich dort abgelegt worden, um Putin ein Gefühl der Bedeutsamkeit zu geben.

Wenn ich die Inkompetenz des russischen Staates nicht als gegeben ansähe, würde ich eine Verschwörung vermuten. Denn über eines kann es keinen Zweifel geben: Putin wurde diskreditiert. Vor kurzem ging der Judo-Enthusiast Putin nach einem Kampf zwischen einem Amerikaner und einem Russen in den Ring, um den russischen Sieger zu beglückwünschen. Das Publikum skandierte wild „Putin, geh nach Hause!“, bis er genau das tat.

Putin glaubt, seine Auftritte seien wichtig, um zu regieren. Er hat Delfine und Babys geküsst, Tiger und Journalisten gerettet und barbrüstig zu Pferde und zu Fuß in der sibirischen Wüste posiert. Aber wegen des Judo-Fiaskos in Verlegenheit geraten, sagte er alle improvisierten Erscheinungen bis auf Weiteres ab.

Kommentare (1)

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MIRO

29.12.2011, 13:03 Uhr

Wenn man sich zu Gemüte führt, dass sich in der Putinpartei ja mehrheitlich
die ehemaligen Parteiaparatschicks der Sowietunion befinden
darf man sich über das Verhalten dieser Leute nicht wundern.
Diese Leute haben es geschafft, unter dem Deckmantel einer Pseudodemokratie Russland auszuplündern. Putin voran.
Wer glaubt, dass Putin ein ehemaliger KGB Oberst sich zu einem Demokraten entwickelt hätte der muss schon sehr naiv sein.Auch dem ehemaligen Kanzler Schröder hätte dies bewusst sein müssen. Aber diese beiden verstehen sich ja nur allzugut.Auch Schröder hat sich als parasit präsentiert.
Deshalb, Respekt für die russische Bevölkerung die jetzt
aufgewacht ist und sich politisch emanzipiert.Diese Leute zu unterstützen, sollte das Anliegen der deutschen Politik sein. Aber, wie schon immer wird sich Berlin wieder vom Acker machen und die Augen verschliessen.

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