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12.07.2012

12:19 Uhr

Gastkommentar

„Deutschland gilt als kaltherzig und intolerant“

VonHeinrich Alt

Fachkräfte sind weltweit heiß begehrt. Deutschland gilt bei diesem Wettbewerb längst nicht mehr als erste Wahl. Das muss sich ändern, sonst sind die Folgen fatal.

Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit: Die Willkommenskultur in Deutschland muss sich ändern. dpa

Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit: Die Willkommenskultur in Deutschland muss sich ändern.

DüsseldorfDeutschland erliegt der Illusion, ein Mekka für ausländische Fachkräfte zu sein. Dass dem nicht so ist, wissen wir spätestens seit der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Mit weit geöffneten Armen warteten wir auf die gut ausgebildeten jungen Menschen aus den Nachbarländern. Die Realität war ernüchternd. Vielleicht hätten wir über Facebook einladen sollen. Deutschland steht im internationalen Wettbewerb um kluge Köpfe und verliert dabei Boden.

Seit der Jahrtausendwende verlassen mehr Menschen das Land, als hierher zuwandern. Aktuell beobachten wir zwar einen Anstieg der Zuwanderung, dieser dürfte aber aufgrund der Finanzkrise eher der Not gehorchend und nicht von einem tiefen inneren Wunsch getrieben sein. Migration ist wie ein Stimmungsbarometer. Attraktive Länder haben Einwanderer, weniger attraktive haben Auswanderer. Deutschland wird im Ausland immer noch als kaltherzig, bürokratisch oder intolerant wahrgenommen. Diejenigen, die Deutschland verlassen, sagen, es fehle ihnen an "Heimatgefühl". Tatsächliche oder gefühlte Ausgrenzung treibt sie aus dem Land.

Für die deutsche Wirtschaft ist die Situation fatal. Ohne qualifizierte Zuwanderung ist der Standort Deutschland in Gefahr. Nun haben wir in Deutschland keinen Erkenntnismangel, wohl aber ein Umsetzungsdefizit. Fest steht, wir brauchen eine Mentalitätsveränderung. Ein neues Leitbild, das alle Lebensbereiche durchdringt und Deutschland als offene und aufnahmebereite Gesellschaft ausweist. Weg von der Unkultur des Anwerbestopps, hin zur Einladung nach Deutschland. Wie kann Zuwanderung und Integration gelingen, ohne Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit zu wiederholen?

Sicherlich hat sich bereits viel bewegt, denkt man an die "Blue Card" oder das Anerkennungsgesetz. Wobei Letzteres in Gefahr gerät, in sechzehn Einzelregelungen zu zerfallen. Wir tragen die Mauern nur ein wenig ab, wir reißen sie nicht ein. Zuwanderung muss ein 100-Meter-Sprint und nicht ein Drei-Kilometer-Hindernislauf sein. Es gibt viele - auch kurzfristig umsetzbare - Maßnahmen, die dazu beitragen können.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

12.07.2012, 12:39 Uhr

Man muss nur in dem Forum lesen. Was sich hier teilweise outet ist gelinde gesagt erschreckend. Stammtisch Vorurteile gegenüber Südländern und asoziale chauvinistisch nationale Töne mit Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Der hässliche Deutsche ist mit Sarrazin wieder aus der Box gesprungen.

Hajoe

12.07.2012, 12:42 Uhr

Die Mär vom "Fachkräftemangel".
Den gibt es nur nämlich nur punktuell, nicht generell.
Es geht immer nur um Lohndrückerei.
Warum so viele das Land verlassen und nur wenige wenige bleiben wollen?
Schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen!

Account gelöscht!

12.07.2012, 12:45 Uhr

Toleranter als wir ist kaum ein anderes Land. Welches Land hat schon einen homosexuellen Außenminister?

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