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18.07.2012

06:50 Uhr

Gastkommentar

Europa steht ein heißer Krisensommer bevor

VonHarold James

Heiße Krisensommer hat es in Europas Geschichte schon oft gegeben - von der Ermordung Erzherzog Ferdinands bis zur Großen Depression. Notwendig sind Verträge, die längerfristig wirken - und kurzfristige Problemlösungen.

Harold James: „Bei jeder Krise ging es einerseits um ein höchst fachspezifisches Thema und andererseits um politische Probleme.“ privat

Harold James: „Bei jeder Krise ging es einerseits um ein höchst fachspezifisches Thema und andererseits um politische Probleme.“

Die Krise in Europa ist nun an einem Punkt angelangt, an dem die Entscheidung zwischen Erholung und Erneuerung oder Niedergang und Auflösung fällt. Während Kommentatoren und Finanzanalytiker vor ein paar Wochen noch meinten, zur Rettung Europas blieben nur wenige Monate, sprachen die von Gipfel zu Gipfel taumelnden Spitzenpolitiker kürzlich schon von wenigen Tagen.

Sommerkrisen sind ein vertrauter Bestandteil der europäischen Geschichte. Tatsächlich war das 20. Jahrhundert von drei Sommerkrisen geprägt, deren Schwere in allen Fällen durch die urlaubsbedingte Abwesenheit wichtiger Entscheidungsträger verschärft wurde.

In zwei Jahren werden die Europäer des hundertsten Jahrestages der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 und der darauf folgenden „Julikrise“ gedenken, die im August desselben Jahres zum Ersten Weltkrieg führte. Am 13. Juli 1931 brach das deutsche Bankensystem zusammen und sorgte so dafür, dass sich ein Wirtschaftsabschwung in den USA zur Großen Depression auswuchs. Am 15. August 1971 erklärte US-Präsident Richard M. Nixon das Bekenntnis zu einem fixierten Goldpreis für beendet. Dies führte zu einer Dekade globaler Währungsschwankungen.

Bei jeder Krise ging es einerseits um ein höchst fachspezifisches Thema und andererseits um politische Probleme. Und in jedem Fall führten die Verflechtungen zwischen beiden in das Desaster. In den Sommerkrisen reichte es nicht, sich der fachspezifischen Frage zu widmen, um das ganze Problem zu lösen. Das gilt auch heute.

Tatsächlich zeigt sich auch in Europas gegenwärtiger Krise die gleiche Mischung aus verschiedenen Elementen, die jeweils eine eigene Art der Lösung verlangen. Auf der einen Seite erfordern komplexe nationale Haushaltskrisen und europaweite Bankenprobleme eine umfassende und detaillierte Rettungsaktion. Auf der anderen Seite intensiviert sich seit den frühen 1990er-Jahren ein europäisches Führungsproblem.

Kommentare (8)

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keneohe

18.07.2012, 08:06 Uhr

"Die Experten müssen zudem aufhören, die Bürger zu behandeln, als ob sie dumm wären". - Sehr guter, objektiver und so seltener Beitrag. Europa braucht jedoch nach Jahren der politischen und ökonomisch-ideologischen, ja hierin wenig konkret (Keynes oder Adams) sondern blind fanatisch-religiös (ohne "Gott" weil Amerika auch sozialistisch wurde!!) eine Rückführung zu den Einzelwährungen, Schwankungsbreiten und ein DURCHATMEN!! Und: eine Abführung der gesamten Politikerkaste in ein mehrjähriges, russisches Arbeitslager in Sibirien! Dann würden die Europäer JUBELN, sie hätten ein ZUSAMMENGEHÖRIGKEITSGEFÜHL!!

Account gelöscht!

18.07.2012, 08:45 Uhr

Doch nicht das Ende der Geschichte!!
Der wichtigste Aspekt fehlt: Der 30jährige Krieg (Musterbeispiel für organisierte Plünderei) und die blutig gewonnene Erkenntnis - die Souveränität der Staaten sichert ein friedliches Nebeneinander.
Herr James gehört zum Ostküstenestablishment und weiss sehr genau, dass die USA broke sind (wie Jim Baker es nannte). Seine unterschwellige Anspielung auf Kriegsauslöser lassen den Leser das Naheliegenste vermuten: Ein Spezialkonjunktur- und Sanierungsprogramm der USA.
Seine Begründung für einen Unionsstaat trägt nicht:
Für ein einheitliches Abrechnungs- und Sozialversicherungssystem (z. B.: IT L+G-Standardsoftware) braucht es keinen Einheitsstaat.

Si_vis_pacem_para_bellum

18.07.2012, 09:30 Uhr

Lieber Herr James, das Hervorkramen von beliebigen Daten ist höchstens amüsant, aber sicher nicht seriös. Was halten Sie vom heißen Frühling (23. Mai 1618) oder heißen Herbst (16.-19. Oktober 1813)?
Was wollen Sie eigentlich sagen? Dass der zukünftige deutsche Rentner noch weniger herausbekommt nach 47 Jahren Arbeit, weil die Rentenansprüche in Europa gelevelt werden?
Könnten Sie auch genauer auf Bretton Woods eingehen und warum die Kurse frei gegeben werden mussten? Was taten die USA ganz eigennützig, mit der Folge dass das System schneller zusammenbrach? Wo ist übrigens das deutsche Gold, das Deutschland zum Ausgleich der Handelsbilanzen immer noch zusteht?
Könnten Sie bitte erwähnen, dass in den USA das heutige System die Pleite von Bundesstaaten zulässt? Was halten Sie davon in der Eurozone Pleiten von Staaten zuzulassen?
Wie steht es übrigens mit der OCA (Optimum Currency Area), die in den USA mit einem extrem blutigen Bürgerkrieg geschaffen wurde? Schwebt Ihnen das auch für Europa vor? Sprechen dann alle huch-wie-schicken Volker Becks und andere "Wahre Europäer" dann nur noch Europäisch? Lächerlich.
Gestehen SIE sich bitte ein, dass das politische Wahnprojekt "Euro" in seiner derzeitigen Form nicht funktionieren kann, da handfeste Voraussetzungen fehlen und diese im Eilverfahren nicht nachzuschieben sind und auch aus demokratischen Gründen nicht nachgeschoben werden dürfen! Unionen (Bank-, Fiskal-, Sozial- etc.) müssen langsam wachsen oder wir brauchen einen handfesten Krieg (Gott bewahre!)
Europa war auf einem guten Weg. Dieser wurde mit der zu großen und falschen Aufstellung des Euros verlassen.
Lehren Sie Ihre Studenten in Princeton, dass Deutschland nicht die Eurozone und die USA retten kann. Und erklären Sie ihnen am Rande auch, wie es vor wenigen Jahren dazu kam, dass deutsche Landesbanken mit US-amerikanischen Schrottpapieren vollgepumpt wurden, für die jetzt der deutsche Steuerzahler haftet.

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