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14.02.2012

20:35 Uhr

Gastkommentar

Griechen müssen wieder an Europa glauben

VonWolfgang Clement

Noch ist Griechenland nicht verloren, sagt Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Der ehemalige SPD-Politiker sieht Parallelen zum „Aufbau Ost“ und rät, das Land konkret zu unterstützen statt es zu bevormunden.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement fordert einen „Aufbau Ost“ für Athen. dpa

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement fordert einen „Aufbau Ost“ für Athen.

Der Druck, der in einer im neuzeitlichen Europa noch nie da gewesenen Weise auf die griechische Politik ausgeübt wurde, hat seine Wirkung getan. Athen beugt sich dem Brüsseler Diktat. Dem Land dürfte jetzt - bis auf weiteres - der Gang zum Konkursrichter erspart bleiben.

Wer der veröffentlichten Mehrheitsmeinung folgt, der kann nur zu dem Eindruck kommen, Griechenland sei in Wahrheit rettungslos verloren. Und tatsächlich hat auch die politische Welt das Land schon fast aufgegeben. Man realisiert, dass der Fall Griechenland von Anfang an unterschätzt worden ist. Dass die Probleme dort grundlegend andere sind als etwa in Italien, wo es funktionierende staatliche Strukturen und zudem eine Vielzahl von sehr wettbewerbsfähigen Unternehmen gibt. In Griechenland hingegen geht es zuallererst um den Wiederaufbau eines handlungsfähigen Staatswesens. Aber es geht zugleich um sehr viel mehr. Es geht darum, den Menschen den Glauben an eine Zukunft in und mit Europa zurückzugeben.

Wem es gelingt, sich nicht von den boulevardesken Schlagzeilen hier wie dort vereinnahmen zu lassen, dem können im Blick auf diese Lage in Griechenland durchaus Parallelen zum deutschen „Aufbau Ost“ einfallen. Er hat den Menschen in jenem Teil unseres Landes gewaltige Opfer abverlangt, er hat schon gut zwei Jahrzehnte in Anspruch genommen, und er hat die Deutschen in Ost wie West zusammen rund 2 000 Milliarden Euro gekostet. Aber die Fortschritte sind unübersehbar, und wir konnten bei allen Kosten und Mühen lernen: Der Wandel ist machbar!

Ebendies gilt auch für ein Land wie Griechenland, wenn es sich nicht in Sparmaßnahmen buchstäblich erschöpfen, sondern seine Runderneuerung mit Aussicht auf Erfolg in Angriff nehmen soll. Doch das geht nur mit solidarischer Unterstützung Europas, und zwar mit ganz konkreter Unterstützung, die nach allen Erfahrungen mit der Umstrukturierung von Wirtschaftsregionen in unseren Breitengraden auf vier Hauptmotoren angewiesen ist: eine funktionierende Verwaltung, ein zukunftsfähiges Bildungs- und Qualifikationssystem, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie erfolgversprechende wirtschaftliche, vor allem industrielle Strukturen.

Kommentare (9)

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SOZEN-Scheinheiligkeit

14.02.2012, 21:02 Uhr

Clement = Leiharbeitslobbyist und Mitverantwortlicher prekärer Beschäftigungsverhältnisse und der Deregulierung des deutschen Arbeitsmarktes!
Clement ist genau einer derjenigen, die mitverantwortlich sind für den gesellschaftlichen Verfall und die „Geiz ist geil“ Mentalität und „noch billiger geht immer“ ist.
Selbst niemals in seinem Leben davon betroffen,als Exminister vollversorgt und finaziell bis zum Tode abgesichert, maßte sich dieser Ex-SOZI an, was man den normalen Arbeitsnehmern und Arbeitssuchenden noch so für Grausamkeiten und staatliche Enteignungen und Umverteilungen zumuten kann.
Jetzt will so einer den Griechen Ratschläge geben?

Account gelöscht!

14.02.2012, 22:04 Uhr

Dieser Ganove hat die Millionen Menschen in Deutschland verarmt und zur Sklavenarbeit verdammt. Er hat die Sklavenhändler Hoffähig gemacht!
Man sollte ihn ruhig mal seine Ziele propagieren lassen und dann nachts allein durch Athens Straßen schicken.
Ich hätte da kein Problem damit!

Rapid

14.02.2012, 22:12 Uhr

Polittechnokratische Träumereien ohne realistischen Hintergrund. Ausbildung na schön. Ausgebildet wird auch heute in Griechenland, nur finden die Ausgebildeten keinen angemessenen Arbeitsplatz. Eine Industrialisierung nach mitteleuropäschen Vorbild ist völlg utopisch und bloßer Wunschtraum. Solarindustrie? Er fehlen die Trassen um den zu produzierenden Strom zu den Abnehmern nach Mitteleuropa zu transportieren. Sie wären nur für sündhaft teures Geld zu haben und treiben den Strompreis in die Höhe.
Alleine mit der Landwirtschaft und dem Tourismus ist etwas zu machen. Dafür brauchen die Griechen aber eine eigene Währung und einen geschützen Markt. Wenn ich lese, dass 90% der in Griechenland konsumierten Mlch aus Deutschland und Frankreich kommt, sagt mir das alles.
Da kann Herr Clement soviel räsonieren soviel er will.
Wenn er sich nicht mit Tatsachen und vor allem mit griechischen Mentalitäten wie politischem Clan-Wesen, Vorteilsnahme, Korruption und Fakelaki-Unwesen, einer völlig überzogenen Verwaltungsstruktur mit Massen an überflüssigen Beamten, völlig fehlender Steuermoral und ähnlichem auseinandersetzen will ist alles was er von sich gibt überflüssig und geschenkt.
Die Regierung Schröder/Fischer war verantwortlch dafür, dass ein vollständig ungeeignetes Grechenland Mitglied der Währungsunon wurde.
Soweit ich mich erinnere war Herr Clement Mitglied dieser Regierung.

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