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15.04.2012

10:14 Uhr

Gastkommentar

Ein neues Programm für die Weltbank

VonKlaus F. Zimmermann

Die von vielen Globalisierungskritikern angefeindete Weltbank hat einen harten Reformprozess durchlaufen. Will sie nachhaltiger Motor der wirtschaftlichen Entwicklung sein, muss sie noch zielgenauer aufgestellt werden.

Klaus Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn. PR

Klaus Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn.

DüsseldorfWer wird Mitte April zum neuen Präsidenten der Weltbank mit ihren rund 10 000 Mitarbeitern gewählt? Im Vordergrund sollte nicht die Frage stehen, ob es – wie seit ihren Anfängen 1944 – wieder ein Amerikaner wird. Die Bank und ihre 187 Mitgliedstaaten brauchen vielmehr eine neue Mission. Ihr angestammtes Geschäft, Kredite für Projekte an Entwicklungsländer zu vergeben, überzeugt nicht mehr so richtig. Denn inzwischen können die BRICS-Länder, allen voran China, auf bilateraler Basis Kreditvolumina an Entwicklungsländer in die Hand nehmen, die das finanzielle Vermögen der Weltbank fast in den Schatten stellen.

Die jüngsten Beschlüsse Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas, parallel zur Weltbank eine eigene Entwicklungsbank zu gründen, ihre Kapitalmärkte zu vernetzen, sind eine Kampfansage an das bisherige System. Vor diesem Hintergrund ist das herkömmliche Modell, die Kreditvergabe an eine Reihe makroökonomischer Konditionen zu koppeln, in einer Krise. Entwicklungsländer fühlen sich freier in der Annahme chinesischer Export- und Projektkredite. Da helfen auch die Versuche des Westens kaum, vor den möglichen Problemen einer politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Chinesen zu warnen.

Stattdessen steht die Weltbank vor der Herausforderung, ihr Aufgabenprofil neu zu definieren. Alte Abhängigkeiten lösen sich auf. Die westlichen Wirtschaftsmodelle verlieren an Strahlkraft in dem Maße, wie es die neuen „Aufsteigernationen“ sind, aus denen die größere globale Wachstumsdynamik kommt.

Europa wie Amerika müssen sich also fragen: Was hat der Westen – und implizit die Weltbank – den Entwicklungsländern künftig anzubieten? Welche Rolle können Institutionen wie diese in einer differenzierten Politik der Verständigung und des Ausgleichs der Interessen von Nord und Süd, von Ost und West spielen?

Vorrangig ist die Aufgabe, die richtigen Strategien für die weltweite Armutsbekämpfung zu finden, so wie sie von der Weltbank gemeinsam mit der Uno und weiteren Partnern 2001 als „Millenniumsziele“ verabschiedet wurden. Es geht aber zugleich um eine international verantwortete Ressourcennutzung und um eine faire Teilhabe aller an der wirtschaftlichen wie politischen Macht.

Kommentare (1)

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K.Maschi

15.04.2012, 14:31 Uhr

Die Weltbank als Gutmensch...

nette Geschichte,

aber vllt. doch eher in der Adventszeit, also kurz vor Weihnachten.

Da Ihr auch Lob annehmt, sprachlich finde ich den Artikel gut.

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