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22.05.2012

12:39 Uhr

Gastkommentar

Energiewende kommt Deutschland teuer zu stehen

VonAxel Horstmann

In Sachen Energiewende wurde so einiges bisher versäumt. Wichtige Wegmarken könnten verpasst werden. Ein Neuanfang ist notwendig. Dabei stärker auf die Kräfte des Marktes zu achten, wäre schon hilfreich.

Axel Horstmann war Energieminister in NRW und ist Partner der Beratungsgesellschaft S/E/. Pressefoto

Axel Horstmann war Energieminister in NRW und ist Partner der Beratungsgesellschaft S/E/.

Kontinuität oder Neuanfang? Soweit es um ihren Mann im Umweltministerium geht, hat die Bundeskanzlerin erst die eine, dann die andere Antwort gegeben. Was von beidem für die deutsche Energiewende gilt, hat sie nicht gesagt, stattdessen die Worte "noch große Anstrengungen" gewählt. Da wird ihr kaum jemand widersprechen, aber man wüsste gern, wer sich wofür anstrengen soll. Sicher ist, dass der verabschiedete Umweltminister manches versäumt hat, wie zuletzt seine Abstimmungspleite zur künftigen Solarstromförderung im Bundesrat zeigte.

Nun sorgt sich die Bundesregierung, dass wichtige Wegmarken ihrer Energiewende verpasst werden könnten. Gemessen an ihren Absichten, werden allerdings zu wenig Gaskraftwerke gebaut, die schon genehmigten Offshore-Windparks entstehen zu langsam und sind womöglich zum Teil gefährdet, weil Bau und Netzanbindung teurer kommen als geplant.

Darüber hinaus kommt der Ausbau des Übertragungsnetzes nicht voran; nicht nur wegen Planungshindernissen, sondern auch wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit. Die Lösungsvorschläge lauten je nach Fall "Kapazitätsmärkte", "Haftungsübernahme" oder "Bundesnetzplan". Allen gemeinsam ist, dass der Stromverbraucher oder der Steuerzahler den Investoren einen Teil ihrer Kosten oder ihres Risikos abnimmt.

Man kann die Urheberschaft für solche Ideen nicht pauschal der Bundesregierung ankreiden, aber weder Umwelt- und Wirtschaftsminister noch Kanzlerin sind ihnen entschlossen entgegengetreten. Die entsprechenden Forderungen aus der Energiewirtschaft sind ja nicht unplausibel: Es geht um klimapolitische Ziele und insbesondere den gewollten massiven Aufwuchs der fluktuierenden und oft verbrauchsfernen Energiegewinnung aus Wind und Sonne.

Diese erfordern den Ausbau der Stromnetze und den Umbau des konventionellen Kraftwerksparks. Aber ist eine "Kontinuität" in Gestalt eines staatlichen Förderregimes über die Energiewirtschaft politisch auf Dauer beherrschbar? Schon die Schwierigkeit, die Vergütungssätze für Photovoltaik-Anlagen volkswirtschaftlich vernünftig zu regeln, muss eigentlich zur Verneinung der Frage führen.

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Gibt es eine Alternative? Weil man dieser Frage sinnvoll nur im realpolitischen Bezug nachgehen kann, ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der erneuerbaren Energien und damit einer von Windstärke und Sonneneinstrahlung abhängigen Energieeinspeisung in Deutschland dynamisch weiter zunehmen wird.

Wahrscheinlich geschieht das noch schneller als von der Bundesregierung geplant, die bisher schon einen Anteil von 35 Prozent am Stromverbrauch für 2020 und 50 Prozent für 2030 annimmt. Aufgrund von Kostenvorteilen, aber auch weil in den Regionen und Kommunen die Energiewende als Chance zur Generierung von Wertschöpfung und Beschäftigung gesehen wird, dominieren dabei in Zukunft wohl dezentrale Formen der Erzeugung an Land.

Kommentare (8)

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dw-seneca

22.05.2012, 13:22 Uhr

Was wir brauchen, ist eine Energiewende, die die bei uns gültigen physikalischen Gesetze berücksichtigt. Diese Gesetze einfach zu ignorieren, wird immer im Desaster enden, egal, welchen Weg die Politik wählen wird. Sonne und Wind sind bei uns ungeeignet, den Stromhunger eines hightech-Landes zu decken.

vandale

22.05.2012, 14:44 Uhr

Sonnen- und Windenergie fallen gemäss den Launen des Wetters an, welche sich in der Regel nicht nach dem Strombedarf in Deutschland richten. Demzufolge ist der Strom aus Windmühlen und Solarzellen in einem bedarfsgesteuertem Netz nahezu wertlos.

Strom ist der am schwierigsten zu speichernde Energieträger. Die Kosten einer Stromspeicherung liegen meist über den Erzeugungskosten moderner Energieerzeugungsverfahren (Kernenergie, Kohle, Gas).

Ich habe einen Artikel zum Thema Stromspeicherung, Techniken, Kosten, geschrieben der soeben bei Eike veröffentlicht wurde. Falls Interesse besteht, einfach googlen.

Vandale

Stromspeicher

22.05.2012, 16:08 Uhr

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