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11.11.2013

16:08 Uhr

Gastkommentar

Die zweite Dot.com-Blase

VonAndreas Feiden

Die Twitter-Party an den Börsen könnte bald wieder vorbei sein. Die Übertreibung beim Kurs erinnert an den Dotcom-Crash zur Jahrtausendwende. Warum Anleger immer wieder auf „Hoffnungswerte“ reinfallen.

Wall Street bei Nacht: Die Twitter-Aktie verführt Anlegern zu den kühnsten Träumen. ap

Wall Street bei Nacht: Die Twitter-Aktie verführt Anlegern zu den kühnsten Träumen.

Die nächste Börsenkrise schlägt dann zu, wenn alle, die sich an die letzte erinnern können, in Rente sind. Demnach hätte es eigentlich länger als 13 Jahre dauern müssen, bis sich die zweite Dot.com-Blase andeutet. Aber nach dem Börsengang von Twitter beschleicht mich ein Déjà-vu.

An den haarsträubenden Unsinn über Besucherzahlen und Clicks auf Websites und all die anderen abgefahrenen „Kennzahlen“, die sich Investmentbanker 1999 ausdachten, kann ich mich noch gut erinnern. Es hatte immer jemand eine Begründung für völlig absurde Bewertungen verlustträchtiger Unternehmen parat.

Unter den Kommentaren zum Höhenflug der Twitter-Aktie am ersten Handelstag war mein Favorit: „Die Leute verstehen zwar nicht genau, wie Twitter Geld verdienen soll. Aber dafür verstehen sie das Produkt. Sie nutzen es ständig und finden es aufregend. Sie wollen deshalb unbedingt Teil der Story sein.“

Andreas Feiden ist Leiter Privatanlegergeschäft der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment.

Andreas Feiden ist Leiter Privatanlegergeschäft der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment.

Ich bin zwar noch nicht alt genug, um mich an die Südseeblase von 1720 zu erinnern. Aber in der Kurzfassung begeisterten sich Investoren damals für „eine Unternehmung von großem Nutzen, den aber (noch) keiner kennt“.
Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht. Mary Jo White, Chefin der US-Börsenaufsicht, brachte es auf den Punkt: „Es fällt schwer, nicht zu glauben, dass sich diese fantastisch hohen [Nutzer] Zahlen nicht früher oder später in satte Gewinne ummünzen lassen. Aber der Zusammenhang ist nicht zwingend.“

Entscheidend für den Erfolg einer Investition ist der Preis, den man beim Kauf zahlt. Danach zu urteilen haben alle, die die Twitter-Aktie bei unweit von 50 US-Dollar, also fast dem Doppelten des Emissionspreises von 26 US-Dollar, gekauft haben, dem Unternehmen einen enormen Vertrauensvorschuss gegeben.

Schon die Annahmen, die dem niedrigeren der beiden Kurse zugrunde liegen, sind atemberaubend. Damit sie eintreffen, bräuchte es beispielsweise ein Umsatzwachstum von etwa 50 Prozent pro Jahr in den nächsten fünf Jahren.

Kommentare (1)

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12.11.2013, 11:08 Uhr

wird kommen, da die Niedrigzinspolitik des Herrn Draghi die Leute weg vom Sparkonto hin zu Aktien treiben soll.

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