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24.04.2012

20:10 Uhr

Gastkommentar

Frankreich fehlt die Zeit für Experimente

VonHarold James

In Frankreich könnte bald der Sozialist François Hollande neuer Präsident sein. Angesichts der weltwirtschaftlichen Lage und der angespannten Situation in Europa bliebe ihm wenig Zeit, seinen politischen Kurs zu finden.

Der Sozialist François Hollande könnte Frankreichs nächster Präsident werden. dpa

Der Sozialist François Hollande könnte Frankreichs nächster Präsident werden.

In den vergangenen beiden Jahren haben die Finanzmärkte nacheinander mehrere Länder in das Zentrum eines scheinbar nicht zu stoppenden europäischen Erdbebens gerückt: Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien. Gleichzeitig sahen Politiker als Herz des europäischen Projekts die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland an.

Ist diese Beziehung nun in Gefahr? Klar ist jedenfalls: Dem künftigen Präsidenten werden die Finanzmärkte keine Zeit für Experimente lassen. Im Jahr 2012 gab bisher der Tango von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel den Takt vor - das Paar wurde ja auch „Merkozy“ genannt. Sie trafen wichtige Entscheidungen und beharrten auf haushaltspolitischer Stabilität.

Der linke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon aber hat ohnehin ebenso wie die Rechtspopulistin Marine Le Pen anti-deutsche Rhetorik zum Kern des jeweiligen Wahlkampfs gemacht. Und der gemäßigt linke Kandidat François Hollande, der nun die Wahl zu gewinnen scheint, ist ganz ähnlich vorgegangen.

Immer wieder hat er die Strenge der Europäischen Zentralbank in Kontrast gesetzt zur Flexibilität der britischen und der amerikanischen Notenbank; „Flexibilität“ ist hier eine hübsche Umschreibung für die Bereitschaft, Geld zu drucken. Und seine Position wird offenbar noch gestärkt durch den Zusammenbruch der niederländischen Regierung, die an der Weigerung des Populisten Geert Wilders scheiterte, sich einer von Deutschland verordneten Sparpolitik zu beugen.

Aber auch die relativ hohe Zustimmung für Le Pen in Frankreich gibt Rückhalt für eine Position, die sich gegen deutsche Stabilitätspolitik richtet. Sarkozy dagegen wirbt für ein starkes Frankreich, für „la France forte“. Viele seiner Zuhörer glauben aber, dass er eigentlich „le franc fort“, den starken Franken meint, und das klingt dann so wie Frankfurt, der Sitz der Europäischen Zentralbank.

Der Wahlkampf in Frankreich hat so ein altes Thema wieder auf die Tagesordnung gebracht: Linke französische Politiker sehen sich schnell als Opfer finanzieller Machenschaften. Schon im Jahr 1924 traf eine Flucht aus dem Franc das „Cartel des Gauches“, eine Koalition sozialistischer und bürgerlicher Kräfte.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.04.2012, 20:43 Uhr

haha der war gut

"Immer wieder hat er die Strenge der Europäischen Zentralbank in Kontrast gesetzt zur Flexibilität der britischen und der amerikanischen Notenbank; „Flexibilität“ ist hier eine hübsche Umschreibung für die Bereitschaft, Geld zu drucken."

nanoflo

24.04.2012, 20:43 Uhr

Ja lasst es nochmal kurz krachen, richtig Schulden machen!Bis alles den Bach runtergeht.
Vielleicht wird ja Frankreich, Deutschland ..... brasilanisch oder chinesisch???
Die kaufen dann einfach alles auf, und das wars dann.

Account gelöscht!

24.04.2012, 20:57 Uhr

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