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02.07.2012

17:02 Uhr

Gastkommentar

Die Zurückhaltung der Notenbanker

VonDavid Marsh

EZB-Chef Mario Draghi und Bundesbank-Vorstand Jens Weidmann zeigen, dass man derzeit mit Zurückhaltung weiterkommt und so in der Politik am meisten bewegt.

EZB-Chef Mario Draghi (links) und Bundesbanker Jens Weidmann. Reuters

EZB-Chef Mario Draghi (links) und Bundesbanker Jens Weidmann.

Wie artige Kinder im Zeitalter von Königin Viktoria sollten Notenbanker gesehen, aber nicht gehört werden - zumindest nicht in der breiten Öffentlichkeit. An diesen Grundsatz hält sich Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt Diskretion, hält sich bei öffentlichen Vorträgen im Gegensatz zu Jean-Claude Trichet deutlich zurück. Die EZB-Website führt im ersten Halbjahr 2012 nur zwölf Ansprachen und Interviews von Draghi auf. Zwei Drittel weniger als sein Vorgänger in der gleichen Vorjahresperiode.

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF. Pablo Castagnola

David Marsh ist Co-Chairman von OMFIF.

Erst recht bei den schicksalsträchtigen Manövern um die Währungsunion ist Reden Silber, Schweigen Gold. Damit macht sich Draghi zum Verfechter eines neuen Stils, der auch in anderen Teilen Europas und der Welt sichtbar wird. Angesichts der hohen Komplexität der Finanzkrise verabschieden sich Notenbanken von der puren, übertriebenen Unabhängigkeit wie bei der alten Bundesbank, üben sich gegenüber der Politik in Komplementarität statt Konkurrenz. Denn die Umstände verlangen, dass man an einem Strang zieht.

In der Einsicht, dass sich bei den Hilfeaktionen der letzten Jahre fast alle Zentralbanken maßlos übernommen haben und dadurch eine Beschneidung ihrer Macht riskieren, forciert Draghi leise, aber dezidiert eine Arbeitsteilung mit den Regierungen: "Cäsar geben, was Cäsar gehört."

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Die EZB könnte bald die Aufsicht für die Banken der Euro-Zone übernehmen.

Im Klartext: Für die festgefahrene Situation im Euro-Raum sind primär die Politiker verantwortlich, auch wenn die Euro-Notenbanker selbst, besonders in den Vorkrisenjahren 2006 und 2007, nicht auf die wachsenden Zahlungsbilanz- und Kreditungleichgewichte geachtet hatten.

Kommentare (1)

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02.07.2012, 18:28 Uhr

Man muss auch gönnen können. Die Banker haben Brillanz und Geschick bewiesen.

Jetzt noch die Zahlungswege (z.B. die Steuern direkt an die Bank überweisen) und die Finanzinfrastruktur optimieren und fertig. Die Abgeordneten werden durch Kleinkünstler und Kabarettisten ersetzt, dann haben wir wenigstens was zu lachen.



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