Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2012

11:53 Uhr

Gastkommentar

Die Währungsunion ist zum Scheitern verurteilt

VonNorman Lamont

Der ehemalige britische Schatzkanzler Norman Lamont gibt der Euro-Zone keine Überlebenschance, weil er viele Mitglieder für nicht wettbewerbsfähig hält. Schon 1992 hielt er die Währungsunion für ein unmögliches Projekt.

Der Autor war von 1990 bis 1993 britischer Schatzkanzler. Mart Klein für Handelsblatt

Der Autor war von 1990 bis 1993 britischer Schatzkanzler.

Als britischer Verhandlungsführer für den Maastricht-Vertrag hielt ich die Währungsunion bereits 1992 für ein unmögliches Projekt. Erstens, weil Europa kein optimaler Währungsraum ist. Die Flexibilität der Arbeitsmärkte reicht dafür nicht aus.

Zweitens, weil ein einheitlicher Leitzins den unterschiedlichen monetären Bedürfnissen und Immobilienmärkten in den einzelnen Mitgliedstaaten nicht gerecht werden kann. Drittens, weil wir die Möglichkeit von notwendigen Wechselkursanpassungen aufgeben würden. Und last, but not least: weil ich der Überzeugung bin, dass eine Währungsunion nur mit einer Fiskalunion funktionieren kann. Diese wiederum verträgt sich nur schwer mit der parlamentarischen Demokratie.

Aus diesen Gründen hat sich Großbritannien damals gegen den Beitritt zum Euro entschieden. Dennoch sind wir von den Ereignissen in der Euro-Zone stark betroffen. Ich kann mich noch gut an die deutsche Position in den Maastricht-Verhandlungen erinnern. Zunächst forderten die Deutschen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem Vorbild der Bundesbank gestaltet werden und nur der Preisstabilität verpflichtet sein sollte. Darüber hinaus beharrte Deutschland auf der „Nichtbeistandsklausel“.

Dieses Verbot, für die Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten zu haften, erklärt für mich, warum Deutschland in der Euro-Krise aus Sicht seiner Kritiker immer nur das Minimum getan hat. Auch wenn das für den deutschen Steuerzahler anders aussieht.

Griechenland

Der Schuldenschnitt - konstruktiv oder Katastrophe?

Griechenland: Der Schuldenschnitt - konstruktiv oder Katastrophe?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die Kritiker halten den Rettungsschirm EFSF nicht nur für zu klein. Sie bemängeln auch, dass eine einseitige Sparpolitik die Situation wie in Griechenland noch verschlechtert hat. Der italienische Ministerpräsident Monti hat deshalb bereits vor sozialen Protesten gewarnt. Kanzlerin Merkel glaubt, dass die Krise noch Jahre andauern kann.

Je länger sie dauert, desto größer ist die Gefahr, dass ein großes Finanzhaus in Konkurs gehen könnte. Das wiederum hätte ernsthafte Konsequenzen für die Währungsunion.

Ich habe viel Sympathie für die deutsche Ablehnung von Euro-Bonds. Diese Gemeinschaftsanleihen wären keine Lösung. Vielmehr hat die Konvergenz der Anleihezinsen erst zu der Schuldenkrise geführt. Der Markt konnte seine Signalfunktion nicht erfüllen.

Kommentare (22)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.02.2012, 11:59 Uhr

Endlich ein Artikel der die Wahrheit schreibt - danke!! Hoffentlich ist der nicht das Ende sondern der Anfang.

Gast

08.02.2012, 12:07 Uhr

Wie kann man einen Briten um seine Meinung fragen?

Profit

08.02.2012, 12:09 Uhr

100% einverstanden! Wann gibt es endlich seriösen, kritischen Journalismus in Bezug auf die "Europa- bzw. Euro-Politik" in Deutschland? Der Euro ist schlicht eine Versager-Währung zu Lasten der deutschen Bürger und zum Schaden der Demokratie! Die einseitigen Haupt-Nutznießer: Ineffiziente Nehmerländer wie Griechenland und gefräßige EU-Bürokraten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×