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16.08.2012

07:02 Uhr

Gastkommentar

EZB-Interventionen sind keine Lösung

VonBeatrice Weder di Mauro

Immer wieder war die EZB krisenbedingt gezwungen, massiv zu intervenieren. Eine Lösung ist das freilich nicht. Die Politik darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Sie muss die Krisenländer stabilisieren.

Wirtschaftsprofessorin Beatrice Weder di Mauro spricht sich gegen Euro-Bonds aus. dapd

Wirtschaftsprofessorin Beatrice Weder di Mauro spricht sich gegen Euro-Bonds aus.

Können Sie es nicht mehr hören? Die Warnungen vor dem bevorstehenden Untergang der Euro-Zone? Sind Sie krisenmüde und überzeugt, Ökonomen (und Ökonominnen) müsse man nicht mehr zuhören? Schließlich ist es ja doch immer irgendwie wieder weitergegangen, und Europa ist eben doch nicht untergegangen. Die Ökonomen streiten ja nur.

Leider kann man leicht zu dieser Haltung gelangen. Aber leider ist auch leicht erkennbar, dass sich viele Warnungen erfüllt haben, dass sich die Krise kontinuierlich verschärft hat, obwohl immer größere „Waffen" aufgefahren und auch eingesetzt wurden.

Schon zum zweiten Mal in den letzten Monaten sah sich die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, massiv zu intervenieren. Zuerst, um die Liquidität des Bankensystems zu sichern, und zuletzt, um die Refinanzierungskosten von Staaten zu dämpfen. Nun herrscht wieder die Hoffnung, dass es reichen wird, dass die EZB den Zusammenhalt sichert und die Politik weitgehend aus dieser Verantwortung entlässt. Eine Lösung sieht anders aus.

Der vom Institute of New Economic Thinking einberufene europäische Krisenrat aus 17 Ökonomen stand vor der Aufgabe, eine tragfähige Lösung zu präsentieren. Er ließ sich dabei vom Prinzip leiten, nur die ökonomisch minimal erforderlichen Interventionen vorzunehmen und zwischen dem langfristigen Ziel und dem kurzfristig notwendigen Weg zu unterscheiden. Denn es gilt, zwei getrennte Aufgaben zu bewältigen: Erstens sind die Lasten, die aufgrund des verfehlten Regelwerks der Euro-Zone entstanden sind, abzutragen, und zweitens muss das Regelwerk verbessert werden.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

16.08.2012, 07:52 Uhr

"Der Krisenrat hat sich primär für eine fiskalische Lösung, nämlich für den Schuldentilgungspakt des Sachverständigenrates ausgesprochen. Dieser hat gegenüber monetären Interventionen der EZB den Vorteil, dass er nicht nur kurzfristig die Zinsaufschläge reduziert, sondern auch den Schuldenabbau vorschreibt und damit eine Brücke in das langfristige Regime baut."

Welcher Vertrag innerhalb der EU wurde bislang denn nicht gebrochen? Warum sollte es dieses Mal anders sein?

Account gelöscht!

16.08.2012, 09:42 Uhr

Werte Frau Weder di Mauro,

halten sie die Leser des Handelsblatts bitte nicht für blöd. Und diese immer wieder kolportierte Idee eines Schuldentilgungspakts um den Euro zu retten ist nun wirklich übelste Volksverdummung.

1. wieso sollte das deutsche Volk den Euro retten wollen, es lebte mit der D-Mark wesentlich besser.
Die Bundesbank hat wirklich für Währungsstabilität gesorgt und nicht wie die EZB heutzutage den Geldwert durch massive Bilanzausweitung entwertet.
Nur die Politik und Exportwirtschaft profitiert von dieser Euro-Zwangswährung.

2. wieso sollte deutsche Volk glauben in der EU würde sich irgendjemand ausser Deutschland an Verträge halten müssen. Vor allem über Jahrzehnte.
Selbst wenn die Südländer sich an den Schuldentilgungspakt halten wollten, sie könnten es gar nicht. Ihre Wirtschaft wird im Euro systematisch gekillt.

3. Erinnern sie sich bitte an all die Stabilitätsversprechen als der Zwangs-Euro ohne das deutsche Volk zu fragen eingeführt wurde. Es wird keine Transferunion geben. Der Euro wird stabiler als die DM sein. Nur Lügen und falsche Versprechen, wieso sollte der Bürger jemals wieder der Politik oder den Eurologen vertrauen. Wenn man alle Transfersysteme aka Bail-Outs innerhalb der EMU zusammenzählt reichen wohl bald nicht mehr alle Finger beider Hände.

4. Der Euro ist politisch ein Verbrechen. Er ist das Werkzeug um den grossen Sprung nach vorn zu den Vereinigten Staaten von Europa zu erzwingen oder falls nötig auch zu erpressen. Nur mit einer großen Krise kann man die Völker in diesen Kerker sperren. Ihr Schuldentilgungspakt oder Eurobonds sind nur weitere Werkzeuge für das gleiche Ziel.

Die Völker Europas haben dieses antidemokratische System der EU und ihrer Zwangswährung Euro komplett satt. Nieder mit der EU!

Peter_G

16.08.2012, 09:58 Uhr

Frau Weder di Mauros Vorschläge zur langfristigen Stabilisierung durchsetzbar? Und was ist mit der Zahlungsbilanz?

Die gedankliche Trennung in Altlastenbewältigung und Maßnahmen, die die Währungsunion langfristig funktionsfähig machen (was sie jetzt nicht ist), ist sinnvoll. Ich bezweifle aber, dass Frau Weder di Mauros Vorschläge (kein Bail-out von Staaten und Banken, sondern Insolvenzen) durchgesetzt werden können, *selbst* wenn die entsprechenden Verträge unterzeichnet werden würden. Und die Frage, wie Zahlungsbilanzgleichgewichte dauerhaft hergestellt werden können (Lohndiktate aus Brüssel?), ist sie noch gar nicht angegangen. Was ist mit den Target-2-Krediten, die sich z.Zt. jeden Tag erhöhen?

Einerseits also ein erster gedanklicher Schritt in die richtige Richtung. Andererseits fehlt mir der Glaube, dass die Politik den Willen hat, den notwendigen Weg wirklich zu Ende zu gehen: zu schön ist für die die Transferunion! Solange das so ist, muss die Währungsunion aufgelöst werden.

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