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19.12.2011

00:00 Uhr

Gastkommentar

Gefahr aus der Euro-Zone

VonNouriel Roubini

Rezession in Europa, kaum Wachstum in den USA, Abschwung in den Schwellenländern: Der Ausblick von Ökonom Nouriel Roubini auf die Weltwirtschaft im Jahr 2012 ist pessimistisch - die Regierungen hätten vieles versäumt.

Nouriel Roubini gibt einen pessimistische Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung. ap

Nouriel Roubini gibt einen pessimistische Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Aussichten für die weltwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2012 sind klar, aber alles andere als schön: Rezession in Europa, bestenfalls anämisches Wachstum in den USA und ein steiler Abschwung in China und den meisten Schwellenländern. Den asiatischen Volkswirtschaften droht Gefahr aus China. Lateinamerika droht Gefahr durch niedrigere Rohstoffpreise. Mittel- und Osteuropa droht Gefahr aus der Euro-Zone.

Eine Rezession in der Euro-Zone ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher. Die anhaltende Kreditverknappung, die staatlichen Schuldenprobleme, der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und die Sparpakete deuten auf einen ernsten Abschwung hin. Der US-Wirtschaft drohen beträchtliche Risiken aus der Krise in der Euro-Zone. Sie muss zudem eine erhebliche kalte Progression, die anhaltende Entschuldung der privaten Haushalte, zunehmende Ungleichheit und politischen Stillstand bewältigen.

Was die übrigen großen, hochentwickelten Volkswirtschaften angeht, so steckt Großbritannien in einer W-förmigen Rezession, da frühzeitige Haushaltskonsolidierung und von der Euro-Zone ausgehende Gefahren das dortige Wachstum untergraben. In Japan verpufft der Aufschwung, da die schwachen Regierungen des Landes versäumen, Strukturreformen umzusetzen. Zugleich werden die Fehler in Chinas Wachstumsmodell deutlich. Fallende Immobilienpreise lösen eine Kettenreaktion aus, die negative Auswirkungen auf Bauträger, Investitionen und Staatseinnahmen haben wird. Zunächst war die chinesische Führung bemüht, die galoppierende Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt zu bremsen, doch nun wird sie Mühe haben, das Wachstum wieder in Gang zu kriegen.

Es geht ihr dabei nicht allein so. Auch in den USA, Europa und Japan hat die Politik schwierige Wirtschafts-, Fiskal- und Finanzreformen hinausgeschoben. Der Schuldenabbau im privaten und im öffentlichen Sektor hat in den Industrieländern gerade erst begonnen, die Bilanzsituation der Haushalte, Banken und Finanzinstitute, Kommunen, Regional- und Zentralregierungen ist nach wie vor angespannt. Nur für Spitzenunternehmen hat sich die Lage verbessert. Doch angesichts so vieler Risiken und globaler Unsicherheiten sowie hoher Kapazitätsüberschüsse halten sich diese Unternehmen mit Anlageinvestitionen und Neueinstellungen zurück.

Die wachsende Ungleichheit verringert die Gesamtnachfrage weiter, weil die Haushalte, ärmeren Bürger und Bezieher von Arbeitseinkommen tendenziell mehr Geld ausgeben als Unternehmen, reichere Haushalte und Bezieher von Kapitaleinkünften. Zudem könnte ein zusätzliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung von gesellschaftlicher und politischer Instabilität ausgehen, da die Ungleichheit weltweit öffentliche Proteste anheizt.

Kommentare (1)

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RD1

21.12.2011, 18:01 Uhr

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