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22.01.2012

09:07 Uhr

Gastkommentar

Europas Zukunft entscheidet sich am Arbeitsmarkt

VonKlaus F. Zimmermann

Der Chef des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, fordert eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes in der Euro-Zone. Ein gemeinsamer Währungsraum setze leistungsfähige Arbeitsmärkte voraus.

Klaus F. Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. dapd

Klaus F. Zimmermann ist Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Die Zukunft Europas entscheidet sich auf den Arbeitsmärkten. Auf keinem anderen Gebiet ist das Wirtschafts- und Wohlfahrtsgefälle zwischen den Ländern heute so dramatisch. Während Deutschland, Österreich und die Niederlande Vollbeschäftigung ansteuern, wächst in Spanien, Griechenland und Italien eine Jugend ohne berufliche Perspektive auf. Deshalb ist nur zu begrüßen, dass Europas Regierungschefs auf ihrem nächsten Gipfel am 30. Januar die Beschäftigungspolitik in den Mittelpunkt stellen wollen. Eine europäische Agenda für mehr Beschäftigung muss das Ziel sein.

Zwar ist eine Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts auf den Weg gebracht worden, um ihn effektiver zu machen. Doch dieses Reformpaket konzentriert sich auf die fiskalpolitischen Defizite und ist kaum in der Lage, dem Arbeitsmarkt die notwendigen Impulse zu geben. Dieser muss zugleich auf den demografischen Wandel und den globalen Wettbewerb reagieren können.

Dies gelingt nur mit einem hinreichend flexiblen, offenen Arbeitsmarkt mit wettbewerbsfähigen Strukturen. Eine wichtige Konsequenz wäre deshalb, im neuen Regelwerk des Stabilitäts- und Wachstumspakts nicht nur bessere Kontroll- und Sanktionsmechanismen für ausgeglichene Haushalte zu verankern, sondern ebenso Parameter für die Beschäftigungsentwicklung, für Innovation und Wachstum.

Die EU-Kommission braucht überzeugende Instrumente, damit die Euro-Staaten ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessern und ihre Arbeitsmärkte reformieren, vor allem liberalisieren. Ein Anreizsystem sollte geschaffen werden, das insbesondere in den Krisenländern erkennbare und messbare Fortschritte beim Aufbau neuer Beschäftigung prämiert.

Dabei muss jedes Land seine eigene Reformstrategie entsprechend seinen spezifischen Bedingungen wählen. So ist in den Euro-Krisenländern der Dienstleistungsanteil sehr hoch, und entsprechend abhängig ist die Wirtschaft von der Beschäftigungsnachfrage. Die deutsche Exportindustrie hingegen ist wegen ihrer Kapitalintensität nicht so abhängig vom Arbeitsmarkt. Andere Länder müssen vor allem ihre agrarischen Strukturen überwinden.

Kommentare (10)

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rational

22.01.2012, 09:57 Uhr

Mobilität muss deutlich erhöht werden.

Eine (längst überfällige) Erhöhung der Entfernungspauschale auf 0,40 € für jeden Entfernungskilometer wäre hier sehr sinnvoll für Deutschland!

http://de.wikipedia.org/wiki/Entfernungspauschale#Positionen_f.C3.BCr_die_Entfernungspauschale

Domenq

22.01.2012, 10:00 Uhr

Ich kann mich des Eindruckes eines veritablen Gewäsches nicht erwehren...


PikAs

22.01.2012, 17:43 Uhr

Diese EU ist gescheitert. Man kann aus so unterschiedlichen Völkern mit so vielen unterschiedlichen Sprachen nicht erwarten, dass diese, wie die Amerikaner, einfach mal das "Land" wechseln, wenn sie keine Arbeit mehr haben.
Wieviel Sprachen soll dann der Normalbürger lernen und vor allem auch richtig beherrschen. Die meisten Menschen können noch nicht mal richtig englisch.
Wie soll jemand ohne richtige Sprachkenntnisse einen verantwortungsbewussten Beruf ausüben können?

Jeder kehre vor seiner eigenen Tür, dann ist das Dorf auch sauber. Dieser Spruch stimmt. Die Griechen müssen sich um ihr Land kümmern, die Portugiesen, die Italiener, die Franzosen und auch wir Deutsche. Da ist keiner ausgenommen. Bis zur Einführung des verdammten Euros hat das auch wunderbar geklappt!

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