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26.02.2012

20:24 Uhr

Gastkommentar

Erfolgsprojekt Europa darf nicht verspielt werden

VonMartin Raiser, Indermit Gill

Trotz Währungskrise und Wirtschaftsflaute: Die Staatengemeinschaft hat Grund genug, stolz auf ihre Leistungen zu sein. Die europäische Integration war ein Erfolgsprojekt. Damit es weiter wirkt, sind aber Reformen nötig.

Martin Raiser ist Direktor der Weltbank, sein Ko-Autor ist Chefökonom für Europa. PR

Martin Raiser ist Direktor der Weltbank, sein Ko-Autor ist Chefökonom für Europa.

Europa stünde mehr Selbstbewusstsein gut zu Gesicht. Das mag überraschen, denn viele europäische Volkswirtschaften sind zum Ende 2011 sogar leicht geschrumpft. Doch Europas wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den letzten sechs Dekaden ist eine Erfolgsgeschichte in dreierlei Hinsicht.

Erstens ist Europa eine „Konvergenzmaschine“. Kein anderer Kontinent der Welt hat es geschafft, in gleicher Weise ärmere Nachbarstaaten durch wirtschaftliche Integration zu reichen Industrienationen zu machen. Wer weiß heute noch, dass Griechenland nach dem Ende der Militärherrschaft 1974 gerade mal ein Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet 2050 Euro pro Jahr hatte? Heute sind es, trotz Krise, immer noch zehnmal so viel. Polen lag 1990 sogar unter 1600 Euro pro Kopf – heute sind es 9200 Euro.

Der Schlüssel dieser Erfolge: die europäische Integration. Aber nicht nur Süd- und Osteuropa haben profitiert. Ein Gutteil des deutschen wirtschaftlichen Erfolgs der letzten zwei Jahrzehnte lässt sich auf die clevere Arbeitsteilung mit den osteuropäischen Nachbarn zurückführen.

Zweitens steht Europa auch heute noch für Qualität, elegantes Design und eine Wirtschaftspraxis, die Profit und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden sucht. Steve Jobs hat sich von europäischem Design inspirieren lassen. Politiker vieler Schwellenländer, von Brasilien bis China, beschwören eine sozial ausgerichtete Marktwirtschaft. In vielen Branchen, vom Automobil- und Flugzeugbau bis zur Feinmechanik, sind europäische Unternehmen weiterhin Weltspitze.

„Made in Europe“ ist und bleibt anerkannt als internationaler Qualitätsmaßstab. Allerdings hat der Süden Europas im letzten Jahrzehnt stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Ungleichgewichte in Europa sind der Hauptgrund für die gegenwärtige Krise in der Euro-Zone.

Drittens hat wohl keine andere Region der Welt wirtschaftlichen Erfolg in gleicher Weise mit Solidarität gepaart, wie dies in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg gelungen ist. Nirgendwo haben die Menschen so viel Freizeit bei gleichzeitig so hohem Wohlstand. Unter den 30 lebenswertesten Städten der Welt befinden sich nach einer Umfrage des „Economist“ mehr als zwei Drittel in Europa.

Kommentare (17)

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26.02.2012, 20:39 Uhr

Europa ist mehr als die Währungsgemeinschaft und wenn letztere nicht funktioniert, sollte man sei abwickeln. Ansonsten jedwede Bereitschaft und Akzeptanz bei den Menschen. Zweidrittel der Deutschen lehnen die bisherige Rettungspolitik ab! Das sollte man nicht zur zur Kenntnis nehmen, sondern es sollte als Leitfaden für anstehende Entscheidungen dienen.

maui

26.02.2012, 20:51 Uhr

All das ist ein narzistisch überschütteter Aufruf, das Vernichtungsheer der ökonomischen Heuschrecken etwa auf Italien und Portugal (wo der Präsident die jungen Leute explizit zum Auswandern aufrief!!) oder andere Länder zu steuern. Länder wie Italien, wo traditionell, seit vielen Generationen, Familienbande das Weiterkommen bestimmt, da dürften Reformeingriffe ganz einfach traditionell scheitern. Aber, so etwas ist einem selbsternannten Experten im hohen Turm der Weltbank nicht klar, er kann nur alles gleicher als Gleich machen wollen. Das ist respektlos, geschmacklos - Wettbewerb und Währung ist nicht alles!! Es muss nicht alles wie USA oder Indien sein! Das Schöne sind die Unterschiede zwischen den Nationen (richtig: bei hohem Wohlstand) in Europa! Wachstum bringt nur Egoismus und Egomanzen hervor, die aneinander vorbei leben! Da hat wieder einer von dieser Hinterkopfgruppe, deren ureigenste Initiatoren Rothschild, Rockefeller waren/sind, - immerhin öffentlich ja mit Lichtbild - gesprochen.

Account gelöscht!

26.02.2012, 21:43 Uhr

na wenn es die weltbank sagt, dann auf zu mehr wettbewerb, am besten wieder mal kreditfinanziert und wenn man die kredite nicht stemmen kann, dann wird eben die wasserversorgung privatisiert an einen der weltbankpartner oder es gibt patentiertes saatgut von monsanto zum nachkaufen, ihr werdet wohl nie satt.

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