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21.03.2012

20:59 Uhr

Gastkommentar

Deutschland hat zu viel Angst

VonLorenzo Bini Smaghi

Die Bilanz der Europäischen Zentralbank macht den Deutschen große Sorgen. Lorenzo Bini Smaghi hält die Risiken allerdings für beherrschbar. Dafür muss vor allem der Geldmarkt wiederbelebt werden.

Lorenzo Bini Smaghi ist Gastprofessor in Harvard und war Mitglied des EZB-Direktoriums. Reuters

Lorenzo Bini Smaghi ist Gastprofessor in Harvard und war Mitglied des EZB-Direktoriums.

FrankfurtDie Deutschen machen sich Sorgen um die Zukunft des Euros. Sie sehen vor allem das exponentielle Wachstum der Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) und fürchten, dass sie als größte Anteilseigner den höchsten Preis zahlen müssen, wenn etwas schiefgeht. Doch trotz aller Risiken, die durchaus beachtet werden müssen, darf man auch nicht die Sicherungsmechanismen übersehen.

Schauen wir also die verschiedenen Risiken für die Bilanz des Euro-Systems an. Das größte Risiko stellen die Banken der Euro-Zone dar. Wenn eine von ihnen zusammenbricht und die Sicherheiten für ihre Kredite zu stark an Wert verloren haben, reißt das ein Loch in die EZB-Bilanz. Das ist seit dem Start des Euros noch nie passiert – mit einer Ausnahme: Als am 15. September 2008 Lehman Brothers zusammenbrach und die deutsche Finanzaufsicht „vergaß“, die deutsche Tochter zu schützen. Damals waren die Sicherheiten bei der Bundesbank nicht ausreichend. Die Verluste mussten mit allen anderen Zentralbanken – also den Steuerzahlern der anderen Länder – geteilt werden.

Am besten verhindert man das, indem die Finanzaufsicht substanziell gestärkt und so eng wie möglich an die EZB gebunden wird. Das würde für gleichmäßige Bedingungen sorgen und dem Euro-System ermöglichen, gezielt die Banken zu finanzieren, die es wirklich für überlebensfähig hält, statt auf das Urteil der nationalen Aufseher angewiesen zu sein. Aber gerade die deutsche Regierung wollte die nationale Finanzaufsicht, die Bafin, unter ihrer Kontrolle behalten, statt sie unabhängig agieren zu lassen, wie es den internationalen Standards entspricht, die das Baseler Komitee aufgestellt hat.

Ein weiteres Risiko entsteht, wenn die Sicherheiten nicht gut genug sind. Die Sicherheiten werden kontinuierlich bewertet und mit einem Abschlag hereingenommen. Wenn die Märkte fallen, muss die Zentralbank also mehr Sicherheiten verlangen. Zu einem Verlust kommt es dann nur, wenn im Schadensfall die Sicherheiten trotz Abschlag nicht ausreichen. Die Liste möglicher Sicherheiten wurde kürzlich ausgeweitet. Sie umfasst jetzt auch einzelne Bankkredite, allerdings mit einem höheren Abschlag. Das folgt der alten deutschen Tradition, dass private Wertpapiere bei der Refinanzierung des Bankensystems gegenüber Staatsanleihen nicht benachteiligt werden sollten. Und hier gilt auch: Wenn man Klarheit über den Wert der Sicherheiten bekommen will, sollte die EZB möglichst tief in die Finanzaufsicht eingeschaltet werden.

Kommentare (33)

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21.03.2012, 21:23 Uhr

Die EZB ist Teil des Problems und so lange das Stimmengewichtung im EZB-Rat nicht die Finanzkraft der jeweiligen Staaten widerspiegelt, wird sich daran nichts ändern.

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21.03.2012, 21:41 Uhr

Dankeschön Handelsblatt für die veröffentlichung, aber ich bin mir nicht sicher, obs morgen ebenfalls gezeigt wird..

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21.03.2012, 22:01 Uhr

Ja, was warum denn? Wollen die Iren etwa wieder ihre Schulden nicht abtragen sondern lieber abschreiben?

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