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03.07.2012

19:29 Uhr

Gastkommentar

„Energie braucht den Markt“

VonPeter Terium

Mit dem Solar-Ausbau beeinflusst Deutschland die Strompreise in Europa. Das sollte der Politik ein Zeichen sein, weniger planungswütig zu sein, fordert RWE-Chef Terium. Der Wettbewerb brauche wieder eine Chance.

Die Rettung des Euros beherrscht heute die Debatte in Europa. Das ist notwendig. Gleichzeitig droht darüber die Energiewende zu einem Thema zu werden, das nur innerdeutsch diskutiert wird. Wenn es so bliebe, wäre das fatal. Denn die deutsche Energiewende hat massive Auswirkungen auf unsere Nachbarländer. Und: Sie kann nur gelingen, wenn wir sie als gesamteuropäisches Projekt begreifen.

Schon heute beeinflusst die Photovoltaik in Deutschland die Strompreise in unseren Nachbarländern. Sie kappt Preisspitzen, die für Investitionen in flexible Gaskraftwerke und Speicher notwendig sind. Und das auch in der Schweiz, wo kaum Photovoltaik-Anlagen installiert sind. Polen überdenkt Schutzmaßnahmen vor norddeutschem Windstrom, der das polnische Stromnetz überlastet, wenn er in großen Mengen nach Osten fließt. Europas Strom kennt keine Grenzen mehr. Und gleichzeitig sehen wir 16 deutsche Bundesländer - jedes mit einem eigenen Energiekonzept, viele mit Autarkiezielen für die eigene Versorgung.

Peter Terium ist Chef von RWE. dpa

Peter Terium ist Chef von RWE.

Es ist klar, dass die Energiewende nicht mit Kleinstaaterei gelingen wird. Sie wird nur zusammen mit unseren Nachbarn in Europa gelingen. Das erfordert den Mut zu mehr Koordination und Planung über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das erfordert auch mehr Vertrauen in den Markt. Man kann ein so gewaltiges Projekt nicht bis ins Kleinste vorab planen. Die großen Linien müssen vorgegeben werden. Die Details - in welches Projekt soll wann, wo und wie viel investiert werden? - müssen sich am Markt entscheiden. Dafür haben wir ihn schließlich.

Dazu passt auch kein kurzfristiger Aktionismus. CO2-Preise etwa sollen eine Planungsgrundlage für Energieprojekte bieten, die oft Laufzeiten von 40 Jahren haben. Da sorgt es nur für Unruhe, aber nicht für eine zielführende Steuerung, wenn die Politik mit einem Zeithorizont von 18 Monaten jetzt den CO2-Preis per Verknappung in die Höhe treiben will.

Mehr Vertrauen in den Markt und in Europa sollte auch die Förderung erneuerbarer Energien durchdringen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat sich bewährt, um die erneuerbaren Energien aus einer Nische herauszuführen. Bei einem stetig wachsenden Marktanteil stößt es heute aber an die Grenze Verträglichkeit. Sonne und Wind kosten zwar nichts, aber EEG-Strom ist dennoch relativ teuer. Das spüren die Bürger bei jeder Stromrechnung.

Kommentare (9)

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freak1982

03.07.2012, 19:46 Uhr

"Schon heute beeinflusst die Photovoltaik in Deutschland die Strompreise in unseren Nachbarländern. Sie kappt Preisspitzen, die für Investitionen in flexible Gaskraftwerke und Speicher notwendig sind."

Normalerweise sprechen die Gegner der neuen Energie davon das dieser Strom nicht planbar ist und wertlos. Da frag ich mich was dann diese Aussage soll. Wenn der Strom so Schwankungsanfällig ist, dann müßten doch gerade diese Spitzen wie der Author beschreibt entstehen.

Account gelöscht!

03.07.2012, 21:02 Uhr

Redakteure sollten Meister des Worts sein.
Die Bezeichnung "Gastkommentar" ist zu ersezten durch: "Platz für Lobbyismus".
Wie soll den der Vorstand von RWE eine "Meinung" veröffentlichen? Im Klartext: Der Zusammenhang Eurokrise-Energiekrise: kein logischer Zusammenhang; PV beeinflusst Strompreise: die 1200000 kW Anlage eines AKW wirkt sich nicht aus? Sind die Entsorgungskosten nicht auf die Allgemeinheit übertragen worden? Was ist mit den Forschungskosten? Autarkieziele einzelner Bundesländer? Schon dieses Wortungetüm läßt Mißtrauen aufkommen (was man nicht gleich versteht, sollte man mit Vorsicht anfassen-wie strukturierte Produkte). Wird nicht gerade die Stromleitung von N nach S problematisiert? Braucht man die überhaupt, wenn in BY Solarstrom u. Wasserkraft ausgebaut sind?
Energiewende vs Kleinstaaterei: Deshalb wurde ja das EEG erlassen, um allgemein gültige einfache Regeln für die Einspeisung zu haben (in D, dem Gültigkeitsbereich der BR).
"Kurzfristiger Aktionismus" Das EEG war jedenfalls langfristig angelegt. Wer waren denn die entscheidenden Kräfte, die den A.ausstieg rückgängig gemacht haben? Wer hat auf die Kürzung der PV Vergütung gedrängt und die Planungsgrundlage für diese Industriearbeitsplätze entzogen?
"Mehr Vertrauen in den Markt": Warum fängt jedes Spiel mit den Spielregeln an? Dann wollen wir mal rechnen: F&E der Kernenerg., Entsorgung p/A x 10.000, Rücklagen f. Störfälle, Versicherung (komplett)... Markt bei T. heißt: Na?
Und z. Schluss die Keule: der Verbraucher zahlt. Tatsache ist, dass die Stromrechnung stärker gestiegen ist, als die EEG Umlage.
Das ist HB Lobbysprechzeit in peinlichster Form.

Account gelöscht!

03.07.2012, 21:22 Uhr

"Direktvermarktung von regenrativen Strom weiterentwickeln": translation: Der Privatbetreiber einer Dach-PV Anlage soll zusehen, wie er seinen Strom verkauft: etwa mit einem Zettel am Biete-Board im Baumarkt.
"2005 gelang eine wegweisende Kooperation" - schon? War es nicht so, dass im Frühjahr deutsche AKW zur Wartung heruntergefahren werden, im Gegenzug im Hochsommer Strom nach F liefern, weil dann dort die Anlagen wg. Wassermangel der Flüsse heruntergefahren werden?

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