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09.03.2012

15:31 Uhr

Gastkommentar

Effizient in die Zukunft

VonErnst Ulrich von Weizsäcker

Nach dem Beschluss zum deutschen Atomausstieg schaut die Welt gespannt auf das Großexperiment in Deutschland. Soll die Mission Energiewende gelingen, müssen wir unsere Konsumgewohnheiten grundlegend ändern.

In Japan redet man vom großen Erdbeben von Ost-Japan. Dieses hat den Tsunami ausgelöst. Und dieser hatte neben anderem schlimme Auswirkungen auf eine Kernkraftanlage. Das Wort Fukushima kommt frühestens im zweiten Satz vor, manchmal gar nicht. Ein bisschen Vertuschung ist auch dabei, weil die Kausalität „draußen“ angesiedelt wird. Aber die Ereignisse im März 2011 haben Japan schwer getroffen. Und man hat fast alle Reaktoren zeitweilig stillgelegt und überprüft sie gründlich auf Sicherheit. Zugleich schaut man in Japan gebannt auf den politischen Tsunami in Deutschland und seine energiepolitischen Sturzwellen.

Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Kopräsident des internationalen Ressourcenpanels des Uno-Umweltprogramms. picture alliance/dpa

Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Kopräsident des internationalen Ressourcenpanels des Uno-Umweltprogramms.

Es war ein politischer Tsunami bei uns. Grün-Rot gewann die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die CDU war tief geschockt. Die Kanzlerin ergriff die kühne Initiative zum beschleunigten Atomausstieg und das, ohne an den klimapolitischen Verpflichtungen zu rütteln, zumindest offiziell. Energiepolitik basierend auf Ethik, nicht auf Strombedarfsprognosen: eine Umkehrung der bis dahin im wirtschaftsnahen Lager gültigen Logik. Und nun schaut das Ausland gespannt, ja gebannt auf Deutschland. Wenn Deutschland das schafft, kippt weltweit die energiepolitische Geometrie. Und dann widerlegen wir damit auch die in deutschen Kohlekreisen geläufige Entschuldigung, unser Beitrag zur Klimabelastung sei marginal.

Deutschland steht ungeplant im Scheinwerferlicht. Wobei uns die Euro-Krise ohnehin eine absolut ungewollte Zentralrolle zuweist. Umgekehrt: Wenn wir die Euro-Krise und den Atomausstieg stemmen, hat das was Heldenhaftes. Aber Vorsicht mit Übertreibungen. In Wirklichkeit profitieren wir auch von der Gasschwemme, vom Sinkflug der CO2-Lizenzpreise, und vor allem von unserer lange vor „Fukushima“ eindrucksvoll verbesserten Wettbewerbsfähigkeit.

Die energetische Herausforderung ist enorm. Der bisherige Wohlstand ging ja Hand in Hand mit mehr Energieverbrauch. Zwar sinkt die Energieintensität, aber der Gesamtverbrauch nimmt noch zu. Daher richtet sich das Interesse auf Windstrom vom Meer, Sonnendächer, Maisplantagen, Gas- und Dampfturbinen-Kombikraftwerke (GuD) und auf CCS (Carbon Capture Storage), das Vergraben von Kohlendioxid im Untergrund. Und ohne viel Trara gewinnt die klimaschädliche Braunkohle Marktanteile.

So werden wir, das behaupte ich, das Nach-Tsunami-Problem nicht lösen. CCS kommt nicht vom Fleck, unter anderem wegen der abgesackten Preise für CO2-Lizenzen. GuD ist besser als Kohle, aber immer noch eine schwere Klimabelastung. Beim Windstrom fehlen die großen Leitungen; Maisplantagen sind ökologisch scheußlich; und Sonnenstrom teuer und tageszeitlich schwankend.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

09.03.2012, 16:39 Uhr

Auch die Amerikaner haben das Thema Energie-Effizienz entdeckt (auch wenn man das kaum glauben mag).
Amory Lovins, Gründer des Roucky Mountain Institute (RMI) hat dazu auch schon ein lesenswertes Buch verfasst.
Titel: Reinventing Fire: Bold Business Solutions for the New Energy Era

Hier ein Video dazu: http://www.youtube.com/watch?v=2tPvqFeHRmo
(Energie-)Effizienz zahlt sich aus in jeder Hinsicht und ist unabdingbar notwendig.

SteuerKlasseEins

09.03.2012, 18:27 Uhr

Ein planwirtschaftliches "Großexperiment" auf Kosten der unfreiwilligen "Versuchskaninchen", nämlich der Stromkunden. Das wird spannend! Wie teuer muss der Strom werden bis die letzten Industrien auswandern? Wie teuer muss der Strom werden bis die Endverbraucher dagegen demonstrieren? Mann das wird spannend. Weiter so, Frau Merkel!

dyndre53

09.03.2012, 18:57 Uhr

Nur ein Mosaikstein des seit 1945 praktizierten Niederhaltens der deutschen Nation neben EURORettung, finanzielle "Solidarität" für Ausländer im Inland und das Ausland selbst, Israel schreit"Holocaust" und Merkel und Konsorten öffnen MEIN Portemonnaie und bestehlen mich und meine Familie! Wir fördern chinesische Konkurrenz bei der Solartechnologie mit unseren Steuern! Gehts noch! Viele, viele andere Beispiele jetzt und in der Vergangenheit lassen nur EINEN SCHLUß zu! Deutschland hat nun mal bis heute keinen FRIEDENSVERTRAG mit den "Siegermächten" und das, nur das ist der Grund, warum unsere Politcremedelacreme keinen Arsch in der Hose hat, den bankrotten Dollarheinis in Übersee und den 1000 Foot über dem Tempelberg schwebenden Glaubensidioten immer wieder in den Arsch kriechen. Mit meinem Geld wohlgemerkt, welches eigentlich für eine Investition in die Zukunft meiner Kinder besser aufgehoben wäre. Mich plagt eigentlich ständig nur noch grenzenlose Wut über meine eigene Hilflosigkeit und die Ignoranz der breiten Masse von "HartzTV"-Konsumenten gefangen im IPod-Wahn...
Man kann schon ein wenig Angst kriegen..

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