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17.06.2012

09:48 Uhr

Gastkommentar

Einen Schutzwall gibt es nicht

VonStephen Roach

Asien hat aus der Krise von 2008 wenig gelernt. Erneut unterschätzen die dortigen Regierungen die möglichen Folgen der europäischen Krise. Wie schon vor Jahren bricht die Nachfrage auf dem Kontinent ein.

Chinesische Mauer: Auch Asiens Wirtschaftswunderland China kann sich vor der Euro-Krise nicht schützen. dpa

Chinesische Mauer: Auch Asiens Wirtschaftswunderland China kann sich vor der Euro-Krise nicht schützen.

DüsseldorfAsiatische Regierungsvertreter waren im Gefolge der Finanzkrise von 2008-2009 verständlicherweise mit sich selbst zufrieden. Zwar verlangsamte sich das Wachstum in der Region stark, wie nicht anders zu erwarten, wenn exportorientierte Volkswirtschaften mit dem stärksten Zusammenbruch des globalen Handels seit den 1930er-Jahren konfrontiert werden. Doch mit Ausnahme Japans ging Asien aus einer außergewöhnlich schwierigen Phase in hervorragendem Zustand hervor.

Das war damals. Nun wird Asien zum zweiten Mal von einem erheblichen Einbruch der Nachfrage erschüttert. Diesmal geht er von Europa aus, wo eine staatliche Schuldenkrise eine milde Rezession in etwas sehr viel Schlimmeres zu verwandeln droht: in einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Und der könnte eine Ansteckung des gesamten Euro-Raums auslösen. Für Asien ist dies ein großes Problem. Seine Verbindungen im Finanzwesen und im Handel machen Asien hochgradig anfällig gegenüber der Malaise in Europa.

Der Autor lehrt an der Yale-Universität. Er ist ehemaliger Chairman von Morgan Stanley Asien. Reuters

Der Autor lehrt an der Yale-Universität. Er ist ehemaliger Chairman von Morgan Stanley Asien.

Man darf die für Asien von einer europäischen Bankenkrise ausgehenden Risiken nicht auf die leichte Schulter nehmen. Da es dort an gut entwickelten Kapitalmärkten fehlt, sind die europäischen Banken als Finanzierungsquelle für Asien besonders wichtig. Tatsächlich schätzt die Asiatische Entwicklungsbank, dass die europäischen Banken rund neun Prozent aller Inlandsdarlehen in den Entwicklungsländern Asiens finanzieren - dreimal so viel wie Banken mit Sitz in den USA. Dies bedeutet, dass Asien durch eine ausländische Bankenkrise viel stärker gefährdet ist als infolge des Zusammenbruchs von Lehman Brothers 2008, der beinahe zu einem Kollaps des US-Bankensystems geführt hätte.

Die handelspolitischen Folgen sind nicht weniger besorgniserregend. Historisch betrachtet waren die USA für das moderne Asien der wichtigste Absatzmarkt. Doch dies scheint sich im Verlaufe des letzten Jahrzehnts geändert zu haben. Ausgehend von Chinas spektakulärem Wachstum, kam es in der Region zu einer Umorientierung vom bisher auf die USA bezogenen zu einem nun auf China ausgerichteten Exportwachstum. Das sah wie eine gute Strategie aus. Die Warenexporte der asiatischen Entwicklungsländer in die USA und Europa fielen 2010 auf 24 Prozent - ein deutlicher Rückgang gegenüber den 34 Prozent der Jahre 1998-1999. Zugleich nahm Asiens Abhängigkeit vom Handel innerhalb der Region im selben Zeitraum stark zu: von 36 Prozent der Exporte in 1998 auf 44 Prozent in 2010.

Kommentare (1)

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Hermann.12

17.06.2012, 13:45 Uhr

Da zeigt sich einmal mehr, das Stabilität immer eine funktinoierende binnennachfage vorausetzt. Alles andere birgt das Risiko unkalkulierbarwer Abhängigkeiten, die nie kontrollierbar sind.
Letztlich ist auch die Exportwirtschaft Deutschlands ein nationales problem, das nur so lange ein Segen ist, wie die Rahmenbedingungen als sicher gelten können.
Das modell aber ist spätetsetens seit dem Mauerfal obsolet, weil sich damit wichtige Kostanten, als variablen entpuppten, die nur durch die starren Fronten des kalten Krieges nicht fluktuierten.
Gelernt haben wir nichts daraus, weil ein Exportjunkie halt viel zu abhängig ist, um der droge zu entsagen.

H.

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